Ente, Tod und Tulpe (Wolf Erlbruch)

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Autor: S. Benedict-Rux
24. Oktober 2008

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Der Tod als Freund

Ente, Tod und Tulpe handelt von Tod und Verlust, aber auch von Freundschaft und Aussöhnung.

Der Tod war schon immer ihr Begleiter, aber sie hat ihn nie bemerkt. Eigentlich findet die Ente den Tod auch ganz nett – wenn man davon absieht, wer er ist. Sie freundet sich mit ihm an, macht sich mit ihm vertraut, stellt sich den letzten Fragen und verliert die Angst. Nach einigen Wochen stirbt die Ente friedlich und zurück bleibt, ein wenig betrübt, der Tod.

Wolf Erlbruchs Bilderbuch irritiert auf den ersten Blick. Es ist nicht nur das Thema – auch die Darstellung des Todes lässt den Betrachter stutzen. Der Tod erscheint als Mädchen im Karokleid, nur mit einem Totenschädel als Kopf. Der Kontrast zwischen der Anspielung auf Kinderbuchidylle und dem grinsenden Schädel verstößt gegen das gewohnte Bild. Die Illustrationen sind auf das Wesentliche reduziert: Ente, Tod, Tulpe, ein Baum, ein Strauch, ein See , ein dunkler Himmel und der Fluß, gezeichnet in wenigen Farbtönen und mit leichtem Strich. Das genügt – mehr braucht es auch nicht um das zu zeigen, worauf es ankommt und es hat den Vorteil, dass es viel Raum lässt für die Fragen und Vorstellungen des Lesers. In der Körpersprache der beiden Hauptfiguren und auch zwischen den Zeilen des Textes, sind in diesem Bilderbuch facettenreiche Zwischentöne zu finden, die eine tiefergehende Auseinandersetzung mit dem Thema ermöglichen. Bei aller Verstörung, die das Buch im ersten Augenblick vielleicht bewirkt, muss man ihm zugestehen auf den zweiten Blick poetisch und tröstlich zu sein.

Das Bilderbuch ist besonders wegen seiner Thematik nicht unumstritten. Man muss sich dabei aber vor Augen halten, dass jüngere Kinder meist viel selbstverständlicher und unbefangener mit dem Tod umgehen, während beispielsweise Erwachsene das Thema gerne tabuisieren und auf Fragen ihrer Kinder oft etwas hilflos reagieren.

Zum Autor:

Seit Ende der achtziger Jahre schreibt und illustriert Wolf Erlbruch Kinderbücher. Er erhielt 2003 den Sonderpreis des Deutschen Jugendliteraturpreises für sein Gesamtwerk, 2006 den Hans Christian Andersen-Preis. Ente, Tod und Tulpe stand auf der Auswahlliste für den Deutschen Jugendliteraturpreis 2008.

Wolf Erlbruch: Ente, Tod und Tulpe. Antje Kunstmann 2007

 

Märchenbuch-Klassiker mit kunstvollen Bildern

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Autor: S. Benedict-Rux
20. Oktober 2008

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Das von Susanne Janssen neu illustrierte Märchen von Hänsel und Gretel ist der Preisträger des Deutschen Jugendliteraturpreises 2008 im Bereich Bilderbuch. Die Jury lobt die „seitensprengenden Illustrationen“ mit denen die Illustratorin neue Perspektiven auf den Märchen-Klassiker eröffnet.

In der Tat ist das Buch „bildgewaltig“ und herausragend in mehrfachem Sinne. Märchenbuch-Klassiker mit kunstvollen Bildern weiter lesen »

Daniel Kehlmann liest…

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Autor: S. Benedict-Rux
18. Oktober 2008

Es gehört zur Tradition des Thomas-Mann-Preises, dass die Preisträger am Vorabend der Preisverleihung aus ihrem Werk lesen. Und so stand für Daniel Kehlmann gestern Abend eine Lesung im Audimax der Universität zu Lübeck auf dem Programm.

Der Hörsaal war gut besetzt, wenn auch nicht überfüllt. Plötzlich saß er da, eine schwarz gekleidete Gestalt, alleine in der ersten Reihe. Während die Veranstalter die Lesung eröffneten, schwirrte ein Kamerateam und ein Fotograf um ihn herum. Und dann ging Daniel Kehlmann zum Pult.

Angekündigt worden war, dass Kehlmann aus seinem essayistischen Werk lesen werde, aber der Autor überraschte sein Publikum. Neben dem Vortrag aus seinen Poetikvorlesungen Diese sehr ernsten Scherze, erfrischend komisch in Interviewform geschrieben, las er aus seinem Bestseller Die Vermessung der Welt und aus seinem ersten Roman Beerholms Vorstellung. Wer jetzt hoffte, Kehlmann werde noch aus seinem neuen, im Januar 2009 erscheinenden Roman (Ruhm: Ein Roman in neun Geschichten) lesen, wurde allerdings enttäuscht.  Das Publikum fühlte sich von der lebendigen und mitreißenden Vortragsweise Kehlmanns wunderbar unterhalten und viele Leser nutzten im Anschluß die Möglichkeit sich Bücher signieren zu lassen.

Der Thomas-Mann-Preis wird seit 1975 alle drei Jahre zu Ehren des Literaturnobelpreisträgers Thomas Mann verliehen. Frühere Preisträger waren unter anderem Walter Kempowski, Ruth Klüger, Günter Grass, Marcel Reich-Ranicki, Siegfried Lenz und Uwe Johnson. Zurzeit tobt ein hitziger Streit zwischen Lübeck und München, da der von der Bayerischen Akademie der Künste seit 1950 jährlich verliehene Literaturpreis dieses Jahr überraschend in Thomas-Mann-Preis umbenannt wurde. Preisträger des Müchner Preises ist Peter Handke.

Rezension des Buches  „Ruhm. Ein Roman in neun Geschichten“ lesen

Deutscher Jugendliteraturpreis 2008

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Autor: S. Benedict-Rux
17. Oktober 2008

Heute wurde auf der Frankfurter Buchmesse von Gerd Hoofe, Staatssekretär im Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, der Deutsche Jugendliteraturpreis 2008 verliehen. Die Preisträger der einzelnen Sparten sind:

  • Bilderbuch: Jacob und Wilhelm Grimm / Susanne Janssen: Hänsel und Gretel (Hinstorff Verlag) -> Rezension lesen
  • Kinderbuch: Paula Fox: Ein Bild von Ivan, Aus dem Englischen von Brigitte Jakobeit (Boje Verlag), ab 10
  • Jugendbuch: Meg Rosoff: was wäre wenn, Aus dem Englischen von Brigitte Jakobeit (Carlsen Verlag), ab 14
  • Sachbuch: Andres Veiel: Der Kick. Ein Lehrstück über Gewalt, Aus dem Französichen von Eva Plorin (DVA), ab 14
  • Preis der Jugendjury: Marie-Aude Murail: Simpel, Aus dem Französischen von Tobias Scheffel (Fischer Schatzinsel), ab 13

Der Sonderpreis geht an die Übersetzerin Gabriele Haefs.

Das von Susanne Jannsen beeindruckend illustrierte Grimmsche Märchen über Hänsel und Gretel stellen wir Ihnen Anfang kommender Woche vor.

Nach Hause schwimmen (Rolf Lappert)

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Autor: S. Benedict-Rux
16. Oktober 2008

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Rolf Lapperts  erste Romane erschienen Anfang der achtziger und Mitte der neunziger Jahre. Danach arbeitete er einige Jahre als Drehbuchautor. Mit Nach Hause schwimmen legt Rolf Lappert dieses Jahr nach langer Zeit wieder einen Roman vor, welcher prompt auf die Shortlist für den Deutschen Buchpreis kam.

Nach Hause schwimmen erzählt die Geschichte des kleinwüchsigen und hochbegabten Halbwaisen Wilbur. Bei seiner Geburt in Philadelphia stirbt seine irische Mutter, sein Vater verschwindet auf Nimmerwiedersehen. Der zu früh geborene Winzling wächst zunächst in der Obhut von Krankenschwestern und in Kinderheimen auf, bis seine Großeltern ihn zu sich nach Irland holen. Dort verlebt er einige glückliche Jahre mit seiner Großmutter Orla, wenn er auch unter Gleichaltrigen ein Außenseiter bleibt. Nach einem Zwischenfall auf dem Schulhof findet er dann irgendwann doch einen Freund – Conor. Nun könnte alles gut werden, wenn nicht, ja wenn nicht Conor durch sein Handeln indirekt Orlas Tod auslösen würde.  Wilbur kommt erst in eine Pflegefamilie, später in eine Jugendbesserungsanstalt, die er trotz aller Einschränkungen aus Angst vor dem Leben am liebsten nicht mehr verlassen würde.

Lappert lässt die Romanhandlung an einem zentralen Krisenpunkt einsetzten: An seinem 20. Geburtstag ist Wilbur von zwei Anglern aus dem kalten Wasser gefischt worden – Unfall oder Selbstmordversuch? Von da an breitet der Autor  Wilburs Leben in zwei Erzählsträngen aus. Der erste holt die Vorgeschichte bis zu diesem Zeitpunkt nach, in dem zweiten erzählt Wilbur, wie er sich allmählich doch noch freistrampelt und einen Weg ins Leben findet. Je mehr man als Leser an der Vergangenheit des etwas sonderbaren Antihelden teilgenommen hat, desto wichtiger wird einem, ob dieser Suchende zu sich selbst finden wird.

Lapperts Roman überzeugt durch eine intensive Erzählweise und starke Bilder, er erzählt eindringlich aber wertungsfrei und ohne Larmoyanz. Zu Wilburs Leben gehören eben auch die hellen Momente, die schöne Zeit mit Orla beispielsweise, wichtige Freundschaften und das Aufgehen Wilburs im Cellospiel. Sie scheinen in der Dunkelheit um so heller, genauso wie durch sie das Leben phasenweise umso bedrohlicher und bedrohter erscheint.

Rolf Lappert: Nach Hause schwimmen. Roman, Hanser 2008

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Deutscher Buchpreis 2008

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Autor: S. Benedict-Rux
13. Oktober 2008

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Ingo Schulzes Adam und Evelyn sowie Der Turm von Uwe Tellkamp galten schon seit längerem als Favoriten auf den Deutschen Buchpreis 2008. Tatsächlich ist nun Uwe Tellkamps 976 Seiten starkes Werk über Dresdner Bildungsbürger in den letzten Jahren vor dem Untergang der DDR, als bester deutschsprachiger Roman des Jahres 2008 ausgezeichnet worden.

Frankfurter Buchmesse 2008

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Autor: S. Benedict-Rux
13. Oktober 2008

Vom 15.- 19.10.08 präsentieren über 7.000 Aussteller aus 101 Ländern mehr als 400.000 Publikationen. Mehr als 2.700 Veranstaltungen haben die Organisatoren für die Besucher der 60. Frankfurter Buchmesse vorbereitet. Ehrengast der Buchmesse ist in diesem Jahr die Türkei. Im Vergleich zu den Vorjahren kann denn auch eine deutliche Zunahme an türkischer Literatur verzeichnet werden. Etwa 70 türkische Belletristik-Titel erscheinen dieses Jahr in deutscher Übersetzung neu auf dem hiesigen Buchmarkt.

Im Zusammenhang mit der Frankfurter Buchmesse werden auch zahlreiche Preise vergeben, darunter der Deutsche Buchpreis (13.10.08), der aspekte-Literaturpreis (an Maria Cecilia Barbetta für Änderungsschneiderei Los Milagros, 16.10.08), der Deutsche Jugendliteraturpreis (17.10.08) und der Friedenspreis des Deutschen Buchhandels (an Anselm Kiefer, 19.10.08).

Weitere Informationen zur Buchmesse: www.buchmesse.de