Schlagworte: Deutscher Jugendliteraturpreis 2008

Ausgezeichnet: „Simpel“ von Marie-Aude Murail

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/ Autor: S. Benedict-Rux


Der 17-jährige Colbert hat einen geistig behinderten Bruder, der nach dem Tod der Mutter in einer Anstalt war. Barnabé, genannt Simpel ist 22 Jahre alt und auf dem Stand eines Dreijährigen. Sein engster Vertrauter und seine Spiegelfläche ist Monsieur Hasehase, sein Kuscheltier. Als Colbert nach Paris geht um dort die Schule zu beenden, nimmt er Simpel zu sich und zieht  mit ihm in eine Studenten-WG. Die übrigen Mitbewohner begegnen Simpel zunächst mir Vorurteilen und Vorbehalten, die Simpel auch zu bestätigen scheint, weil er allerhand Unfug anstellt. Mit seiner kindlichen Offenheit gewinnt er aber nach und nach das Herz der meisten Mitbewohner…

Das hört sich doch jetzt nach einem mäßig unterhaltsamen aber pädagogisch wertvollen Jugendbuch an, oder? Wer ein Problembuch erwartet, das moralisierend für Toleranz und Verständnis mit Behinderten wirbt, irrt sich. Es hat schon seinen Grund, warum dieses Jugenbuch im vergangenen Jahr den Deutschen Literaturpreis in der Kategorie „Preis der Jugendjury“ gewonnen hat.

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Ente, Tod und Tulpe (Wolf Erlbruch)

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/ Autor: S. Benedict-Rux


Der Tod als Freund

Ente, Tod und Tulpe handelt von Tod und Verlust, aber auch von Freundschaft und Aussöhnung.

Der Tod war schon immer ihr Begleiter, aber sie hat ihn nie bemerkt. Eigentlich findet die Ente den Tod auch ganz nett – wenn man davon absieht, wer er ist. Sie freundet sich mit ihm an, macht sich mit ihm vertraut, stellt sich den letzten Fragen und verliert die Angst. Nach einigen Wochen stirbt die Ente friedlich und zurück bleibt, ein wenig betrübt, der Tod.

Wolf Erlbruchs Bilderbuch irritiert auf den ersten Blick. Es ist nicht nur das Thema – auch die Darstellung des Todes lässt den Betrachter stutzen. Der Tod erscheint als Mädchen im Karokleid, nur mit einem Totenschädel als Kopf. Der Kontrast zwischen der Anspielung auf Kinderbuchidylle und dem grinsenden Schädel verstößt gegen das gewohnte Bild. Die Illustrationen sind auf das Wesentliche reduziert: Ente, Tod, Tulpe, ein Baum, ein Strauch, ein See , ein dunkler Himmel und der Fluß, gezeichnet in wenigen Farbtönen und mit leichtem Strich. Das genügt – mehr braucht es auch nicht um das zu zeigen, worauf es ankommt und es hat den Vorteil, dass es viel Raum lässt für die Fragen und Vorstellungen des Lesers. In der Körpersprache der beiden Hauptfiguren und auch zwischen den Zeilen des Textes, sind in diesem Bilderbuch facettenreiche Zwischentöne zu finden, die eine tiefergehende Auseinandersetzung mit dem Thema ermöglichen. Bei aller Verstörung, die das Buch im ersten Augenblick vielleicht bewirkt, muss man ihm zugestehen auf den zweiten Blick poetisch und tröstlich zu sein.

Das Bilderbuch ist besonders wegen seiner Thematik nicht unumstritten. Man muss sich dabei aber vor Augen halten, dass jüngere Kinder meist viel selbstverständlicher und unbefangener mit dem Tod umgehen, während beispielsweise Erwachsene das Thema gerne tabuisieren und auf Fragen ihrer Kinder oft etwas hilflos reagieren.

Zum Autor:

Seit Ende der achtziger Jahre schreibt und illustriert Wolf Erlbruch Kinderbücher. Er erhielt 2003 den Sonderpreis des Deutschen Jugendliteraturpreises für sein Gesamtwerk, 2006 den Hans Christian Andersen-Preis. Ente, Tod und Tulpe stand auf der Auswahlliste für den Deutschen Jugendliteraturpreis 2008.

Wolf Erlbruch: Ente, Tod und Tulpe. Antje Kunstmann 2007

 

Märchenbuch-Klassiker mit kunstvollen Bildern

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/ Autor: S. Benedict-Rux


Das von Susanne Janssen neu illustrierte Märchen von Hänsel und Gretel ist der Preisträger des Deutschen Jugendliteraturpreises 2008 im Bereich Bilderbuch. Die Jury lobt die „seitensprengenden Illustrationen“ mit denen die Illustratorin neue Perspektiven auf den Märchen-Klassiker eröffnet.

In der Tat ist das Buch „bildgewaltig“ und herausragend in mehrfachem Sinne.

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Deutscher Jugendliteraturpreis 2008

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/ Autor: S. Benedict-Rux

Heute wurde auf der Frankfurter Buchmesse von Gerd Hoofe, Staatssekretär im Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, der Deutsche Jugendliteraturpreis 2008 verliehen. Die Preisträger der einzelnen Sparten sind:

  • Bilderbuch: Jacob und Wilhelm Grimm / Susanne Janssen: Hänsel und Gretel (Hinstorff Verlag) -> Rezension lesen
  • Kinderbuch: Paula Fox: Ein Bild von Ivan, Aus dem Englischen von Brigitte Jakobeit (Boje Verlag), ab 10
  • Jugendbuch: Meg Rosoff: was wäre wenn, Aus dem Englischen von Brigitte Jakobeit (Carlsen Verlag), ab 14
  • Sachbuch: Andres Veiel: Der Kick. Ein Lehrstück über Gewalt, Aus dem Französichen von Eva Plorin (DVA), ab 14
  • Preis der Jugendjury: Marie-Aude Murail: Simpel, Aus dem Französischen von Tobias Scheffel (Fischer Schatzinsel), ab 13

Der Sonderpreis geht an die Übersetzerin Gabriele Haefs.

Das von Susanne Jannsen beeindruckend illustrierte Grimmsche Märchen über Hänsel und Gretel stellen wir Ihnen Anfang kommender Woche vor.

Deutscher Jugendliteraturpreis 2008 – Nominierungen

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/ Autor: S. Benedict-Rux

Der Arbeitskreis für Jugendliteratur hat heute auf der Leipziger Buchmesse die Nominierungsliste für den Deutschen Jugendliteraturpreis 2008 bekanntgegeben. Der Deutsche Jugendliteraturpreis wird vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend gestiftet und zeichnet herausragende Werke der Kinder- und Jugendliteratur aus. Nominiert sind folgende Bücher:

Bilderbuch:

  • Christian Duda / Julia Friese: Alle seine Entlein (Bajazzo Verlag), ab 4
  • Lee Tae-Jun / Kim Dong-Seong: Wann kommt Mama? (Baobab beim NordSüd Verlag ), ab 4
  • Wolf Erlbruch: Ente, Tod und Tulpe (Antje Kunstmann Verlag), ab 7 -> Rezension lesen
  • Jürg Schubiger / Eva Muggenthaler: Der weiße und der schwarze Bär (Peter Hammer Verlag), ab 5
  • Jacob und Wilhelm Grimm / Susanne Janssen: Hänsel und Gretel (Hinstorff Verlag), ab 10 -> Rezension lesen
  • Gipi: 5 Songs, Aus dem Italienischen von Giovanni Peduto (avant-Verlag), ab 13

Kinderbuch:

  • Hermann Schulz / Tobias Krejtschi: Die schlaue Mama Sambona (Peter Hammer Verlag), ab 6
  • Zoran Drvenkar / Martin Baltscheit: Zarah. Du hast doch keine Angst, oder? (Bloomsbury Kinderbücher & Jugendbücher), ab 7
  • Paula Fox: Ein Bild von Ivan, Aus dem Englischen von Brigitte Jakobeit (Boje Verlag), ab 10
  • Mireille Geus: Big, Aus dem Niederländischen von Monica Barendrecht und Thomas Charpey ( Verlag Urachhaus), ab 11
  • Benny Lindelauf: Das Gegenteil von Sorgen ((Bloomsbury Kinderbücher & Jugendbücher), ab 12
  • Cynthia Kadohata: KIRA-KIRA, Au dem Englischen von Uwe-Michael Gutzschhahn (Gerstenberg Verlag), ab 12

Jugendbuch:

  • John Green: Eine wie Alaska, Aus dem Englischen von Sophie Zeitz (Carl Hanser Verlag), ab 13
  • Kevin Brooks: Kissing the Rain, Aus dem Englischen von Uwe-Michael Gutzschhahn (dtv), ab 13
  • Andreas Schendel: Dann tu´s doch (Nagel & Kimche), ab 13
  • Meg Rosoff: was wäre wenn, Aus dem Englischen von Brigitte Jakobeit (Carlsen Verlag), ab 14
  • Anthony McCarten: Superhero, Aus dem Englischen von Manfred Allié und Gabriele Kempf-Allié (Diogenes Verlag), ab 14
  • Włodzimierz Odojewski: Ein Sommer in Venedig, Aus dem Polnischen von Barbara Schaefer (SchirmerGraf Verlag), ab 16

Sachbuch:

  • David A. Carter: 1 roter Punkt, Aus dem Englischen von Uli Blume (Boje Verlag), ab 3
  • Karoline Stürmer / Doris Katharina Künster: Pole, Pckeis, Pinguine. Leben im ewigen Eis (dtv Reihe Hanser), ab 11
  • Nikolaus Nützel: Sprache oder Was den Mensch zum Menschen macht (cbj), ab 12
  • Ange Zhang: Rotes Land Gelber Fluss. Eine Geschichte aus der chinesischen Kulturrevolution, Aus dem Englischen von Friedbert Stohner (Carl Hanser Verlag), ab 13
  • Andres Veiel: Der Kick. Ein Lehrstück über Gewalt, Aus dem Französichen von Eva Plorin (DVA), ab 14
  • Bernice Eisensstein: Ich war das Kind von Holocaustüberlebende, Aus dem Englischen von Henriette Heise (Berlin Verlag), ab 16

Preis der Jugendjury:

  • Michael Gerard Bauer: Running Man, Aus dem Englischen von Birgitt Kollmann (Nagel & Kimche), ab 13
  • John Boyne: Der Junge im gestreiften Pyjama, Aus dem Englischen von Brigitte Jakobeit (Fischer Schatzinsel), ab 13
  • John Green: Eine wie Alaska, Aus dem Englischen von Sophie Zeitz (Carl Hanser Verlag),  ab 13
  • Marie-Aude Murail: Simpel, Aus dem Französischen von Tobias Scheffel (Fischer Schatzinsel), ab 13
  • Bjørn Sortland: Die Minute der Wahrheit. Roman über die Liebe und die Kunst, Aus dem Norwegischen von Ina Kronenberger (Carl Hanser Verlag), ab 13
  • Rachel Cohn / David Levithan: Nick & Norah. Soundtrack einer Nacht, Aus dem Englischen von Bernadette Ott (cbt), ab 14

Die Sieger werden am Freitag den 17. Oktober auf der Frankfurter Buchmesse bekannt gegeben.

Quelle: http://www.jugendliteratur.org