Buchtipp: Henning Mankells neuer Roman

31. August 2007, 10:00:47

Henning Mankell ist hierzulande vor allem durch seine Kriminalromane um Kommissar Wallander bekannt geworden. Doch der Bestseller-Autor ist nicht nur ein Meister des skandinavischen Krimis. Dies bestätigt auch sein in diesem Monat erschienener Roman “Die italienischen Schuhe”, der sich in einigem von dem unterscheidet,  was seine Leser bisher von ihm kennen.

Fredrik Welin, 66 Jahre alt und ehemaliger Chirurg, lebt weitgehend abgekapselt auf seiner Insel in den Schären. Wenn das Wasser zugefroren ist, schlägt er jeden Morgen ein Loch in das Eis und taucht in das eiskalte, körnige Wasser ein. Nur so spürt er, dass er noch lebt und für eine kleine Weile verliert seine Einsamkeit an Schärfe.

“Vielleicht hoffe ich insgeheim, da draußen wäre eines Tages jemand, ein schwarzer Schatten in all dem Weiß, der mich sieht und sich fragt, ob er eingreifen soll, bevor es zu spät ist.”

Eines Tages ist da wirklich ein dunkler Schatten auf dem Eis. In seine scheinbar uneinnehmbare Festung, in die er sich nach `der Katastrophe´ seines Lebens zurückgezogen hat, dringt die Vergangenheit in Form einer überraschenden Besucherin ein. Dort auf dem Eis steht Harriet, seine einstige große Liebe, und schiebt ihren Gehwagen auf seine Insel zu. Vor vielen Jahren hat er sie ohne ein Wort verlassen und sie ist gekommen, um die Einlösung eines Versprechens einzufordern.

Harriets Besuch durchbricht die starre Routine Welins und bringt eine Menge unverhoffter Bewegung und neuer Bekanntschaften in seinen Alltag. Mehr als einmal wird er die Wendung bereuen, die dies Ereignis für sein Leben bedeutet, bringt sie doch eine teils unbequeme Auseinandersetzung mit Verantwortung, Schuld, Liebe und verpassten Chancen mit sich. Doch am Ende ist er dankbar für die neue Lebendigkeit und die Erkenntnis, dass man immer Möglichkeiten hat sein Leben zu verändern.

Mankells Roman hinterlässt nachhaltig Eindruck. Atmosphärisch dichte Schilderungen einer beeindruckenden Landschaft, dramatische Ereignisse, nachdenkliche Passagen wechseln einander ab. Mutig fasst er schwierige Themen an – gesellschaftliche Probleme, Schicksale, Krankheit und Tod – ohne sie zu verharmlosen, aber doch immer wieder mit unaufdringlichem Humor. In klaren Worten und Bildern schreibt Mankell über große Gefühle, einzigartige Charaktere und allzu menschliche Probleme.

Ein wundervolles Buch, reich und berührend!

Henning Mankell: Die italienischen Schuhe. Roman. Aus dem Schwedischen von Verena Reichel. Paul Zsolnay Verlag 2007

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Cornelia Funke erzählt Geschichten

25. August 2007, 09:07:35


In diesem schönen Erzählband sind 30 lustige, anrührende und phantasievolle Geschichten von Deutschlands beliebtester Kinder- und Jugendbuchautorin versammelt. Sie stammen aus verschiedenen Büchern der Leselöwen-Reihe (Erstleser ab 8 Jahren). Cornelia Funke erzählt in den kurzen Geschichten unter anderem von Strandfreundschaften, von großen und kleinen Rittern, von Drachen und so phantastischen Wesen wie Dünenschweinen oder Bücherfressern.

Ja, der Bücherfresser -  die Bestseller-Autorin weiß das eigentlich sympathische Kerlchen lebendig zu schildern. Bleibt trotzdem zu hoffen, dass er sich nicht beim Vorlesen aus dem Buch locken lässt, wie die Figuren der Tintenherz-Trilogie!

Das mit farbigen Illustrationen liebevoll bebilderte Buch ist nicht nur für Erstleser, sondern auch wunderbar für abendliche Vorleserituale mit jüngeren Kindern geeignet.

Cornelia Funke: Cornelia Funke erzählt von Bücherfressern, Dachbodengespenstern und anderen Helden. Umschlagillustration von Sybille Hein. Loewe, veränderte Neuausgabe 2007

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Bernhard Schlink: “Die Heimkehr”

22. August 2007, 11:16:05

Peter Debauer wächst vaterlos in einer Stadt im Nachkriegsdeutschland auf. Zu seinen schönsten Kindheitserinnerungen gehören die Ferien, die er bei seinen Großeltern in der Schweiz verbrachte. Jedes Jahr schickte ihn seine Mutter dorthin und er genoß die ländliche Idylle, die vertrauten Tätigkeiten. Abends saßen seine Großeltern als Redakteure über den Korrekturbögen von Groschenromanen und korrigierten die Texte. Papier war zu der Zeit ein kostbares Gut und so bekam der kleine Peter die Rückseiten der Bögen als Schmierpapier zum bemalen und schreiben, verbunden mit der Ermahnung die Vorderseiten auf keinen Fall zu lesen. Natürlich hat er sie doch irgendwann mal gelesen. Er las die Odyssee des Flüchtlings Karl, der auf seiner Flucht aus Rußland allerlei Gefahren überstehen muss, bis er nach Deutschland zurückkehrt. Zuhause angekommen muss er feststellen, dass seine Frau mit einem anderen Mann zusammenwohnt und ein Kind mit ihm hat. Der Schluß des Romans fehlte allerdings, denn diese Blätter hatte Peter schon vor Beginn der Lektüre verbraucht. Was wird aus Karl? Das beschäftigt Peter eine ganze Weile, aber schließlich vergisst er die Geschichte.

Etliche Jahre später, Peter Debauer ist promovierter Jurist und Lektor eines Fachverlages, findet er die Korrekturbögen auf dem Dachboden wieder. Der Roman und sein offenes Ende faszinieren ihn aufs Neue. Er bemerkt Parallelen zu Homers Odyssee und auch das facht seine Neugier auf den Autor weiter an. Als er in einem Haus, das Haus wiedererkennt zu welchem Karl heimkehrt, beginnt er die Namen und das Leben der früheren Bewohner zu recherchieren. Dabei lernt er Barbara kennen. Sofort verbindet die beiden eine freundschaftliche Vertrautheit und bald sind sie ein Paar. Alles könnte nun gut sein, doch das wäre zu einfach. Außerdem lässt Peter Debauer die Suche nach Autor und Romanende keine Ruhe…

Die Heimkehr beginnt recht vielversprechend und auch wenn sie trotz einiger Längen gut zu lesen ist, bleibt die große Begeisterung aus. Was könnten die Gründe dafür sein?

Der Groschenroman den die Großeltern redigierten, bedient sich bei Homers großem Epos. Nachdem der Ich-Erzähler das erkannt hat, streicht er Gemeinsamkeiten und Unterschiede immer wieder heraus. Er bricht selber mehrfach zu “Irrfahrten” auf, deckt auch die `Odyssee´ des Autors auf, der (was einen bei Bernhard Schlink nicht weiter verwundert) ein Nazi war, mehrfach seine Identität gewechselt hat und auch in der Gegenwart noch die Verantwortung für sein Tun letztlich auf andere schiebt. Die Vervielfachung der Odyssee wirkt durch die Häufigkeit ihres Auftretens wie ein intellektuelles Spiel, ein Eindruck, der durch juristisch-moralphilosophische Exkurse und die Hinweise auf Paul de Man und den Dekonstruktivismus verstärkt wird. Ist es das, was den Lesegenuß schmälert?

Was stellt der Protagonist nicht alles an, um den Autor zu finden und hinter seine Geheimnisse zu kommen – er setzt letztlich seine glückliche Beziehung aufs Spiel, riskiert seine berufliche Existenz und reist nach Amerika. Was er entdeckt ist ungeheuerlich und obwohl er sich doch soweit offenbart, als er dem Autor klarmacht, dass er sein (letztes) Spiel durchschaut hat, ist er doch nicht konsequent genug, die ganze Wahrheit selber ans Licht zu zerren. Ist man als Leser vielleicht einfach nur enttäuscht, weil der große Bösewicht zu gut davon kommt, die direkte Konfrontation ausbleibt und man nicht einmal weiß, ob er wenigstens gemerkt hat, dass er von Peter Debauer entlarvt worden ist?

Bernhard Schlink: Die Heimkehr. Roman. Diogenes 2006.

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Deutscher Buchpreis 2007 – bestes deutschsprachiges Buch gesucht

16. August 2007, 11:37:20

Aus 117 Neuerscheinungen im Zeitraum vom  1. Oktober 2006 bis zum 12. September 2007 hat die Jury die ausgewählten zwanzig Titel der sogenannten Longlist bekannt gegeben. Renommierte Autoren und Debütanten, Themenvielfalt und unterschiedlichste Erzählweisen spiegeln die Lebendigkeit und Fülle der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur wider. Nominiert wurden unter anderem:

Julia Franck: “Die Mittagsfrau” (S. Fischer)

Thomas Glavinic: “Das bin doch ich” (Hanser)

Matin Mosebach: “Der Mond und das Mädchen” (Hanser)

John von Düffel “Beste Jahre” (DuMont)

 Diese vier Titel greife ich deshalb hier heraus, weil sie auf meiner Leseliste stehen und daher recht gute Chancen bestehen, dass früher oder später eine Rezension hier im Literatur Blog erscheint. Alle Romane der Longlist hier.

Am 12. September 2007 wird die auf sechs Titel reduzierte Auswahlliste bekannt gegeben – die Favoriten auf den auf den Deutschen Buchpreis, der in diesem Jahr zum dritten Mal vergeben wird. Bekanntgabe des Siegertitels  und die Preisverleihung werden am 8. Oktober zum Auftakt der Frankfurter Buchmesse sein.

Skandinavischer Krimi – Kakerlaken (Jo Nesbo)

10. August 2007, 10:46:23

Der im März auf deutsch erschienene Kriminalroman “Kakerlaken” (Kakerlakkene, 1998) ist eigentlich der zweite Roman in der Harry-Hole-Reihe des norwegischen Autors Jo Nesbo und schließt damit eine Lücke.

In Bangkok wird der norwegische Botschafter in einem zwielichten Motel ermordet aufgefunden. Harry Hole wird beauftragt als Sonderermittler seine thailändischen Kollegen  bei der Aufdeckung des Mordes zu unterstützen. Es dauert nicht lange bis sie einige brisante Entdeckungen machen. Im Koffer des Toten finden sie Fotos, die darauf schließen lassen, dass der Botschafter ein Pädophiler war. Weitere Nachforschungen ergeben, dass er Wettschulden hatte und seine Ehe aufgrund homosexueller Neigungen wohl kaum mehr als solche bezeichnet werden konnte. Eine heikle Sache, war der Verstorbene doch eng mit amtierenden norwegischen Premierminister befreundet, ja hatten die beiden sogar eine zeitlang zusammen gewohnt. Harry Holes norwegische Vorgesetzte haben also kein großes Interesse daran, dass er die Wahrheit ans Licht bringt und die norwegische Presse Wind davon bekommt…

Der Krimi ist äußerst kurzweilig und spannend geschrieben, mit einigen überraschenden Wendungen, die gleichwohl im Rückblick einleuchtend sind. Mehr als einmal gerät der Ermittler in Lebensgefahr, denn nichts ist wie es scheint und Harry Hole  bewegt sich in skrupellosen und mächtigen Kreisen.

Der “Finnische Krimipreis” in der Kategorie `International´ wurde 2007 an die Hary-Hole-Reihe von Jo Nesbo vergeben. Der sechste Band dieser, bei Lesern wie Kritikern zu Recht beliebten Krimireihe, wird diesen Monat unter dem Titel “Der Erlöser” bei Ullstein Hardcover auf deutsch erscheinen.

Jo Nesbø: Kakerlaken. Kriminalroman. Aus dem Norwegischen von Günther Frauenlob. Ullstein Taschenbuch 2007

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Buchcover für den deutschen `Harry Potter´ steht fest

7. August 2007, 09:26:33

Bis gestern 12.00 Uhr konnten kleine und große Leser über das Cover für “Harry Potter und die Heiligtümer des Todes abstimmen. Wie der Carlsen Verlag heute morgen mitteilte, hat das Buchcover mit Harry Potter und Lord Voldemort  (Cover A) das Rennen gemacht. 289.722 mal wurde für dieses Cover gestimmt, das waren 62% der abgegebenen Stimmen. 

Erstverkaufstag für den letzten Band ist der 27.10.07. Das Finale um den sympathischen Zauberlehrling stürmt sowohl im Original ( Startauflage 12 Millionen!) als auch in deutscher Sprache die Bestsellerlisten. Der Carlsen Verlag erwartet den Verkauf von mehr als drei Millionen für die deutschsprachige Ausgabe.

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“Sternwanderer” – die Romanvorlage zum Kinofilm

3. August 2007, 11:01:14

Der “Sternwanderer” (Stardust) von Bestsellerautor Neil Gaiman ist 1997  mit Illustrationen von Charles Vess bei DC Comics erschienen. 1999 folgte eine reine Textausgabe, die es auf einige Bestsellerlisten schaffte. Nun ist der erfolgreiche Fantasyroman mit internationaler Starbesetzung (Robert de Niro, Peter O´Toole, Michelle Pfeiffer u.a.) verfilmt worden und kommt am 18. Oktober in die deutschen Kinos. Zu diesem Anlass ist bei Heyne eine Neuausgabe des Romans erschienen.

Das Fantasymärchen spielt im 19. Jahrhundert in einem kleinen Ort in England, der Wall heißt. Den Namen hat das Dorf von einer großen Steinmauer, die eine Grenze zum Feenreich darstellt. Die einzige Verbingung zwischen den beiden Welten, eine Öffnung in der Mauer, wird auf der Dorfseite von Wachtposten bewacht, um zu verhindern, dass unbemerkt Bewohner der einen Seite auf die andere wechseln. Einmal alle neun Jahre ist der Durchgang erlaubt, denn dann findet ein großer Markttag statt. Dunstan Thorn, ein 18-jähriger Bursche aus Wall, kauft auf dem Feenmarkt von einer schönen Feenfrau eine magische Glasblume für die er mit einem Kuss und einem Rendezvous bezahlt… Einige Monate später wird von der Seite der magischen Welt ein Baby durch die Mauer gereicht – Tristran Thorn.

Als Tristran seinerseits schon fast erwachsen ist, ist er in die schöne Victoria Forester verliebt. Victoria aber will einen anderen heiraten und um ihren Verehrer abzuwimmeln, sagt sie, sie würde ihn küssen (und vielleicht sogar mehr), wenn er ihr den Stern brächte, den sie beide gerade als Sternschnuppe auf die Erde haben niederfallen sehen. Tristran aber packt ein paar Sachen zusammen und zieht los, den Stern zu suchen und ihn seiner Angebeteten zu bringen. Da der Stern auf der Seite der Feenwelt  niedergegangen ist, kommen auf Tristran allerlei Abenteuer zu. Im übrigen ist nicht nur er auf der Suche nach diesem Stern, der sich als Sternenfrau entpuppt. Eine Reihe Feenweltbewohner mit magischen Kräften ist ebenfalls unterwegs, darunter eine Hexenkönigin, die der Sternenfrau das Herz herausschneiden will, um damit für sich und ihre Schwestern die Jugend wiederzugewinnen…

In zehn Kapiteln und einem Epilog erzählt Neil Gaiman die Abenteuer Tristrans. Jedem Kapitel ist eine altertümlich anmutende Überschrift vorangestellt, die den Inhalt kurz zusammenfassend, an alte Bücher und Handschriften erinnert. Das gibt dem `Märchen für Erwachsene´ zusätzlich eine besondere Färbung. Die Geschichte selber basiert durchaus auf gängigen   Märchen- und Fantasymotiven die teils neu kombiniert, leicht, heiter und oft mit einem Augenzwinkern erzählt werden. Die Charaktere der Feenwelt sind geheimnisvoll und natürlich gelten dort andere Regeln und Gesetze – ein Umstand der dazu führt, dass der Verlauf der Geschichte und insbesondere sein Ende so nicht wirklich vorhersehbar sind, zumal der Autor einige überraschende Wendungen parat hält.

Das Zusatzmaterial besteht im wesentlichen aus einem kurzen Abriss, der den großen Erfolg der Bücher des Kultautors nachzeichnet, sowie dem Vorwort und Prolog zu einem geplanten Romanprojekt  mit dem Titel “Wall”.

Neil Gaimann: Sternwanderer. Aus dem Englischen von Christine Strüh, Wilhelm Heyne Verlag Ausgabe 04 / 2007.

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