Neuübersetzung: Essays von Joan Didion

Autor: S. Benedict-Rux
5. September 2008


In den USA ist Joan Didion als kritische Beobachterin von Politik und Gesellschaft bekannt und wird von den Intellektuellen geschätzt. Ihr „Trauerbuch“ Das Jahr magischen Denkens, für das sie 2005 den National Book Award erhielt, kam zwar auch in Deutschland auf die Bestsellerlisten – darüber hinaus ist ihr Werk hierzulande aber wenig bekannt.  Im April ist im Claasen Verlag eine Neuübersetzung von Essays erschienen, die die Journalistin und Autorin zwischen 1961 und 1978 geschrieben hat.

Joan Didion schreibt in ihren Essays zum Beispiel über die Blumenkinder in San Francisco oder über Joan Baez und die Schwierigkeiten die diese mit den Anwohnern ihres Instituts für Studien zu Gewaltfreiheit hat. Sie berichtet über einen Besuch auf der verlassenen Gefängnisinsel Alcatraz und denkt über die Moral oder die Funktion eines Notizbuches nach.

 „Was Didion im Visier hat, sind unsere sprachlichen Rettungsversuche, sind die Illusionen, die hohlen Idealisierungen, die Lügen, die verlogene Moral, die bürokratischen und medialen Verenkungen, die politischen und sozialen Euphemismen, mit denen wir uns einreden, unser Leben folge einem höheren Plan, strebe auf Ruhm und Glück zu, unterliege einer Gesetzmäßigkeit, ergäbe Sinn.“

Dies schreibt Antje Rávic Strubel, die die Essays in diesem Band übersetzt und neu zusammengestellt hat, in ihrem Vorwort.  Vordergründig schreibt Didion über John Wayne, Hollywood, Howard Hughes und anderes mehr. Darunter spiegelt sie den alten amerikanischen Traum und entzaubert amerikanische Mythen. Sie zeigt ihre Brüchigkeit und  ihre Funktion, die darin besteht die Menschen angesichts der Vergeblichkeit am `leben´ zu erhalten. Dabei gibt sie nicht vor objektiv zu sein, sondern führt ihre Schilderungen als persönliche Wahrnehmung vor.

Fazit: Dieser Essayband ist für Leser die eine kritisch-intellektuelle Auseinandersetzung suchen sehr zu empfehlen. Hintergrundwissen über die amerikanische Gesellschaft und Kultur sind vielleicht für die Lektüre nicht zwingend erforderlich, erhöhen aber das Verständnis und den Lesegenuß.

Joan Didion: Wir erzählen uns Geschichten, um zu leben. Aus dem Amerikanischen übersetzt und mit einem Vorwort versehen von Antje Rávic Strubel, Claasen Verlag 2008

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