Krimi: Die Schwester im Jenseits (Andree Hesse)

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Autor: S. Benedict-Rux
8. August 2008

Neujahr 2006. Hauptkomissar Arno Hennings ist von seinem missglückten `Familienbesuch´ in Danzig noch gar nicht wieder richtig in Celle angekommen, als ihn seine Arbeit einholt. Schon auf dem Bahnhof erwartet ihn sein Kollege Karsten Müller: Ein junger Kurde ist erschossen worden – mit einem Gewehr, wie es bis Ende der Neunziger bei der Bundeswehr verwendet wurde. Sein Name ist Mehmet Duman, verurteilt wegen Rauschgifthandels und gerade erst aus dem Gefängnis entlassen. Im Wagen am Tatort findet die Polizei Ecstasy und Marihuana. Auf den ersten Blick führen die Spuren ins Drogenmilieu, doch am nächsten Tag findet eine Massenschlägerei zwischen yezidischen Kurden und Neonazis statt, bei der ausgerechnet der `Jenseitsbruder´ des Mordopfers, Dosto Yavsan, fast tot geschlagen wird. Zufall? Die Ermittlungen erweisen sich als schwierig, denn hier wie dort sind die Befragten wenig auskunftsfreudig. Auch die Angehörigen halten sich eher bedeckt und die Schwester des Toten fasziniert wie irritiert den frustrierten Hauptkommissar. Wenig später wird ein angesehener Arzt vermisst, Dr. El Tahir, der Vater von Mehmets früherer Freundin Layla. Layla war drogenabhängig und hatte nach einem Entzug Selbstmord begangen. Hat El Tahir vielleicht etwas mit dem Mord an Mehmet zu tun?

„Am Anfang war der Tod nur ein Wort“

Anders als die Kommissare ahnt der Leser von Anfang an, dass die Geschehnisse auch mit weit zurückliegenden Ereignissen zusammenhängen. Parallel zu den Ermittlungen schildert Andree Hesse die Erlebnisse eines yezidischen Mädchens im Irak. Er beginnt mit einem Giftgasangriff auf ihr Dorf im Jahr 1987. Nach dem Angriff muss die zehnjährige Nasira mit ansehen, wie ihre Mutter von irakischen Soldaten erschossen wird. Mit den übrig gebliebenen Dorfbewohnern und ihrer kleinen Schwester flieht sie über die Berge, um in die Türkei zu gelangen. Fast zwanzig Jahre später ist für sie der Zeitpunkt gekommen, Rache für das Erlittene zu nehmen…

Dem dritten Krimi um Arno Hennings liegt eine interessante Geschichte zugrunde, die der Autor spannend und mit glaubwürdig wirkenden Figuren erzählt. So unterbricht er beispielsweise die Handlungsstränge der verschiedenen Erzählebenen gerne an ereignisreichen Stellen und treibt so den Leser nach vorne. Hauptkommissar Hennings wirkt mit seinen Alltagssorgen sehr sympathisch und menschlich. Leser des ersten Krimis (Der Judaslohn) können sich auf ein Wiedersehen mit Emma Fuller von der britischen Militärpolizei freuen. Die Schwester im Jenseits ist ein spannungsreicher Krimi, der seine Leser unterhaltsam in eine uns weitgehend unbekannte Welt entführt.

Andree Hesse: Die Schwester im Jenseits. Roman, Wunderlich 2008

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