Wie durch ein dunkles Glas (Donna Leon)

Autor: S. Benedict-Rux
12. September 2008


Comissario Brunettis fünfzehnter Fall ist vergangenes Jahr als Hardcover erschienen und soll in Kürze als Taschenbuch auf den Markt kommen.

Ein Freund von Inspektor Vianello ist bei einer Demonstration festgenommen worden. Vianello bittet  Comissario Brunetti darum sich zu erkundigen, was vorgefallen ist und was dem Umweltschützer Marco Ribetti vorgeworfen wird. Als der Comissario und Vianello deswegen nach Mestre fahren, machen sie dort Bekanntschaft mit Ribettis cholerischen Schwiegervater Giovanni De Cal, der eine Glasmanufaktur auf Murano hat. Angesichts seines Schwiegersohnes bricht er in wüste Beschimpfungen aus…

Kurze Zeit später bittet De Cals Tochter Brunetti um Hilfe. Ihr Vater soll laut Aussage einiger Arbeiter Morddrohungen gegen seinen Schwiegersohn ausgesprochen haben. Einer der Zeugen ist der Nachtwächter Tassini, welcher die Umweltverschmutzung durch die Industrie für die Behinderung seiner Tochter verantwortlich macht. Er behauptet Beweise dafür zu haben. Anfangs ermittelt Brunetti noch auf eigene Faust, aber eines morgens liegt der Nachtwächter tot vor einem glühenden Ofen. War es ein Unfall? Ist der Nachtwächter Opfer eines Familienstreits oder hatte er wirklich Beweise? Die Hitze hat kaum verwertbare Spuren übrig gelassen und so hat der Comissario wenig in der Hand. Im Besitz des Toten befand sich allerdings ein mit ungewöhnlichen Randbemerkungen versehenen Exemplar von Dantes Inferno und ein paar Blätter mit rätselhaften Notizen…

In Donna Leons Krimiserie war in der Vergangenheit schon häufiger eine Verschiebung der Handlung, weg von der eigentlichen Krimihandlung und hin zu den Charakteren der Serie, zu beobachten. Dies muss durchaus nicht negativ sein, hat die Autorin doch eine ganze Reihe sehr unterschiedlicher und liebenswerter Figuren rund um den venezianischen Comissario entwickelt. Und so ist in diesem Band die Hälfte des Buches mit Bootsfahrten, Plaudereien, gutem Essen etc. vergangen, bevor es einen Toten und damit einen Kriminalfall gibt. Aber in diesem Brunetti-Roman will auch an dieser Stelle der Funke oft nicht so recht überspringen. Die Figuren wirken eher wie Schatten ihrer selbst, zu oft vermisst man das, was ihr Wesen und ihr Verhältnis zueinander ausmacht. Nicht zuletzt auch dadurch ist Wie durch ein dunkles Glas einer der schwächeren Brunetti-Krimis.

Donna Leon: Wie durch ein dunkles Glas. Comissario Brunettis fünfzehnter Fall. Roman, Aus dem Amerikanischen von Christa E. Seibicke, Diogenes 2007

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