Vom Zauber des Augenblicks

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Autor: S. Benedict-Rux
19. Mai 2014

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„Nicht schwindelfrei“ heißt der kurze Roman von Jürg Schubiger, der im Februar im Haymon Verlag erschienen ist. Im Mittelpunkt der Handlung steht der Journalist Paul, der als Folge seiner Arbeit erkrankt ist: „Er sei krank, hiess es, oder er sei krank gewesen. Ihm selbst war aber gar nicht so.“ Pauls Gedächtnis macht was es will, den Anforderungen von außen entzieht es sich häufig. Schwere Zeiten liegen besonders auch hinter seiner Frau Monika, die von der Anstrengung der zurückliegenden Zeit müde und mürbe geworden ist. Jetzt, da sich Pauls Zustand gebessert hat und sein Gedächtnis aufklärt wird auch der Schatten spürbar, der auf Ihrer Ehe lastet.

„Paul war nicht schwindelfrei, wenn es wunderbar zuging“

Da der Roman Pauls Perspektive einnimmt, bleibt manches im Ungefähren und Zusammenhänge nur angedeutet. So aber kann der Leser relativ unmittelbar an seinem Erleben teilnehmen: den Verunsicherungen ebenso, wie dem Staunen mit dem Paul auf die Welt zugeht, den gegenwärtigen Augenblick wahrnimmt. Unbelastet von Erinnerungen, gibt ihm die „Krankheit“ eine neue Freiheit mit der Welt und auch mit den Menschen in Kontakt zu kommen. So auch zum Beispiel mit Claire, die er in der Straßenbahn einfach anspricht und nach Hause begleitet.
In seiner Wörtersammlung hält er Begriffe und Wendungen fest, die er schön oder interessant findet. Er verliert sich in den Bildern, die im Kunstmuseum hängen. Der „Eichenwald“ von Robert Zünd, einem der bedeutendsten Schweizer Maler des 19. Jahrhunderts etwa hat es ihm angetan, ebenso wie ein Gemälde von Hendrick van der Burgh, in dessen Haus und Garten er gewissermaßen „herumwandert“. Und doch kehrt er auch mehr und mehr in das Leben zurück.
Es ist ein Buch von der eher leisen und poetischen Sorte, eines das die kleinen Wunder feiert und den Zauber des Augenblicks, eines in der die Sprache des Erzählers die Liebe Pauls zum Wort widerspiegelt – bis hin zum offenen Ende einfach schön!
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Jürg Schubiger: Nicht schwindelfrei. Roman. Haymon Verlag 2014

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