Die Intelligenz der Biene

Autor: S. Benedict-Rux
26. Juni 2017

Teil 3 der Serie mit Büchern über Bienen

Buch bei amazon ansehen / bestellenDie Biene gehört wohl zu den am meisten unterschätzten Tieren. Während es sich mittlerweile herumspricht, dass der Mensch für seine Ernährung auf die Bestäubungsleistung der Bienen angewiesen ist, ahnen nur Wenige, dass Bienen weitaus intelligenter sind als der Mensch es ihnen bislang zugetraut hat. Trotz der relativ kleinen Neuronenzahl verfügt die Biene über beachtliche sensorische Fähigkeiten und ein erstaunliches Lernvermögen.

Populärwissenschaftliches Sachbuch

Randolf Menzel ist einer der führenden Wissenschaftler im Bereich Neurobiologie und Bienenforschung.Gemeinsam mit dem Journalisten Matthias Eckholt versucht er dem Leser die komplexe Thematik in verständlichen Worten nahe zu bringen: Wie nehmen Bienen wahr, also wie sehen, wie riechen sie? Über welche Sinne verfügen sie darüber hinaus? Auf welche Weise orientieren sie sich und wie lernen sie? Ist der einigen Lesern aus dem Biologieunterricht bekannte Schwänzeltanz denn nun eine Sprache oder eher nicht?

Das sind nur einige der Fragen, die Menzel in seinem Sachbuch stellt. Die Antworten, die sich aus den Ergebnissen der Bienenforschung ergeben sind bisweilen überraschend und lehren einen das Staunen. Wer hätte ihnen das zugetraut? Bienen scheinen zum Beispiel im Schlaf die Vorgänge, die sie während des Tages gelernt haben, nochmal abzuspielen und für die Gedächtnisbildung zu verarbeiten.

Kleine Hochleistungsgehirne

Verblüffend sind beispielsweise solche Details, wie, dass sie in der Lage sind zu lernen symmetrische von unsymmetrischen geometrischen Objekten zu unterscheiden. Wurden Bienen auf symmetrische Objekte dressiert, in dem man sie dort mit Zuckerwasser belohnte, so fliegen sie bei weiteren Experimenten völlig neue, unbekannte geometrische Objekte an und zwar auch dann, wenn sie dort nicht belohnt werden.

Spannend ist auch die Beobachtung, dass Bienen sich offenbar eine kognitive Landkarte ihrer Umgebung machen. Können sie aufgrund der Experimentanordnung nicht dieselbe Flugroute zum Stock nutzen, die sie auf dem Hinweg genommen haben, sind sie in der Lage eine eine andere, möglichst kurze Route auszuwählen. Dies schaffen sie problemlos selbst dann, wenn sie diese noch nie geflogen sind. Möglich werden solche Beobachtungen durch eine Markierung der einzelnen Bienen, die dann im Radar verfolgt werden können.

Biographisches und Anekdoten aus dem Wissenschaftsbetrieb

Auf Fachsprache versuchen die Autoren bei ihren Ausführungen größtmöglich zu verzichten, so dass die bislang doch recht komplexe Thematik verständlicher ist, als man annehmen würde. Andererseits erfordert die Lektüre des Sachbuches bei aller Faszination, die bei der Schilderung der Experimente und ihrer Ergebnisse aufkommt, doch einiges an Aufmerksamkeit. Das ist kein Buch, das man mal so nebenbei konsumiert, auch wenn Menzel und Eckholt sich bemühen, das Sachbuch durch ein paar zusätzliche Elemente aufzulockern.

Eingestreut sind nämlich beispielsweise biografische Elemente des Neurologen und Bienenforschers Menzel. Angefangen von den ersten Versuchen mit einem selbstangelegten Teich und dem Mikroskop des Großvaters, die man als erste Schritte in Richtung eines Forscherlebens deuten kann, schildert er einige Phasen seines beruflichen Werdegangs. Anekdotenreich plaudert er über Hindernisse, Rivalitäten und Kämpfe im Wissenschaftsbetrieb. Das sind Partien im Buch, die sich natürlich leichter lesen lassen und manche Leser erfreuen werden. Andere mag dies wiederum eher langweilen.

Neonicotinoide stören die Navigation der Bienen

Im letzten Kapitel widmet sich Menzel den Einflüssen von Pflanzenschutzgiften auf die Bienengesundheit. In Experimenten konnte nachgewiesen, dass Neonicotinoide negative Auswirkungen auf die Orientierung der Bienen haben. Es scheint, dass sie durch den Einfluss der Nervengifte nicht mehr auf ihre kognitive Karte zurückgreifen können. Darüber hinaus gibt es Hinweise auch darauf, dass sich diese Stoffe negativ auf die Sammelaktivität und die Bereitschaft, ihre Bienenschwestern mit einem Schwänzeltanz auf lohnende Nektarquellen aufmerksam zu machen, zurückgeht. Besonders problematisch ist dabei, dass Neonicotinoide vergleichsweise stabil sind, so dass auch geringe Dosen bei langfristiger Aufnahme dramatische Auswirkungen zeigen können. Kein Wunder also, dass „Die Intelligenz der Bienen“ mit einem großen Appell zum Schutz der Bienen und unserer Umwelt abschließt.

Zahlreiche Abbildungen und Literaturhinweise runden das Sachbuch ab.

Das Sachbuch von Menzel und Eckoldt ist zwar keine ganz einfache Lektüre, aber überaus lohnend. Es bietet faszinierende Einblicke in die Fähigkeiten einer vielfach unterschätzen Tierart!

Randolf Menzel, Matthias Eckoldt: Die Intelligenz der Bienen Wie sie denken, planen, fühlen und was wir daraus lernen können. Knaus 2016
ISBN: 978-3-8135-0665-5
[D] 24,99 € [A] 25,70 €

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