Dem Bienensterben auf der Spur

Autor: S. Benedict-Rux
3. März 2017

Zweite Folge der Serie über Bienen-Bücher

Buch bei amazon ansehen / bestellenIn dem Sachbilderbuch, das wir in der ersten Folge der Serie im Literatur Blog vorgestellt haben, spielte das rätselhafte Bienensterben, welches in den letzten Jahren weltweit vermehrt beobachtet wird, eher am Rande eine Rolle. Anders in „Tod einer Königin. Warum sterben Bienen wie die Fliegen“, das streng genommen ein Magazin ist und doch wie ein großformatiges Buch wirkt. Entstanden ist dieses sehr detaillierte und mit zahlreichen anschaulichen Infografiken versehene Werk im Kern als Bachelorarbeit der Kommunikationsdesignerin Joana Kelén.

Sie startet mit dem Körperbau der Bienen und der Arbeitsteilung im Bienenstock. Nach den Entwicklungsphasen  wird vergleichsweise ausführlich der Körperbau der Honigbiene beschrieben und die verschiedenen Arbeiten, von der Bestäubungsleistung über die Produktion von Honig, Bienenbrot, Gelée Royale und Bienenwachs.

Die Stärke des Buches liegt unter anderem darin, dass es Kelén gelingt dieses Wissen durch Infografiken und gelungene Vergleiche sehr anschaulich zu machen. Zu sehen, dass eine Varroamilbe im Verhältnis für eine Biene so groß ist, wie es für den Menschen ein Kaninchen wäre, macht schlagartig deutlicher, welche große Belastung dieser Wirt für die Biene sein muss. Wer weiß, dass ein Bienenvolk pro Jahr eine Mengen an Bienenwachs produziert, die sechs Teelichtern entspricht, wird eine Kerze aus Bienenwachs sicherlich besser zu schätzen wissen.

Für uns Menschen ist jedoch vor allem die Bestäubungsleistung der Bienen von unschätzbarem Wert. Man spricht von einem Wert der Bestäubung im Umfang von 150 Milliarden Euro. Diese ohnehin schwer vorstellbare Zahl lenkt jedoch davon ab, dass die Arbeit der bestäubenden Insekten letztlich unbezahlbar ist. Etliche unserer Obst und Gemüsesorten, zahlreiche Nutzpflanzen sind auf die Bestäubung angewiesen oder bringen ohne Bestäubung durch Bienen einen wesentlich geringeren Ertrag.

Dies ist sicher der Grund warum die Bedeutung der Biene in der modernen Agrarwirtschaft weiter steigt. Folgerichtig geht die Autorin daher auch auf das Geschäft mit der Wanderimkerei ein, die längst nicht nur in den Vereinigten Staaten eine wichtige Rolle spielt. Dass diese Form der Imkerei den ohnehin geschwächten Bienenvölkern schadet, scheint hierbei eine untergeordnete Rolle zu spielen.

Eines der großen Probleme, das mit dem Bienensterben zu tun hat, ist die Verbreitung der Varroamilbe, die 1971 erstmals auch in Deutschland gemeldet wurde.  Kelén erläutert die Entwicklung, das als eine der Ursachen für die Bienen-Krise gilt ebenso, wie den Rückgang der Artenvielfalt in der Landschaft,  den der genetischen Vielfalt der Bienenvölker und den Einsatz verschiedener Pestizide in der industriellen Landschaft. Die Ursachen sind also vielseitig und komplex.

Neben dem auf das Wesentliche komprimierten Text sind es vielfach auch die Illustrationen und Infografiken in reduzierter Farbpalette mit denen es Kelén gelingt, die Hintergründe auf eingängige und angenehme Weise anschaulich zu machen.

Dieses Buch sei jedem ans Herz gelegt, der fundiertes und anschauliches aber dennoch komprimiertes Wissen über die Honigbienen und die Ursachen des Bienensterbens sucht!

Joana Kelén: Tod einer Königin. Warum sterben Bienen wie die Fliegen? KOSMOS Verlag 2016

ISBN: 978-3-440-15121-1
[D] 20,00 €

 

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