Liebe und Gier als menschliche Triebfedern

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Autor: S. Benedict-Rux
30. März 2019

Der neue Roman „Goldschatz“ von Ingrid Noll.

Buchcover: Roman Goldschatz von Ingrid Noll
(C) Diogenes

Trixis Eltern haben ein ein bäuerliches Anwesen am Stadtrand geerbt. Es gehörte einer kinderlosen Verwandten. Doch vor dem Abriss des maroden Gebäudes darf Trixi es gemeinsam mit befreundeten Studierenden bewohnen und nutzen. „Gegenstrom“ nennt sich die konsumkritische Gruppe um Trixis Freund Henry, die ihr Leben nachhaltig gestalten möchte. Sie will das Haus bewohnbar machen und vor dem Abriss retten. Ambitioniert gehen die jungen Menschen ans Werk und es scheint als könnten sie es schaffen, zumal ein glücklicher Fund in Form eines kleinen Münzschatzes notwendige Renovierungsmaßnahmen finanzieren würde…

Menschliche Schwächen als Triebfedern

Ingrid Noll ist für Ihre feinsinnigen Romane bekannt, in denen sie die menschlichen Abgründe meist ganz normaler Menschen auslotet. Liebe und Gier sind in ihren Romanen (wie mutmaßlich auch in der Realität) häufig die Triebfedern, die ihre Protagonisten dazu bringen, von dem Weg abzukommen auf dem sie eigentlich waren. So auch hier.

Zwar sind nicht alle vom minimalistischen Konzept so tief überzeugt wie Henry, doch mit großem Idealismus machen sich die Studenten daran das Haus zu entrümpeln und wieder bewohnbar zu machen. Mit dem Verkauf einiger alter Möbel, Leinenwäsche und anderer Gegenstände wollen die WG-Bewohner notwendige Erneuerungen am Haus finanzieren. Ein Fund alter, wertvoller Münzen inmitten des ganzen Trödels wird als Glücksfund gefeiert, doch er ist es, der die ersten Risse in der jungen Wohngemeinschaft zutage bringt. Von nun an wohnen Misstrauen, Neid und Gier mit im Haus und vergiften die Beziehungen untereinander – Liebesbeziehungen und Freundschaften werden auf die Probe gestellt. Hier und da weichen dann auch die Grundsätze von Konsumverzicht und Nachhaltigkeit schnell auf und führen zu Verwerfungen innerhalb der Gruppe.

Ein altes Verbrechen?

Doch woher kommen die Münzen eigentlich, stammen sie womöglich aus einem Verbrechen? Bücher mit seltsamen Eintragungen tauchen auf. Hat vielleicht der seltsame alte Nachbar etwas damit zu tun, der auf Nachfragen manchmal so komisch reagiert? Ob es vielleicht noch mehr Münzen gibt und man den Alten erpressen könnte? Spätestens als beim Anlegen eines Gemüsebeetes menschliche Knochen und ein Ehering zutage kommen scheint der Verdacht zur Gewissheit zu werden.

Krimi oder Roman?

Eine Frage, die bei den Büchern von Ingrid Noll immer mal wieder im Raum steht ist die, nach dem Genre. Handelt es sich sich dabei um Krimis oder um Romane? Töten und Morden steht bei Noll nicht im Vordergrund, besonders auch nicht in diesem Roman. Noll geht ihr mehr um das was in Menschen vorgeht. Zu recht wies sie im in einem Gespräch mit Katty Salié auf dem Blauen Sofa im Rahmen der Leipziger Buchmesse darauf hin, dass denn ihre Bücher auch als Romane betitelt werden und nicht als Kriminalromane. Die Aufzeichnung des interessanten Gesprächs vom 21.03.19 ist noch bis zum 19.03.2020 beim ZDF verfügbar.

Wem es also mehr um feingezeichnete Charaktere und weniger um die ausführliche Schilderung von Mord und Totschlag geht, der liegt auch bei Nolls 15. Roman „Goldschatz“ goldrichtig.

Ingrid Noll: Goldschatz. Roman. Diogenes 2019 [„Goldschatz“ bei Amazon bestellen /Partnerlink]

ISBN 978-3-257-07054

[D] 24.00 € [Ch] 32.00 sFr (unverbindliche Preisempfehlung) [A] 24.70 €

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