Leo Richters Porträt (Daniel Kehlmann)

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Autor: S. Benedict-Rux
24. Juli 2010


Das Doppelporträt von Leo Richter, einem fiktiven Autor aus Kehlmanns Erzählband „Ruhm“, und Daniel Kehlmann erschien erstmals 2008 im ZEITmagazin und ist für die hier vorgestellte Buchausgabe von den Autoren überarbeitet worden.

Eine renommierte Zeitschrift tritt an Leo Richter heran und möchte ein Porträt des bekannten Schriftstellers veröffentlichen. Der Autor sagt zu und bereut es schon in derselben Minute – er fürchtet das Porträt, dass der Journalist Rabenwall über ihn schreiben wird, die Macht die dieser über das öffentliche Bild des Autors hat. Richter überlegt gar eine Geschichte daraus zu machen:

So hatte er es schließlich immer gehalten: Um mit den Dingen fertig zu werden, hatte er sie erfunden.

Noch vor dem Titelblatt, im strengen Sinne also den Porträts vorangestellt, zwei Bilder (ein Foto von Daniel Kehlmann, eine Illustration von Leo Richter), die sehr schön das mögliche Wechselspiel zwischen beiden Porträts versinnbildlichen: Hier wie dort deutliche Parallelen im Bildaufbau und in der Pose des abgebildeten Autors, dafür aber, wie um den Leser zu necken, große Unterschiede im Detail.
Natürlich fragt sich der Leser, wie auch schon in „Ruhm“, wieviel vom Autor auch in der Figur des Leo Richter steckt. Daniel Kehlmann und (hier auch der Illustrator) spielt mit diesen Erwartungen.

In den beiden Texten selber werden jedoch nur wenige Parallelen offenbar. Kulturjournalist Adam Soboczynski scheint wenig Ähnlichkeit mit Rabenwall zu haben. Mit einem wohlwollenden Blick schaut er auf den Bestsellerautor, scheint seine Macht über den Autor minimieren zu wollen: Seinen kurzweiligen Beobachtungen über Daniel Kehlmanns Familie, Leben und Werk stellt er kurze Betrachtungen über die Macht des Porträtisten und die Subjektivität des Objektivität vortäuschenden Porträts vor. Was jedoch nicht bedeuten muss, dass in Leo Richter nicht doch ein bisschen Daniel Kehlmann steckt. Oder war es umgekehrt?

Fazit: Ein eher schmales, aber sehr vergnügliches und hintersinniges Büchlein, das diejenigen erfreuen wird, denen schon „Ruhm“ gut gefallen hat.

Daniel Kehlmann: Leo Richters Porträt sowie ein Porträt des Autors von Adam Soboczynski. Mit Illustrationen von Frank Stockton und Fotos von Heji Shin, Rowohlt Verlag 2009

 

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