60 Jahre Deutscher Jugendliteraturpreis

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Autor: S. Benedict-Rux
21. Oktober 2016

Der vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend gestiftete Deutsche Jugendliteraturpreis wurde erstmals 1956 verliehen und feiert in diesem Jahr also seinen 60. Geburtstag. Seit 6 Jahrzehnten will der Jugendliteraturpreis jährlich Orientierungshilfe auf dem Kinder- und Jugendbuchmarkt geben, indem er herausragende Kinder- und Jugendbücher aus der Masse der Neuerscheinungen heraushebt. Heute am 21. Oktober wurden die Preisträger auf der Frankfurter Buchmesse bekannt gegeben und geehrt.

Über die mit jeweils 10.000 Euro ausgestatteten Spartenpreise im Bereich Bilderbuch, Kinderbuch, Jugendbuch und Sachbuch entscheidet eine Kritikerjury. Ihre Wahl fiel in diesem Jahr auf folgende Bücher:

Bilderbuch

Edward van de Vendel (Text)/ Anton van Hertbruggen (Illustration): Der Hund, den Nino nicht hatte. Aus dem Niederländischen von Rolf Erdorf. Bohem Press, ab 5 Jahren
Die Jury lobt dieses Bilderbuch als ein etwas anderes Hundebuch, das es versteht Wünsche und Träume der Hauptfigur sichtbar zu machen und doch auch offen für unterschiedlich Deutungen ist.

Kinderbuch

Hayfa Al Mansour (Text): Das Mädchen Wadjda. Aus dem Englischen von Catrin Frischer. cbt Verlag.
Die saudi-arabischen Filmemacherin erzählt eine spannende und berührende Geschichte über ein Mädchen, das beherzt seinen Traum verfolgt.

Jugendbuch

Kirsten Fuchs: Mädchenmeute. Rowohlt Rotfuchs, Ab 14 Jahren
Die fünfzehnjährige Heldin erlebt zusammen mit ihren sechs Mitstreiterinnen im Erzgebirge Grusel und reale Ängste, Zusammenhalt und Auseinandersetzung. Ein Abenteuer, dass zum Nachdenken über Freundschaft und die eigene Rolle innerhalb einer Gruppe anregt.
Die Deutsche Akademie für Kinder- und Jugendliteratur e. V. hat „Mädchenmeute“ für den Monat September 2015 als Buch des Monats gewählt. Einige Monate zuvor hatte das Jugendbuch es  bereits auf die Deutschlandfunk-Bestenliste (Die besten 7) für Juni geschafft.

Sachbuch

Kristina Gehrmann: Im Eisland. Band 1: Die Franklin-Expedition. Hinstorff Verlag. Ab 12 Jahren
Die Graphic Novel handelt von Franklin-Expedition 1845, welche einen Seeweg zwischen dem Nordatlantik und dem Nordpazifik zu finden versuchte. Die Jury hebt die überzeugende Verbindung aus Sachinformation und dichter Erzählung hervor. Mit detailgetreuen und realistischen Schwarz-Weiß-Illustrationen gebe das Buch Einblicke in das Seelenleben der Besatzung. Zwischenzeitlich sind Band 2 „Gefangen“ und Band 3 „Verschollen“ erschienen.

Preis der Jugendjury

Eine Besonderheit  beim Deutschen Jugendliteraturpreis ist der Preis der Jugendjury. Eine Jury aus über Deutschland verteilten Leseclubs entscheidet gesondert und unabhängig von den Vorschlägen der Kritikerjury über ihren eigenen Favoriten. Auch hier erhält der Preisträger ein Preisgeld von 10.000 Euro. Die Jugendjury zeichnet das nachfolgende Jugendbuch aus:

Peer Martin: Sommer unter schwarzen Flügeln. Oetinger Verlag. Ab 14 Jahren
Das von der Jugendjury ausgewählte Buch erzählt die tragische Liebesgeschichte zwischen dem syrischen Mädchen Nuri und dem Neonazi Calvin. Es „basiert auf gut recherchierten Fakten und regt zur Reflexion über die aktuelle politische Lage an“, heißt es in der Jurybegründung.

Sonderpreis

Zusätzlich wird auch ein mit 12.000 Euro dotierter Sonderpreis für ein Autoren-Gesamtwerk vergeben.Der Sonderpreis für das schriftstellerische Gesamtwerk geht 2016 an Klaus Kordon. Der 1943 in Berlin geborene Auto  widmet sich seit 1980 hauptberuflich dem Schreiben. Viele seiner Bücher wurden mit namhaften nationalen und internationalen Preisen ausgezeichnet. In den Jahren 1995 und 2003 erhielt er auch den Deutschen Jugendliteraturpreis.

Im kommenden Jahr soll erstmals ein neuer Sonderpreis etabliert werden, der mit 10.000 ausgestattete Sonderpreis „Neue Talente“.
Der Deutsche Jugendliteraturpreis zielt auf eine bestmögliche Literaturauswahl für junge Leser, unabhängig davon, ob diese im Original in deutscher Sprache erschienen ist oder ins Deutsche übersetzt wurde. Dies hat in der Vergangenheit zeitweise zu Diskussionen geführt, ob dieser Literaturpreis, der ja ein Staatspreis ist, nicht deutsche Kinder- und Jugendbuchautoren fördern sollte. Aufgrund seiner Ausrichtung auf die literarische Qualität, die ein Buch der Zielgruppe der jungen Leser bietet und eben nicht der Autorenförderung wird dies vom Arbeitskreis für Jugendliteratur e.V., der für die Organisation und Durchführung der Preisfindung verantwortlich ist, abgelehnt. Möglicherweise zielt der neue Sonderpreis mehr in Richtung Autorenförderung.

 

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