Ein `ausgezeichnetes´ Jugendbuch zum Thema Klonen

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Autor: S. Benedict-Rux
27. Juli 2007

Nancy Farmer entwirft in ihrem Science Fiction-Buch „Das Skorpionenhaus“ ein beklemmendes Szenario – eine Zukunft in der Klone als lebende Ersatzteillager in Kühen bis zur `Erntereife´ herangezüchtet werden. Kurz nach ihrer Geburt wird ihnen durch eine Substanz sozusagen der Verstand weggespritzt. Einzige Ausnahme sind Klone von Matteo Alcarán, einem mächtigen und reichen Mann, der es sich leisten kann, sich über die geltenden Gesetze hinwegzusetzen. Doch die Sache mit den Klonen ist nur eine der Scheußlichkeiten, die in diesem menschenverachtenden System als „normal“ gilt.

Der Ort: das Grenzgebiet zwischen den Vereinigten Staaten und dem heutigen Mexiko. Die Zeit:  irgendwann in einer vielleicht nicht allzufernen Zukunft. Matt wächst in der Hütte der Köchin Celia auf, die inmitten von Mohnfeldern steht und ist tagsüber allein. Er kann nicht mal das Fenster öffnen, denn die Fenster sind vernagelt. Da Celia ihn liebevoll bemuttert erscheint dies merkwürdig, genauso wie ihre übergroße Sorge davor, er könne erkranken, sich verletzen oder von jemandem gesehen werden. Als Matt etwa 6 Jahre alt ist, finden drei Kinder die Hütte und entdecken ihn. In seinem heißen Wunsch mit den Kindern in Kontakt zu treten und zu spielen, schlägt Matt ein Fenster ein und verletzt sich dabei. Die Kinder bringen ihn zum nahe gelegenen Herrenhaus, wo man ihn zunächst halbwegs freundlich aufnimmt. Allerdings nur solange bis klar ist, dass Matt ein Klon ist – ein Klon ist etwas abscheuliches und weniger wert als ein Tier oder einer dieser willenlosen Sklaven die man Migits nennt. Er ist der Klon von El Patrón, dem gefürchteten Oberhaupt des Hauses Alacrán.

Was ist ein Klon? Matt weiß es nicht, aber es erschüttert ihn in seinem Selbstverständnis. Ist er kein Mensch sondern eine Maschine, ein Tier? Man lässt ihn spüren, dass man ihn für eine Bestie hält. Eine Dienerin sperrt ihn ein halbes Jahr unter unwürdigen Bedingungen ein. Als seine Ziehmutter Celia dies erfährt und El Patrón von Matts erbarmungswürdigen Zustand in Kenntnis setzt, wird er ins Haupthaus geholt und besser behandelt. Er erhält sogar etwas Unterricht und eine musikalische Ausbildung. Damit scheint nun alles besser zu werden, glaubt Matt und will die Bedrohung nicht wahrhaben, zumal er in der gleichaltrigen María eine Freundin und dem Leibwächter Tam-Lin einen väterlichen Freund gefunden hat. Als Matt 14 Jahre alt ist, erkrankt El Patrón so schwer, dass er ein neues Herz braucht. Nun kann Matt die Augen vor der grausamen Wahrheit nicht mehr verschließen. Aber hat er überhaupt noch eine Chance die `Ernte´ seines Herzens zu verhindern?

Das Jugendbuch von Nancy Farmer vermag es, Spannung und Abenteuer mit der Thematisierung ernster Themen gekonnt zu vereinen. Neben den Identitätsproblemen, die Matt immer wieder heimsuchen, werden auch die Umweltzerstörung und ethische Probleme wie die verschiedene Formen von Ausbeutung, Machtmissbrauch und der Manipulation von Menschen thematisiert, die er in verschiedenen Herrschaftssystemen erlebt. Dem gegenüber werden Liebe, Freundschaft und der Wille zum Durchhalten gesetzt. Als Leser bleibt man nahe an der Hauptperson dran, deren Gefühltswelt eindringlich und glaubwürdig, aber nicht rührselig dargestellt wird. Ab 14 Jahre.

„Das Skorpionenhaus“ wurde 2002 mit dem National Book Award und 2003 mit dem Jugendpreis „Buxtehuder Bulle“ ausgezeichnet.

Nancy Farmer: Das Skorpionenhaus. Aus dem Amerikanischen übersetzt von Martin Baresch. Ersterscheinung Loewe 2003 (Hardcover), seit 2005 auch als Fischer Taschenbuch.

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