Schlagworte: Martin Walser

Corine-Ehrenpreis für Martin Walser

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/ Autor: S. Benedict-Rux

Martin Walser wird mit dem Corine-Ehrenpreis für sein Lebenswerk ausgezeichnet. Der 81-jährige Schrifsteller ist einer der profiliertesten deutschsprachigen Gegenwartsautoren und hat bereits zahlreiche Preise erhalten, darunter 1981 den Georg-Büchner-Preis und 1998 den Friedenspreis des deutschen Buchhandels. Mit seinem sozialkritischen Roman Ehen in Philippsburg gelang Walser 1957 der Durchbruch. Sein jüngstes, in diesem Jahr erschienenes Buch Ein liebender Mann handelt von der Liebe des alten Goethe zu der jungen Ulrike von Levetzow. Die Preisverleihung findet am 4. November im Rahmen einer Gala in München statt.

Weitere Informationen unter www.corine.de

Der alte Goethe und seine junge Liebe

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/ Autor: S. Benedict-Rux

Der historische Hintergrund von Martin Walsers jüngstem Roman ist schnell erzählt: 1823 verliebt sich Johann Wolfgang von Goethe im Alter von 73 Jahren in die 19-jährige Ulrike von Levetzow. Er hält um ihre Hand an, wird aber abgewiesen. Seinen Schmerz verarbeitet der Dichter in seiner berühmten Marienbader Elegie.

Bei einem Aufenthalt in Marienbad verliebt sich der alte Goethe in die junge Ulrike von Levetzow. Man kennt sich von früheren Gelegenheiten, doch das Mädchen von einst ist in der Zwischenzeit zur jungen Frau gereift. Goethe entflammt lichterloh und glaubt in ihrem Reden und Handeln eine positive Reaktion auf seine Gefühle zu erkennen.

„Wahrscheinlich wäre sie entsetzt, wäre auch ihre Mutter entsetzt, wenn beide wüssten, in welche Illusion er sich hineingelebt hatte. Wie er aus dieser Illusion herausfinden sollte, wusste er nicht.“

Im ersten Teil des Romans erzählt Martin Walser glaubhaft einen liebeskranken Goethe, der seine Verliebtheit mit Witz und Charme zu überspielen versucht, noch unentschlossen ob er diese Gefühlswelle zulassen soll, ob er sie überhaupt zugeben kann oder sich damit der Lächerlichkeit preisgibt. Schließlich bekennt er sich offen dazu, lässt durch den Großherzog Carl August der Mutter den Heiratsantrag übermitteln. Die Mutter reist mit ihren Töchtern nach Karlsbad ab. Goethe reist ihnen wenige Tage später nach…

„Ganze Schulen suchen ihr Heil in meinen Geständnissen, die besagen, dass man schreibend mit allem fertig wird, was einen, schriebe man nicht, umbringen könnte.“

Und so versucht er mit seiner Altersliebe, die ihn schüttelt als sei er ein noch junger Mann, schreibend fertig zu werden. Schreibend ist ihm Ulrike gegenwärtig, schreibend beobachtet er sich und was diese Liebe mit ihm macht. Dort wo Martin Walser einen Erzähler die Gespräche des Dichterfürsten mit Ulrike und ihrer Familie erzählen lässt, ist dieser Roman leicht, locker und spritzig – der fiktionale Goethe würde hier von `Rokoko´ reden. Die Verliebtheit des alten Mannes wird ergreifend beschrieben und als Leser kann man leicht mit dem sehr menschlich wirkenden Goethe mitfiebern. Im Verlauf des Buches wandelt sich die Atmosphäre. Zwar weiß die Liebe Goethes nichts von seinem zu hohen Alter, dafür aber die Gesellschaft und die eifersüchtige Schwiegertochter – es ist eine unmögliche, nicht realisierbare Liebe.

Mit der räumlichen Trennung von Ulrike und Goethe verengt sich die Perspektive über weite Strecken auf die Sicht des leidenden und reflektierenden Mannes, der in Briefen seine Gefühle und Beobachtungen darlegt. Hier fügt der Autor manchmal längere essayhafte Passagen ein, die den Lesefluss etwas hemmen können. Wortwahl und Charaktere wirken mitunter sehr modern für die damalige Zeit, fügen sich aber in den Text ein. Martin Walser ist mit „Ein liebender Mann“ ein schöner Roman über eine unerwiderte Liebe gelungen, ein lebendig wirkendes Goethe-Bild, welches den Leser manchmal vergessen lässt, dass es in Wirklichkeit wahrscheinlich ganz anders war.

Martin Walser: Ein liebender Mann. Roman. Rowohlt Verlag 2008

 

Bücherfrühling: Leipziger Buchmesse beginnt morgen

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/ Autor: S. Benedict-Rux

Vom 13.03.08 bis 16.03.08 öffnet die Leipziger Buchmesse wieder ihre Pforten für Verlage, Autoren und Leser. Schwerpunktland der diesjährigen Buchmesse ist Kroatien. 38 Autoren verschiedener Stilrichtungen sind zu Gast, um die mittelopsteuropäische Literatur vorzustellen. Einer von ihnen ist der serbisch schreibende Autor Bora Cosic, der 2002 den Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung erhalten hat. Angedacht ist ein längerfristiges, auf drei Jahre angelegtes Projekt, welches die kroatische Literatur und ihre Autoren auf dem deutschen Buchmarkt bekannter machen soll.

2300 Autoren aus 36 Ländern stellen Neuheiten und Trends auf dem Buchmarkt vor. Im Rahmen von „Leipzig liest“ werden 1500 Autoren aus ihren Werken lesen – unter ihnen so prominente wie Martin Walser, Elke Heidenreich, Thomas Brussig, Katja Lange-Müller, Clemens Meyer, Ken Follett, Jan Philipp Reemtsma, Josef Haslinger, Andrea Maria Schenkel und Feridun Zaimoglu.

Im Programmbereich Kinder, Jugend, Bildung kann die Buchmesse Zuwächse von zehn Prozent hinsichtlich Aussteller- und Veranstaltungszahl verbuchen. Dieses Jahr ist das Kinder- und Jugendbuchprogramm verstärkt auf Leseförderung und frühkindliche Bildung ausgelegt. 350 Lesungen und Veranstaltungen für die jungen Leser sind geplant. Bekannte Kinder- und Jugendbuchautoren wie Paul Maar, Mirjam Pressler, Kai Meyer , Elisabeth Zöller, Andreas Steinhöfel und Waltraud Lewin werden erwartet. Hinzu kommen noch etwa 160 Veranstaltungen, die sich an Pädagogen richten.

Mit Spannung wird auch wieder der erste Höhepunkt der Buchmesse erwartet – gleich am ersten Messestag wird der Preis der Leipziger Buchmesse in den Kategorien Belletristik, Sachbuch / Essayistik und Übersetzung vergeben.

Links:

www.leipziger-buchmesse.de

www.leipzig-liest.de