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Interview mit Jürgen von Bülow

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/ Autor: S. Benedict-Rux

Jürgen von BülowJürgen von Bülow ist seit vielen Jahren als Theaterregisseur und Drehbuchautor tätig. Er schrieb unter anderem Drehbücher für Serien wie „Marienhof“,  „GZSZ“ und den „Tigerenten Club“. Mit den im August erschienenen zwei Bänden seiner Reihe um eine Jugendliche, die eine berühmte Sängerin werden möchte, gibt Jürgen von Bülow sein Debüt als Jugendbuchautor.

Literatur Blog: Herr von Bülow, Ihre Buchreihe beginnt damit, dass Nikas Patenonkel, ein Drehbuchautor der für eine Kindersendung schreibt, einen Song für die Sendung komponiert hat. Nika soll diesen Song singen. Haben Sie auch ein singendes Patenkind?

Jürgen von Bülow: Ja, ich habe ein Patenkind, von dem ich eine Menge über das lernen kann, was Jugendliche bewegt. Doch zum Glück will sie keine große Sängerin werden. Würde sie dies wollen und hätte tatsächlich eine so beeindruckende Stimme wie Nika in meinem Buch, dann würde ich ihr natürlich Mut machen, es zu versuchen. Und ich würde sie natürlich sehr trösten, wenn es nicht klappen sollte!

Literatur Blog: Dies wäre dann doch eine gewisse Parallele zu Nikas Patenonkel, der sie ja auch unterstützt.

Jürgen von Bülow: Stimmt! Ein bisschen kommt immer das eigene Leben in so eine Geschichte.

Literatur Blog: Wenn Sie nun aber kein singendes Patenkind haben, wie sind Sie dann auf die Idee gekommen, dass Nika ausgerechnet eine berühmte Sängerin werden möchte? Haben Sie einen besonderen Bezug zur Musik?

Jürgen von Bülow: Ich bin auch einer der Vielen auf dieser Welt, die früher selbst Musik machen wollten, so wie ihre großen Vorbilder! Aber abgesehen davon, dass ich eingesehen habe, dass ich nur gute Freunde bei diversen Festen mit den gleichen, alten Songs in den Schlaf säuseln kann, liebe ich natürlich Musik, höre sie auch beim Schreiben, brauche das und kenne den Inhalt meines iPods in- und auswendig. Und als Schriftsteller bin ich natürlich unheimlich neidisch auf alle, die wirklich gute Musiker sind: Musik ist etwas, das einen sofort „erwischt“, einen sofort mitreißt und in eine andere Welt versetzt. Ich versuche immer wieder, so was beim Schreiben zu erreichen, aber so schnell, so tief wie diese Musiker einen zum Träumen bringen, schaffe ich das nicht!

Literatur Blog: Sie sind seit vielen Jahren als Regisseur und Drehbuchautor für Theater und Fernsehen tätig. Was hat sie dazu veranlasst ein Jugendbuch zu schreiben, noch dazu eines mit einer weiblichen Heldin?

Jürgen von Bülow: Eine Person zu beschreiben, die „auf dem Sprung“ vom Kind zur einer Frau ist, finde ich ungeheuer spannend. Ich als Erwachsener habe so eine Menge Möglichkeiten, Jugendlichen etwas über das zu erzählen, was sie aus meiner Sicht als Erwachsener erwartet. Außerdem denke ich, dass Frauen deutlicher ihre Gefühle zeigen, als Männer – was aber nicht heißt, dass Männer oder Jungs nicht weniger Gefühl haben! Doch eine weibliche Hauptdarstellerin kann die Art, wie ich die Leser gern mitreiße, einfach besser darstellen. Und ich versuche immer mit meiner Nika die Leser mitzureißen, an ihren guten und an ihren schlechten Tagen.

Literatur Blog: Im zweiten Band nimmt Nika an einer Castingshow teil. Diese Castingsshows, egal ob „Deutschland sucht den Superstar“, „Popstars“ oder was auch immer stehen bei einem Großteil der Jugendlichen hoch im Kurs. Wie stehen Sie persönlich zu solchen Sendungen?

Jürgen von Bülow: Dies zu beantworten ist schwierig! Natürlich finde ich vieles, was in diesen Shows zu den Kandidaten oder Kandidatinnen gesagt oder mit ihnen gemacht wird, ungeheuerlich. Da werden Leute bewusst fertig gemacht, vorgeführt und für alle Zeiten blamiert, nur der Quote oder einer Schlagzeile wegen. Andererseits, und jetzt kommt’s, andererseits höre ich von vielen Freunden, auch in Literatur- oder Theaterkreisen, dass sie so eine Show „nie“ sehen, aber doch immer mal reinzappen und am Ende kennen sie die Sendungen doch ziemlich gut. Das macht diese Shows nicht besser, doch diese Sendungen scheinen irgendetwas zu haben, was jeden interessiert. Ich jedenfalls freue mich, wenn ein Kandidat oder eine Kandidatin wirklich gut ist und ich sie bewundern kann. Für einige Wenige wurde der Weg ins Musikgeschäft dadurch erst möglich. Viele andere werden lange brauchen, ihr Scheitern zu verkraften. Am schlimmsten aber sind diejenigen, die sich maßlos überschätzen: Dann schaut man leider (gern) zu, wenn derjenige für seine Überheblichkeit aus der Show fliegt. Eines jedenfalls erlebt doch jeder tagtäglich: Jeder von uns wird bewertet und benotet für das, was er tut. Immer und überall und darauf will ich die Leser mit meiner CastingShow-Geschichte ein bisschen vorbereiten.

Literatur Blog: Sie sprechen diese problematischen Seiten ja an verschiedenen Stellen des Buches durchaus auch an. Letztlich siegt aber Nikas Wunsch ihren Weg weiterzugehen. Fürchten Sie nicht, dass Kritiker Ihnen vorwerfen, ihr Buch heize das Casting-Fieber unter Teenies eher an, als dass es den kritischen Umgang mit solchen Sendungen fördere?

Jürgen von Bülow: Das Thema DSDS ist wirklich heikel: Darf man über DSDS schreiben, soll man es noch besonders publik machen? Aber die Sendung ist ungeheuer bekannt und irgendwer wird darüber schreiben. Wenn ich es mache, versuche ich immerhin, nicht nur über Klamotten und billigen Zickenalarm zu schreiben. Sollte ich mit dem Buch erreichen, dass Jugendliche noch sorgloser bei einer solchen Show mitmachen, dann wäre das wirklich schlimm und ich hätte genau das Gegenteil von dem erreicht, was mir wichtig ist! Ich höre öfter, ich hätte witzige, spannende, leicht zu lesende Bücher geschrieben, doch mehr sei es nicht. Das trifft mich, wenn ich ehrlich bin. Ich versuche meine jugendlichen Leser auf unterhaltsame Art und Weise auf die Medienwelt vorzubereiten. In meiner Geschichte ist zwar alles drin, was im Fernsehen eine wichtige Rolle spielt: das richtige Aussehen, wie wirke ich vor der Kamera, wie erreiche ich es, dass man von mir spricht. Doch jedesmal wenn meine Nika sich „fernsehgerecht“ verhält, hat sie die Konsequenzen zu tragen – Nika geht ja sogar soweit, dass sie in aller Öffentlichkeit ihre beste Freundin blamiert. Zu zeigen, wie „gefährlich“ es ist, eine berühmte Person werden zu wollen, kann helfen, über diesen Traum, ein Star zu sein, noch mal genau nach zu denken.
Doch gegen Nikas Begabung kann ich kleiner Autor selbst nichts machen: Sie wird, im Verlauf der Reihe, in die verschiedenen Medien-Bereiche geraten. Bin gespannt, was ihr alles passiert!

Literatur Blog: Der Kosmos Verlag kündigt schon den dritten Band der Serie an? Können Sie uns schon sagen, wann es soweit sein wird und welchen Titel er tragen wird?

Jürgen von Bülow: Band 3 über Nikas Leben als Mitglied einer Girlband soll an Ostern 2009 erscheinen. Nika wird den Traum, ein berühmter Popstar zu sein, von allen Seiten kennenlernen – das versuche ich jedenfalls. Einen Titel hat der Band noch nicht, Titel und Cover eines Buches ist meist Verlagssache. Die kennen sich da am besten aus und mir gefällt sehr, wie die Reihe bisher gestaltet ist.

Literatur Blog: Sind noch weitere Bände geplant?

Jürgen von Bülow: Ja, ich würde gern immer weiter schreiben, es soll eine ganze Reihe werden. Dazu muss aber das Interesse an den Bänden da sein. Jedenfalls hat Nika eine Menge Energie, ich muss einfach nur mit ihr mithalten.

Literatur Blog: Ist Ihnen eigentlich beim Schreiben von Anfang an die vollständige Handlung klar oder entwickelt sich diese im Verlauf des Schreibprozesses manchmal auf unvorhergesehene Weise weiter?

Jürgen von Bülow: Bei mir ist es beides: Vorab entwickle ich, wie ein Drehbuchautor, die ganze Geschichte, die Szenen, die Umschwünge, die Haupt- und Nebengeschichten, die Orte, so genau wie möglich. Doch erst beim Schreiben bekommt manchmal eine Figur noch mehr an Tiefe, weil ich mich „an Ort und Stelle“ in die Figur hineinversetze und die dann plötzlich etwas macht, das mich selbst überrascht. Ein persönlicher Tip von mir ist das Buch übers Drehbuchschreiben von Robert McKee: „Story“. Ist zwar für Filmleute, aber ich finde es, im Vergleich zu vielen andern Büchern, grandios.

Literatur Blog: Bleibt die Nika-Reihe voraussichtlich Ihr einziges Buchprojekt oder haben Sie noch weitere Ideen in der Schublade liegen?

Jürgen von Bülow: Erstmal bin ich froh, diese Reihe für den KOSMOS Verlag schreiben zu dürfen – und sie hat ja erst angefangen. Klar, ich hab was in der Schublade, aber das sind zwei Theaterstücke. Also nein, ich habe nichts in der Schublade, aber wer weiß, vielleicht eines Tages …

Interview: S. Benedict-Rux

Foto: Margarita Riegel