Digitaler Burnout

Autor: S. Benedict-Rux
10. Dezember 2018

Warum eine ständige Smartphone-Nutzung zu digitalem Dauerstress führt.

Buch bei amazon ansehen / bestellenAlexander Markowetz war Juniorprofessor für Informatik als er im Rahmen einer großangelegten Studie das Verhalten von Smartphone-Nutzern untersuchte. Mit seinem Team entwickelte er eine App, die aufzeichnete wie oft Nutzer ihr Smartphone entriegelten und für welche Art von Nutzung sie dies taten. Die Ergebnisse der „Menthal Balance“-Studie, die das Verhalten von 300.000 Smatphone-Nutzern untersuchte, waren und sind erschreckend. Durchschnittlich 88 Mal am Tag starren wir auf den Bildschirm unseres Smartphones, etwa alle 18 Minuten ist dies der Fall. Insgesamt fast zweieinhalb Stunden täglich nutzt der Durchschnittsdeutsche seinen Minicomputer für die Hosentasche, die wenigste Zeit davon um zu telefonieren. Der größte Zeitanteil entfällt auf die Nutzung der verschiedenen Sozialen Medien und auf Spiele. Was sind die Folgen?

Das Smartphone als Glückspielautomat

Was macht diese intensive Nutzung mit uns? Und vor allem: warum nutzen wir das Smartphone so häufig? Das spannende an dem Buch „Digitaler Burnout“ ist, dass Markowetz uns nicht einfach nur mit den erschreckenden Zahlen konfrontiert, sondern verständlich erklärt, welche Mechanismen da am Werk sind. Wir schauen so oft auf das Smartphone, weil wir uns irgendeine Belohnung davon erhoffen: eine E-Mail, einen Like oder etwas anderes, das bei uns einen kleinen Schub Glückshormone freisetzt. Würde es jedes Mal eine Belohnung geben, wären wir schnell gelangweilt. Der Reiz liegt darin, dass es nicht sicher ist, ob die Belohnung eintrifft und auch in der leichten Erreichbarkeit einer Belohnung.

Folgen einer antrainierten Aufmerksamkeitsstörung durch das Smartphone

Doch die Zersplitterung unserer Aufmerksamkeit hat einen hohen Preis. Etwa eine Viertelstunde benötigen wir, um bei einer Tätigkeit in einen Flow-Zustand zu kommen. Schauen wir etwa alle 18 Minuten auf das Mobilgerät, bleiben uns nur wenige im Flow, bevor uns eine Unterbrechung herausreißt. Und das regelmässig. Markowetz spricht in diesem Zusammenhang von einer antrainierten Aufmerksamkeitsstörung, die unser Wohlbefinden und unsere Produktivität massiv beeinträchtigen.

Kinder als potentielle Burnout-Kandidaten

Schon bei Erwachsenen, so Markowetz, seien die Folgen immens. Für Kinder, die sich ja noch weniger schützen können, seien sie geradezu dramatisch. Er fürchtet, dass eine Generation von jungen Menschen mit digitalem Burnout heranwächst, wenn wir nicht dafür sorgen, dass sie frühzeitig lernen den Verlockungen des Smartphones nicht zu stark zu erliegen. Handyverbote seien hier keine Lösung, schreibt der Autor, weil sie das jeweilige Kind zum Außenseiter machen. Stattdessen setzt er auf eine neue gesellschaftliche Etikette und die Stärkung der Kinder durch reale Erlebnisse im Hier und Jetzt.

Alexander Markowetz: Digitaler Burnout. Warum unsere permanente Smartphone-Nutzung gefährlich ist. Droemer Hardcover 2015

224 Seiten, ISBN: 978-3-426-27670-9
[D]19,99 €

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