Ein vielversprechender Blick hinter die Fassade

Autor: Gastrezension
29. März 2012

Philipp Lahm liefert nicht nur Anleitung, sondern auch emotionales Spiegelbild seiner selbst

Buch bei amazon ansehen / bestellenVon Hannes Huttinger
Vielen von uns ist mit Sicherheit in Erinnerung geblieben, für welch großen Aufruhr die Veröffentlichung von „Der feine Unterschied“ gesorgt hat. „Ich finde es nicht glücklich, dass er als aktueller Spieler über Trainer in der Öffentlichkeit urteilt. Das steht niemandem zu. Das habe ich ihm auch gesagt“, lauteten die Worte des Bundestrainers Joachim Löw, nachdem er wiederholt auf die Publikation angesprochen wurde.
Und in der Tat ist es durchaus nachvollziehbar, wenn man sich die Frage stellt: Wie kommt ein 28-jähriger Fußballer darauf, bereits so früh eine Autobiographie zu veröffentlichen? Hat er  nichts Besseres zu tun? Heißt es in der heutigen Fußballwelt nicht immer, dass Profifußballer ständig unterwegs und im Stress sind?
In 16 Kapiteln versucht Philipp Lahm diesen provozierenden Fragen entgegenzutreten.  Chronologisch gibt er die wichtigsten Stationen seiner bisherigen Karriere wieder,  Großveranstaltungen wie Welt- und Europameisterschaften bestimmen dabei  am deutlichsten  den Fokus. Neben allseits bekannten Informationen verschafft er dem Leser immer wieder Einblicke ins Innere seiner Person, verrät freudige wie schreckliche Ereignisse seines Privatlebens und erzählt aus seinem vertrauten Umfeld. Dabei prägt seine eigene Meinung über bestimmte Sachverhalte dieses Buch von vorne bis hinten: ob es darum geht, im richtigen Moment „ja“ zu sagen, Rückschläge zu verkraften, über die Integration ausländischer Spieler zu sprechen oder Gutes für benachteiligte Kinder in Afrika zu tun – Philipp Lahm hat immer eine kompetente Antwort parat, die er passend und informativ präsentiert.
Dass dieses Werk in Fußballdeutschland insgesamt ein zwiespältiges Urteil auslöst, scheint angesichts des ‚Phänomens FC Bayern München‘ keine großes Überraschung: Fans dieses Klubs werden das Buch lieben, Fußball- und Bayernhassern wird dafür wohl nur ein Begriff in den Sinn kommen – Schrottliteratur!
Beäugt man den ‚Feinen Unterschied‘ allerdings unter dem Licht der Neutralität, so erkennt man, dass dieses Werk durchaus ansehnlich geschrieben ist. Inhalte werden an den richtigen Stellen detailliert beschrieben und für jedermann verständlich umgesetzt. Durch knappe Sätze und scharfe, fußballtypische Wortwahl schafft es das Buch, sowohl Lesevergnügen als auch spannungsgeladenes Interesse beim Leser zu erzeugen. Die kluge Mischung sportlicher und privater Stoffe ruft einen abwechslungsreichen Lesefluss hervor, dem man sich, besonders nach den ersten Kapiteln, nur schwer entziehen kann.
Und auch wenn Philipp Lahm bei der Verschriftlichung von „Der feine Unterschied“ die Hilfe Christian Seilers in Anspruch nahm, so muss man dennoch anerkennend zugestehen: Respekt, Herr Lahm! Sollten Sie mit dieser Veröffentlichung versucht haben, sich in die Riege Matthäus, Kahn, Effenberg, Scholl miteinzureihen, so ist es Ihnen gelungen. Ähnlich wie Ihre Vorgänger haben sie einerseits außerhalb des Platzes einen bleibenden Eindruck hinterlassen, andererseits sind Sie stets einer der Hauptleistungsträger und Kapitän Ihres Vereins. Weiter so!

Phillip Lahm: Der feine Unterschied. Wie man heute Spitzenfußballer wird, Verlag Antje Kunstmann 2011

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