Diese sehr ernsten Scherze (Daniel Kehlmann)

Autor: S. Benedict-Rux
8. Mai 2013

Buch bei amazon ansehen / bestellenObwohl es sich hierbei um Vorlesungen handelt, die am 8. und 9. November an der Universität Göttingen gehalten wurden, bietet der schmale Band keine literaturwissenschaftlichen Abhandlungen, sondern ein scherzhaft-unterhaltsames Spiel mit der Rolle und Berufung eines Schriftstellers.
Daniel Kehlmann, von der Universität eingeladen Auskunft über sein Schreiben zu geben, verneint zunächst, dass es Professionalität beim Schreiben gibt und Autoren darüber Auskunft geben könnten. Im nächsten Schritt erfindet er sich gleichsam einen Gesprächspartner, spaltet er sich auf in die Rolle des befragten Autors und den Fragenden um in der Folge ein amüsantes Frage-und-Antwort-Spiel zu entfalten.
Während Kehlmann sich im ersten Teil mit mehr allgemeinen Fragen zum Schreiben und zum Spiel des Autors mit der Wirklichkeit äußert, und sich hierbei mal auf dieses und mal jenes seiner Werke bezieht (wie beispielsweise Ich und Kaminski, Ruhm), widmet er sich im zweiten Teil überwiegend Fragen zu seinem erfolgreichsten Buch, Die Vermessung der Welt.
In beiden Teilen durchbricht der Autor immer wieder die fiktionale Erzählsituation,  springt auf die Metaebene und holt ins Bewußtsein des Lesers zurück, dass er mit der Rolle des Autors spielt, indem er sich selbst die Fragen stellt, die er nicht zu beantworten gedenkt. Oder nur, wenn er es möchte. Er wirft sich selbst die Bälle zu, fängt sie mal auf, mal lässt er sie scheinbar achtlos fallen oder versucht sich windend der ursprünglichen Fragestellung zu entziehen. Das zu lesen macht Spaß, unabhängig vom möglichen Erkenntnisgewinn.

Dieses Buch ist daher nicht nur vom Inhalt, sondern auch von der Form der Darbietung her ein  typischer Kehlmann und für Leser, die diese selbstironische Art mögen, äußerst unterhaltsam und vergnüglich.

Daniel Kehlmann: Diese sehr ernsten Scherze. Poetikvorlesungen. Wallstein Verlag 2007

 

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