Bestseller: Die Essensfälscher

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Autor: S. Benedict-Rux
6. November 2012

Buch bei amazon ansehen / bestellenThilo Bodes Anliegen ist es, die systematische Irreführung der Verbraucher, mit der die Lebensmittelindustrie für ihr Wachstum und ihre Umsätze sorgt, aufzuzeigen. Die Ursache liegt zum einen darin, dass uns unsere Nahrung so wenig Wert geworden ist, dass durch den Preiskampf an Grundnahrungsmitteln nichts mehr zu verdienen ist. Hinzu kommt, dass man Essen, anders als andere Konsumgüter, schlecht anhäufen kann. Viel mehr als satt essen geht nicht. Daher hat die Nahrungsmittelindustrie einige Strategien entwickelt, um neue Bedürfnisse zu wecken und Wachstum zu generieren.

Gezielte Täuschung der Verbraucher

Es geht also in diesem Buch um falsche Versprechen von Gesundheit, Schönheit und Wellness genauso wie um die Täuschung über die tatsächlichen Inhalte eines Produktes. Produkte, die nicht primär der Ernährung dienen, sondern angeblich dem Wohlbefinden und dem Aussehen etwa. Ein Schwarzwälder Schinken, bei dem das Tier eben nicht aus dem Schwarzwald stammt, sondern dessen Schinken in einer Räucherkammer im Schwarzwald mit Spänen von Bäumen aus dem Schwarzwald geräuchert wird, zum Beispiel. Oder überhaupt Schinken, der  kaum noch wirklichen Schinken enthält. Bildmotive auf den Verpackungen vermitteln den Eindruck von regionalen, „guten“ Produkten, obwohl sie nur Industrieware enthalten.
Ein wichtiger Aspekt dem Bode ebenfalls großen Raum gibt, ist der übergroße Anteil an billigem Fett und Zucker in hochgradig verarbeiteten „Lebensmitteln“, die überdies auch noch als leicht, vollwertig und gesund angepriesen werden.

Aber auch das, was die Nahrungsmittelindustrie mit dem Etikett Bio versieht, ist nicht immer unbedingt so wertvoll und gesund, wie es der Konsument meistenteils wohl vermutet. Das hängt, so Bode, vor allem mit den unterschiedlichen Biosiegeln zusammen, die ganz unterschiedliche Qualitätsstandards der Lebensmittel verlangen. Welcher Verbraucher kennt sich damit schon bis in die Einzelheiten aus? Wohl nur wenige. Bei manchen Biosiegeln sind dieselben Verarbeitungshilfsmittel die den industriellen Herstellungsprozess vereinfachen erlaubt, wie bei konventionellen Nahrungsmitteln. Ergebnis ist „standardisiertes Industrie-Bio“, wie Bode es nennt. Es scheint als gehe es manchen Produzenten  darum vom Wachstumsmarkt Bioprodukte ebenfalls zu profitieren und nicht darum hochwertige und gesunde Lebensmittel zu produzieren.

Verbraucherinteresse über Industrieinteressen stellen

Behörden und Politik wirft der Autor vor versagt zu haben: Kontrolleure scheinen überfordert zu sein, die Strafandrohung durch die Lebensmittelbehörden wirkungslos zu verpuffen. Die Politik sei gefragt, dafür zu sorgen, dass die Industrie zur Verantwortung gezogen werde und der Verbraucher durch realistische Kennzeichnung der Lebensmittel über die Inhalte informiert sei. Die sogenannte Ampelkennzeichnung  wäre seiner Meinung nach geeignet, durch ehrlich Information der Käufer zum Beispiel auch die alarmierenden Zahlen an Übergewichtigen in Deutschland zu reduzieren. Auf jeden Fall würden sie das Verbraucherinteresse über die Interessen der Lebensmittelkonzerne stellen, die aus Eigennutz gerne an den bestehenden Regelungen festhalten möchten.

Die Essensfälscher ist verständlich und locker geschrieben, immer mit einem empörten und anklagenden Gestus. Leider greift Bode sehr oft auf dieselben Negativbeispiele zurück, so dass man phasenweise das Gefühl einer ständigen Wiederholung nicht unterdrücken kann. Insgesamt ist sein Buch grundsätzlich lesenswert, jedoch mit einer Einschränkung: Als Einstieg für Verbraucher, die sich bislang wenig Gedanken darüber gemacht haben, was uns die Lebensmittelindustrie als Nahrung verkauft, ist das Buch sicher empfehlenswert. Diejenigen aber, die sich schon länger für das Thema interessieren und die Berichterstattung in den Medien verfolgt haben, dürften kaum neue Erkenntnisse aus diesem Buch ziehen.
Positiv zu erwähnen ist noch das umfangreiche Quellenverzeichnis, mit dem Thilo Bode offenlegt, woher seine Zahlen und Erkenntnisse stammen.

Thilo Bode: Die Essensfälscher. Was uns die Lebensmittelkonzerne auf die Teller lügen. Fischer 2010

Seit diesem Frühjahr ist das Buch auch als Fischer Taschenbuch erhältlich.

Über den Autor:
Der Sohn eines Journalisten und einer Buchhändlerin wurde 1947 geboren. Bode hat Soziologie und Volkswirtschaft studiert. Er war unter anderem einige Jahre als Geschäftsführer für Greenpeace Deutschland tätig und hat 2002 die Verbraucherschutzorganisation Foodwatch e.V. gegründet.

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