Selbstfindung im kargen andalusischen Winter

Autor: S. Benedict-Rux
5. März 2018

Eugen Ruges Roman Cabo de Gata

Buch bei amazon ansehen / bestellenEr ist ein erfolgloser Schriftsteller, alleinstehend und hat offenbar schon ein ganze Weile eine Schreibblockade. Sein Leben im Berlin der Nachwendezeit ist in Ritualen erstarrt, die er umso mehr hasst, als er diese ritualhafte Lebensweise von seinem Vater übernommen hat. Doch dieser hat im Gegensatz zu ihm ein gutes Auskommen und ist ein publizierter Autor.

Es soll ein Befreiungsschlag werden. Die Hauptfigur kündigt ihre Wohnung, Versicherungen, entsorgt den größten Teil ihres Hab und Gutes, um sich mit kleinem Gepäck in einen Zug Richtung Süden zu setzen, um dort einen Roman zu schreiben. Nach einem Zwischenstopp in Barcelona entscheidet sich der Schriftsteller nach Cabo de Gata weiterzureisen, einem als romantisches Fischerdorf angepriesenem Ort an der Südspitze Andalusiens.

Doch es ist Herbst, wird bald Winter und in dieser Jahreszeit ist Cabo de Gato weniger romantisch als einfach nur unwirtlich und trist. Er landet in der einzigen geöffneten Unterkunft in dem Lokal einer Witwe und obwohl er sich vornimmt nach Afrika weiterzureisen, wird er dort mehr als vier Monate bleiben und versuchen einen Roman zu schreiben.

Ein Roman der leisen Töne

 

Der Schriftsteller-Erzähler schreibt aus der Position des Zurückblickenden, wie man als Leser nach ein paar Kapiteln erfährt. So kann man also schließen, dass sein Lebensweg in den Jahren nach den geschilderten Ereignissen positiv verlaufen ist, ja vielleicht seine Karriere aus diesen Erlebnissen heraus mit einer erfolgreichen Veröffentlichung starten konnte.

Formelhaft, fast wie eine Beschwörung ruft er die Erinnerung an den damaligen Winter in Andalusien herauf, schildert die neuen Rituale, die er dort entwickelt und die nur durch wenig Abwechslung unterbrochen wird, bis eines Tages eine rotgetiegerte Katze in sein Leben tritt.

Lakonisch und unaufgeregt kommt dieser Roman daher. Obwohl nur wenig im Äußeren geschieht, vermag er durchaus Interesse zu wecken. Der Kunstgriff, die Geschichte vom erfolgreichen Autoren im Rückblick erzählen zu lassen, gibt dem Ganzen zum einen etwas mehr Leichtigkeit, da man um den positiven Ausgang weiß und in gewissem Sinne auch einen rätselhaften, zukunftsvorweisenden Aspekt. Es ist ein Roman der leisen Töne und mitschwingender Bedeutungen.

Eugen Ruge: Cabo de Gata, Rowohlt Taschenbuch Verlag 2014

ISBN 978-3-499-267482
[D] 10,99 EUR

Eugen Ruge wurde 2011 für seinen Debütroman In Zeiten des abnehmenden Lichts sowohl mit dem aspekte-Literaturpreis als auch mit dem Deutschen Buchpreis ausgezeichnet. Schon für das Prosamanuskript war 2009 mit dem Alfred-Döblin-Preis bedacht worden.

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