„Heimweg“ – der erste Roman von Harald Martenstein

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Autor: S. Benedict-Rux
27. November 2007

Harald Martenstein ist als launiger Kolumnist der ZEIT etlichen Lesern bekannt. Sein Roman „Heimweg“ stand auf der Nominierungsliste für den aspekte-Literaturpreis und wurde mit dem Corine-Debütpreis (Rolf-Heyne-Debütpreis) ausgezeichnet.

Joseph kommt aus russischer Kriegsgefangenschaft ins Nachkriegsdeutschland zurück. Es wundert ihn nicht wirklich, dass ihn seine Frau nicht am Bahnhof abholt, doch mit dem Anblick, den ihn bei der geöffneter Wohnungstür erwartet, hat er nicht gerechnet. Ein Mann öffnet ihm die Tür, die Pistole noch in der Hand und hinter ihm liegt Josephs Frau Katharina angeschossen auf dem Boden. Er entreisst dem  Mann die Pistole, versorgt seine Ehefrau, die daran anschließend versucht ihn zu verhaften zu lassen – eines ist schnell klar: Josephs Heimweg zurück in sein Leben fängt hier erst richtig an.

„Heimweg“ schildert wie die beiden versuchen sich wieder aneinander zu gewöhnen und ihren Platz in der Gesellschaft zu finden. Joseph möchte seine Kriegserinnerungen vergessen und seine Frau wiedergewinnen, sie möchte einfach nur ihr Leben genießen und weiter  als „Schöntänzerin“ in der Bar ihrer Schwester arbeiten.

Martenstein lässt Josephs Enkel erzählen, ein altklug wirkendes ganz besonderes Kind, das die Erinnerung an Joseph wachhalten will. Der Autor spielt mit dieser Rolle, lässt den Enkel das Erzählen reflektieren. Das mag wie ein Selbstzweck wirken, trifft jedoch zumindest nicht immer zu. So sagt das Erzähler-Kind, Bescheibungen seien seine Sache nicht, die fände es langweilig. Aber um sich zu erholen, seien Beschreibung gut geeignet. Dann fängt es „seelenruhig“ an, Josephs Bekleidung und Ausrüstung im Krieg zu schildern und lässt die Schilderung in der Erzählung münden, wie er einen Soldaten exekutiert und einen 14-jährigen Jungen erschießt. Der Kontrast lässt das Grauenvolle also umso stärker hervorspringen.

Harald Martensteins Roman erzählt von Verlierern im Wirtschaftswunderland, von Gezeichneten, die an ihren seelischen Wunden leiden und sich deshalb ihre eigene Realität erschaffen. Dabei schildert er auch das Komische im Traurigen, wechselt zwischen Groteske, Ironie und der Schilderung des Alltags wie des Grauens. Ein beachtenswerter Erstling!

Harald Martenstein: Heimweg, Roman. C. Bertelsmann Verlag 2007.

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