Buchtipp: Bestattung eines Hundes (Thomas Pletzinger)

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Autor: S. Benedict-Rux
12. Januar 2009


Thomas Pletzingers Romandebüt wurde mit dem Förderpreis zum Rheinischen Kulturpreis ausgezeichnet und stand auf der Auswahlliste für den letztjährigen aspekte-Literaturpreis. Bestattung eines Hundes ist ein gleichsam spannender wie tiefsinniger Roman mit einigen Überraschungen.

Daniel Mandelkern ist Mitte Dreißig, Ethnologe und arbeitet als freier Kulturjournalist. Seit er in der Redaktion seiner Frau Elisabeth arbeitet, fängt ihre Beziehung an sich zu verändern. Für private Gespräche bleibt einerseits keine Zeit mehr, andererseits möchte Elisabeth ein Kind von Daniel. Aber auch dieses Wochenende wird keine Zeit für Gespräche über Lebensentwürfe sein, denn Elisabeth schickt den wenig begeisterten Daniel an den Luganer See, um den erfolgreichen Kinderbuchautor Dirk Svensson zu treffen. Dieser wohnt dort kinderlos und zurückgezogen, hat die Praktikantin recherchiert. Er soll einen dreibeinigen Hund haben und etwas seltsam sein. Im Streit und ohne ein weiteres Wort verlässt Daniel die gemeinsame Wohnung und reist vorzeitig Richtung Italien ab.

Während der Reise wird Mandelkern auf eine anziehende Mitreisende aufmerksam, die finnische Ärztin Tuuli, die mit ihrem Sohn Samy unterwegs ist. Überrascht stellt er fest, dass sie dasselbe Ziel hat wie er. Exakt dasselbe, denn Svensson holt Tuuli mit dem Boot ab und nimmt den verdutzten Journalisten gleich mit. Im halbverfallenen Haus des Autors findet Mandelkern reichlich Anzeichen dafür, dass dort auch eine Frau und ein Kind leben. Ist Samy vielleicht der Sohn des Autors?

Auch wenn der Journalist einige Tage mit dem Kinderbuchautor verbringt, so schafft er es kaum, seine Fragen zu stellen und brauchbare Antworten darauf zu bekommen. Svensson ist wenig auskunftsfreudig und Tuuli behauptet, dass er sich vieles zurecht dichtet. Was von dem was Mandelkern von Svensson erfährt entspricht der Wahrheit, was davon sind „Märchen“? Und dann macht er noch einen äußerst interessanten Fund – ein unveröffentlichtes Manuskript, das der Autor vernichten will…

Selbstvergewisserung und moderne Liebesgeschichten

Während Mandelkern versucht sich ein Bild von diesem öffentlichkeitsscheuen Autor zu machen, nutzt er den räumlichen Abstand zu Elisabeth gleichzeitig dazu, die gemeinsamen Jahre  zu rekapitulieren und sich über seine Wünsche und Hoffnungen klar zu werden. Beide, Autor und Journalist, erscheinen hier als Schreibende, die sich in der schriftlichen Auseinandersetzung ihrer selbst und ihrer Beziehung zu ihren Mitmenschen vergewissern. Pletzingers Roman wird damit gleichermaßen zur offenen Bestandsaufnahme Mandelkerns, wie zu einer imaginären Reise an die Ursprünge einer wohl autobiographischen, unglücklichen Dreiecksbeziehung wie sie im Astroland-Manuskript erzählt wird.

Der Roman beginnt mit sechs kurzen Textstücken, je unterbrochen von kurzen Motivbeschreibungen. Im Fortgang des Romans stellt man als Leser fest, dass es die Postkarten sind, die Daniel Elisabeth am Endes seiner Reise schicken wird, zusammen mit dem Konvolut an eigenen Notizen und dem Teil der geretteten Manuskriptseiten – die der Leser nun als Buch gebunden in Händen hält.

Für die unterschiedlichen Handlungsstränge bedient sich Thomas Pletzinger verschiedener Erzählweisen, die die beiden Romanhelden recht gut charakterisieren. Hier die sich vorsichtig vorantastende Schreibweise des Ethnologen, dort rasante lebens- und schmerzenstrunkene Passagen aus Svenssons Zeit als Entwicklungshelfer in Brasilien und zur Zeit des Terroranschlags auf das World Trade Center am 11. September 2001.  Das veränderte Verhältnis zwischen Männern und Frauen mache es möglich neue Liebesgeschichten zu schreiben, postuliert Max Frisch in einem, dem Roman voran gestellten Motto – zwei davon erzählt Bestattung eines Hundes. Die beiden Liebesgeschichten stehen kontrastierend zueinander und bieten eine reizvolle und spannungssteigernde Abwechslung und Vertiefung.

Junge deutsche Literatur mit Unterhaltungswert und Anspruch!

Thomas Pletzinger: Bestattung eines Hundes, Kiepenheuer & Witsch 2008

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