Thriller: Nachtflug (Nelson DeMille)

Autor: S. Benedict-Rux
19. November 2007


„Night Fall“ ist der Titel der Originalausgabe, die 2005 als Hardcover im Ullstein Verlag als Hardcover erschienen ist. Der Thriller liegt seit März nun auch als Taschenbuch vor.

Die Romanhandlung basiert auf wahren Gegebenheiten, unter anderem einem Flugzeugabsturz am 17. Juli 1996 vor Long Island / New York. Nelson DeMille stützt sich auf die Fakten und veröffentlichten Berichte, hat aber für die Arbeit an seinem Roman auch selbst Ermittler und Augenzeugen interviewt. Offizielle Unglücksursache für den Absturz von TWA-Flug 800 war ein technischer Defekt, der zu einer Explosion und dem Absturz führte. Doch es gab auch Augenzeugenberichte, die auf andere Ursachen hinweisen. Diesen Zweifel am Hergang nutzt DeMille als  Kern, um den er einen plausiblen wie beklemmenden Thriller aufbaut.

Der Roman beginnt mit der Schilderung eines Paares, das seine außereheliche Beziehung am Strand auf Video aufnimmt und dabei unbeabsichtigt den Flugzeugabsturz und die ausschlaggebenden Minuten davor aufnimmt.

Fünf Jahre später begleitet der ehemalige Detective John Corey, der nun bei der Antiterror-Task Force arbeitet, seine Frau Kate Mayfield auf eine Gedenkveranstaltung für die Opfer des Absturzes. Seine Frau ist FBI-Agentin und hat seinerzeit Augenzeugen befragt. Kate hat Zweifel an der offiziellen Darstellung der Geschehnisse. Ein weiterer FBI-Agent ist ebenfalls auf der Veranstaltung anwesend und warnt John Corey davor in dieser Sache tätig zu werden. Er droht ihm mit Konsequenzen, doch das reizt Corey umso mehr…

„Zu jedem Rätsel auf dieser Welt gibt es auch eine Lösung. Man muß nur lange genug leben, um sie zu finden.“

Die Romanhandlung dreht sich um die Suche nach dem Liebespaar und dem Video, das möglicherweise alle Zweifel an den Geschehnissen beseitigen könnte. Die Drohung der FBI-Kollegen war eindeutig und so ist Corey gezwungen, seine Spuren so gut wie möglich zu verwischen und immer einen Schritt weiter zu sein. Seine frühere Arbeit in der Mordkommission kommt ihm dabei immer wieder zugute, ebenso seine Kontakte aus dieser Zeit.

Nelson DeMille hat mit John Corey einen knurrigen Cop geschaffen, der sehr lebendig wirkt. Als Ich-Erzähler teilt er dem Leser seine Sicht der Dinge mit und spart dabei nicht an bissig-ironischen Kommentaren. Den Spannungsbogen hält der Autor nicht durchgängig, aber die zweite  Hälfte des Thrillers ist bis zum Schluß spannend – selbst dann, wenn man als aufmerksamer Leser gegen Ende eine Ahnung hat, wohin das Finale führt. Weiterhin ist positiv zu vermerken, dass der Autor es dabei schafft,  größtenteils auf Gewalt zu verzichten: Blut fließt nur selten und die Schilderungen verzichten völlig auf Effekthascherei durch eine blutrünstige Zurschaustellung.

Nelson DeMille: Nachtflug, Roman. Aus dem Englischen von Georg Schmidt. Ullstein Taschenbuch 2007

 

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