Ingrid Noll über Senioren voller Lebenslust

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Autor: S. Benedict-Rux
29. Dezember 2006

Die Romane der erfolgreichen Krimi-Autorin wurden bislang in 21 Sprachen übersetzt. Dieses Jahr ist „Ladylike“ erschienen, ein Roman in dem die Hauptfiguren zwei lebenslustige Seniorinnen sind, die eine Frauen-WG gründen.
Ins Altersheim ziehen? Das kommt für Anneliese und Lore nicht infrage. Für die beiden Freundinnen steht schon lange fest, dass sie im Alter eine Wohngemeinschaft gründen wollen. Nachdem die seit über 20 Jahren geschiedene Lore nun ihr Schmuckgeschäft an ihren Mitarbeiter Rudi verkauft hat, zieht sie mit in das Häuschen ihrer verwitweten Freundin Anneliese. Diese ist mollig, von warmer Ausstrahlung und eine leidenschaftliche Gärtnerin, die sich gut mit den segensreichen wie den todbringenden Wirkungen mancher Heilkräuter auskennt. Lore dagegen wirkt kühler und ist ein schlanker und eleganterer Typ. Kleine Spannungen zwischen den ungleichen Freundinnen bleiben natürlich nicht aus, aber ansonsten fühlen sich die beiden Damen in ihrer „Witwen“-WG so wohl, wie es das älter werden erlaubt. Als jedoch Ewald, ein Jugendfreund der beiden Damen, vor der Tür steht bringt er die austarierte Balance aus dem Gleichgewicht. Der ebenfalls rüstige Senior, dessen Ehefrau in einer nahegelegenen Klinik behandelt wird, sorgt dafür, dass zwischen Anneliese und Lore ein kleiner Wettstreit und Eifersucht entstehen. Aber hat Ewald vielleicht eine Geliebte oder wohin verschwindet er abends immer wieder? Haben Annelieses Kräuter irgendwas mit dem plötzlichen Tod von Ewalds Frau zu tun? Aber auch sonst wird den beiden nicht langweilig. So fahren sie zum Beispiel zusammen mit Lores Nachfolger nach Baden-Baden, um auf nicht ganz astreine Weise teuren Schmuck an neureiche Russen zu verkaufen, machen eine kleine Deutschlandreise mit zwei Studenten um ein bisschen Abwechslung zu erleben…
Ingrid Noll baut in „Ladylike“ zunächst nur wenig Spannung auf. Der Reiz des Romans liegt mehr in der humorvollen Zeichnung der Charaktere, auch wenn im Verlauf des Romans die Handlung an Fahrt aufnimmt. Mitunter mischen sich nachdenkliche Töne mit ein, ohne sich jedoch allzu stark in den Vordergrund zu drängen – etwa wenn von der Einsamkeit und Schwierigkeiten des Alters die Rede ist. Anneliese und Lore sind voll Lebensfreude und doch davon überzeugt, dass es Ihnen gelingt unbemerkt zu stehlen und zu morden, weil man sie und ihre Bedürfnisse nicht mehr Ernst nimmt. Aber damit sind sie die resoluten Damen überhaupt nicht einverstanden – und zur Not ist noch gegen fast jedes Problem ein Kraut gewachsen !

Ingrid Noll: Ladylike, Diogenes, 2006

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