Familiendrama als Kriminalroman

Autor: S. Benedict-Rux
29. Januar 2007

Zwei ungleiche Brüder, deren Verhältnis durch Eifersucht und lang vergangene Ereignisse belastet ist, die betrogene Ehefrau des einen, die gerade feststellen musste, dass die Geliebte ihres Mannes ausgerechnet eine alte Freundin von ihr ist, sowie die Eltern der Brüder ( die Mutter mit einer Neigung zu romantischen Dichtern, der Vater ein Hypochonder) – das sind die Hauptpersonen mit denen Ingrid Noll in ihrem 2003 erschienenen Krimi „Rabenbrüder“ ihre Familientragödie entwickelt. In den ersten Kapiteln des Romans ist noch vieles offen, denn so einige der Figuren hätten ein Motiv jemanden zu ermorden: Annette als betrogene Ehefrau zum Beispiel, zumal sie ein Indiz dafür entdeckt, dass ihr Mann es vielleicht darauf abgesehen hat ihr Vermögen zu erben. Dieser steht nämlich finanziell längst nicht so gut da, wie sie bislang dachte. Aber auch weitere Familienmitglieder hätten Motive und so wird das erste Todesopfer jemand ganz anderes sein…

Auch in diesem Krimi gehen Ingrid Nolls Figuren nicht sehr feinfühlig miteinander um und so kommen, teils durch Krisensituationen teils durch Kindheitserinnerungen, Hintergründe und Zusammenhänge ans Licht. Allmählich kristallisiert sich heraus, was wirklich hinter all dem steckt und wie es zu dieser verhängnisvollen Entwicklung kommen konnte.

Die Bilanz nach 24 Kapiteln: Vier Tote und einige (seelisch wie körperlich) Verletzte auf Seiten der Romanfiguren, einige Schmunzler und kurzweilige Stunden bei mir. Sicher, „Rabenbrüder“ reicht an manch frühere Romane wie „Die Apothekerin“ nicht wirklich heran, bietet aber amüsante Unterhaltung. Wenn man die Lektüre nicht mit allzu hohen Erwartungen beginnt, ist der Roman als Lesestoff für verregnete Sonntage, für Baggersee oder Strand durchaus geeignet.

Ingrid Noll: Rabenbrüder, Diogenes, Erstausgabe 2003

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