„Die Leute öffnen immer die Tür.“ Gez. W

Autor: Gastrezension
20. Februar 2012

Auf der Suche nach einem lautlosen Mörder, der näher ist, als man denkt

Buch bei amazon ansehen / bestellen  Von Katharina Groß

In Amanda Kyle Williams’ Debüt-Thriller „Cut“, der im Original „The Stranger You Seek“ heißt, taucht der Leser in die Welt der selbstbewussten Privatdetektivin Keye Street ein. Laut Klappentext „hat die Autorin für die Street-Serie Kurse bei Brent Turvey, einem bekannten Kriminologen und Profiler genommen, als Privatdetektivin fremde Menschen überwacht und als Gerichtsbotin gearbeitet.“

Street ist einem sadistischen und psychopathischen Serienmörder auf der Spur. Nervenkitzel und detailliert geschilderte, blutige Szenen kommen dabei nicht zu kurz. Daneben spielt das vom Schicksal gezeichnete Eigenleben der Protagonistin eine ebenso große Rolle. Die beiden Bereiche scheinen sogar miteinander zu verschmelzen.

Nach einem etwas trägen Anfang dauert es nicht lange, bis der Leser in den Hauptfall des Thrillers, den des „Wunschknochenmörders“, hineingezogen wird. Dessen Geschichte beginnt und endet damit, dass die Opfer ihm immer freiwillig die Tür öffnen. Seinen außergewöhnlichen Namen erhält er von den Medien, nachdem er sich in einem Brief an die Polizei mit folgenden Worten rühmt: „Das Letzte, was sie hörte, abgesehen von ihrem eigenen Wimmern, war das Klicken meiner Kamera und das leise Knacken ihres Genicks, als würde ein Wunschknochen entzweibrechen.“

Die grausame Mordserie, die bis kurz vor Ende ungelöst bleibt, erhält durch exklusive Einblicke in die kranke Psyche des Täters eine besondere Note. Er bloggt den Hergang seiner Taten – als Phantasiegeschichte getarnt – auf einer Fetisch-Internetseite. Nach und nach häufen sich seine Morde, bis er völlig unerwartet mit der Polizei in Kontakt tritt: „Sie wollen wissen, wie ich es getan habe?“
In seinen Briefen spielt er Katz und Maus mit den Beamten  und lässt erahnen, was ihn zu seinen Taten treibt. Daraufhin wird Keye von Lieutnant Rauser gebeten, aufgrund von  ihren Erfahrungen beim FBI, ein psychologisches Täterprofil zu erstellen. So beginnt ihre Verstrickung in den Fall, in dem sie eine größere Rolle spielt, als sie sich jemals hätte vorstellen können. Nach einer emotionalen Berg- und Talfahrt auf der Suche nach dem Mörder endet der Fall abrupt: „Cut“.

Der Lesefluss wird teilweise durch unnötige Ausschweifungen in Keyes Nebenjob unterbrochen. Gerade als es spannend wird, bremst die Autorin den Verlauf der Geschichte mit der Suche nach einer vermissten Kuh. Jedoch baut Williams mit Hilfe von sehr direkter Sprache – neben der ganzen Action – noch genügend Stellen ein, bei denen dem Leser vor Lachen die Tränen in die Augen steigen. Von kiffenden Mitarbeitern bis hin zur Sucht nach Krispy Kreme Donuts ist alles dabei. Hinzu kommen  bissige Kommentare wie: „Wenn ich die Möglichkeit gehabt hätte, hätte ich mein Bein gehoben und ihn an Ort und Stelle angepinkelt!“, die Keyes unverkennbaren Südstaaten-Charme hervorheben.

Eine spannende Geschichte, in der Street eine selbstbewusste Frau darstellt, die sich bestens in einer Männerdomäne behauptet. Zudem fesselt der detaillierte, aber auch krasse Perspektivenwechsel zwischen Jägern und Gejagten den Leser an die Geschichte. Im Grunde ist Williams ihr Debüt-Thriller gelungen, und da sie plant, Keye Street in weitere Abenteuer zu schicken, hat sie somit noch Gelegenheit, an gewissen Ecken und Kanten zu feilen. Sie selbst erklärte in einem Interview, sie habe mit Keye eine Figur gewählt, die zu einem Reifeprozess fähig ist und sich mit der Zeit weiterentwickeln wird.

Amanda Kyle Williams: Cut. Thriller, Wunderlich Verlag 2011

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