Goethe Faust Remix

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Autor: S. Benedict-Rux
28. März 2007

Oder: Wie entstaubt man einen Klassiker?

Der `Faust´von Johann Wolfgang von Goethe, viel gelobtes Werk `das man gelesen haben muss´, über Generationen eher lustlose Pflichtlektüre an Schulen und Universitäten – ein Bildungsschinken eben. Nichts weniger haben sich Andreas Walter und Viktor Winkler vorgenommen, als `das bedeutendste Werk der deutschen Literatur´ vom zentimeterdicken Bildungssstaub zu befreien, es atmen zu lassen und daraufhin zu befragen, was es uns heute zu sagen hat. So von Buch zu Leser. Oder eben dem Zuschauer im Theater.

„Wie machen wir´s, daß alles frisch und neu / Und mit Bedeutung auch gefällig sei?“ (Goethe, Faust I Z. 47f.)

Was unterscheidet dieses Buch vom Original? Positiv hervorzuheben ist zuallererst, dass der Originaltext vollständig übernommen wurde – keine Raffung, keine zusammenfassende Inhaltsangabe oder dergleichen. Der Frühjahrsputz besteht in einer veränderten Perspektive auf das Werk, einer Einladung, den „Faust“ unvoreingenommen zu lesen – als Theaterstück das auch (und vielleicht vor allem) unterhalten will. Dazu versehen die Autoren den Text mit einer „Bedienungsanleitung“ und einer ganzen Reihe von Kommentaren. Mal witzig, mal ernst und oft auch provozierend sind ihre Anmerkungen, die Deutungsansätze sein wollen und Anstöße, zu einer eigenen Interpretation zu finden und sich unterhalten zu lassen. Sie zeigen auf Bezüge zu unserer Lebenswelt heute, die das Theaterstück nicht nur dadurch immer noch hat, dass es die wichtigen Fragen menschlichen Lebens berührt.

Man muss Andreas Walter und Viktor nicht in allem zustimmen, was sie zum „Faust“ zu sagen haben, aber ihr Remix ist auf jeden Fall ein interessanter und erfrischender Ansatz. Man kann ihn sich auch gut als Aufführung vorstellen, ergänzt um eine Figur in Gegenwartskleidung, die sich bei angehaltener Szene an die Zuschauer wendet…

Auf der Begleit-CD findet man Musik verschiedener Künstler u.a. von Alphaville über Deichkind, Glashaus, Moses Pelham bis hin zu The Prodigy. Mal mehr mal weniger deutlich sind die Bezüge zum „Faust“, zu den Themen und (Lebens-)Gefühlen in Goethes Tragödie – und damit eine gute Möglichkeit zu zeigen, wie aktuell sie sind. An dieser Stelle hätte ich mir jedoch gewünscht, dass die Autoren diese Verbindung etwas deutlicher herstellen.

„Goethe Faust Remix“ erscheint am 30.03.07 – nur wenige Tage nach dem 175. Todestag des Dichterfürsten…

GOETHE FAUST REMIX. Gemischt von Andreas Walter und Viktor Winkler, Paper Chase /3p, März 2007

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Goethe Faust

Interessanter Ansatz. Danke für den Hinweis. Als Faust-Fan sollte ich mir das mal ansehen.

Klingt sehr interessant. Ich bin ebenfalls ein großer Faust Fan und immer auf der Suche um dieses großartige Stück nicht nur wieder- und neuzuerleben, sondern auch anderen einfach und schnell nahezubringen. So mancher bekommt ja durch Neubearbeitungen Lust doch auch nochmal den gesamten Faust zu lesen oder sich die berühmte Gründgens-Version auf DVD zu besorgen. Irgendwann traue ich mich auch mal an die Aufnahme von der Expo 2000 🙂
Für die Kleinen kann ich hier den Faust von Barbara Kindermann und Klaus Ensikat empfehlen. Wirklich gut gemacht.

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