Marcolini – ein farbenprächtiger historischer Jugendroman

Autor: S. Benedict-Rux
5. November 2007

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Der im August erschienene neue Jugendroman von Karla Schneider spielt am Fürstenhof in Dresden.

Der fünfzehnjährige Camillo Marcolini ist Silberpage am spätbarocken sächsichen Fürstenhof. Täglich hat er die Pracht des Hofes vor Augen – den Prunk der Gemächer, die edlen Gewänder und die vorzüglichen Speisen.  Er selber muss sich mit einem Bett im Schlafsaal der Pagen und oft mit dünner Milchsuppe  zufrieden geben. Hinzu kommt die schmerzhafte Prozedur, wenn jede Woche die Frisur mit Pomade, Brennschere und Puder in Form gebracht werden muss. Kein Wunder also, dass Marcolini davon träumt am Hofe aufzusteigen. Dann ist er Exzellenz Marcolini, trägt Perücke und samtene Kleidung mit Silberstickerei… Und so ist er bemüht bei Hofe nur positiv aufzufallen, um die Gunst der Herrschaften zu erlangen.

Bald wird Marcolini von der Kurprinzessin Maria Antonia zum Kammerpagen ihres ältesten Sohnes Friedrich August befördert. Marcolini ist nicht sehr erfreut. Der dreizehnjährige Friedrich August hat, wie auch sein jüngere Bruder Karl, die Erbkrankheit des Vaters geerbt, aber anders als diese scheint er nicht nur nicht laufen zu können, sondern gilt als schwerfällig und vielleicht sogar zurückgeblieben. Doch es gilt die Gunst der Kurprinzessin nicht zu verscherzen und so bemüht er sich um den Prinzen und auch darum, ihr die gewünschten Informationen über des Prinzen Wünsche und Schwächen zu beschaffen. Bald wird klar, dass Kurprinzessin Maria Antonia Marcolini dazu benutzen will, Friedrich August um den Thron zu betrügen und stattdessen ihren Liebling Prinz Karl als Thronfolger einzusetzen.

Karla Schneider weiß das Leben am Hofe vor den Augen ihrer Leser erstehen zu lassen. Sinnlich und greifbar schildert sie das höfische Leben zur Zeit des Barocks. Dabei spart sie auch die negativen Seiten nicht aus, wie sie auch Schlaglichter auf das Elend anderer Bevölkerungsgruppen wirft. Sie erzählt aber auch, wie Marcolini dem Prinzen hilft, Eigeninitiative und Freude am Leben zu entwickeln und sich darüber allmählich eine Freundschaft zwischen den beiden ungleichen Jungen entwickelt.

Marcolini ist ein Buchtipp nicht nur für historisch interessierte junge Leser ab 12.

Karla Schneider: Marcolini oder Wie man Günstling wird. Hanser 2007

 

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