Märchen über die Macht der Liebe

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Autor: S. Benedict-Rux
7. Februar 2007

Irgendwo in einem Schloss kommt er zur Welt, der kleine Mäuserich Despereaux und ist von Anfang an anders als die anderen Mäuse. Winzig klein ist er, hat unanständig großer Ohren und wurde mit offenen Augen geboren – das gehört sich doch nicht! Aber was noch schlimmer ist, alle Bemühungen seiner Geschwister ihm richtiges Mäuseverhalten  beizubringen fruchten nicht: Fressen bedeutet ihm nicht viel, lieber betrachtet er wie das Sonnenlicht durch das Buntglas der Fenster fällt oder spürt diesen süßen Klängen nach, die sich später als Musik herausstellen werden. Despereaux will auch nicht an Buchseiten knabbern, denn das würde die Geschichte zerstören. Lieber liest er das Märchen von der schönen Prinzessin und dem tapferen Ritter, als es zu essen.

Eines Tages nähert er sich, von der Musik wie verzaubert, dem musizierenden König und seiner Tochter, lässt sich von Prinzessin Erbse berühren. Dieses unmäusische Verhalten kann die Gemeinschaft der Mäuse nicht dulden und schickt Despereaux zur Strafe zu den Ratten in den Kerker. Doch anstatt von den Ratten aufgefressen zu werden, kann die kleine Maus mit der Hilfe des Kerkermeisters entkommen und hört den heimtückischen Plan der Ratte Roscuro, die mit Hilfe des armen Mädchens Mig Prinzessin Erbse entführen will. Aber das kann Despereaux nicht zulassen, ist er doch in die Prinzessin verliebt und so fasst er sich ein Mäuseherz und wächst über sich hinaus.

In diesem Märchenbuch werden alle Hauptpersonen von starken Emotionen geleitet: Liebe, aber genauso auch Hass, Kummer und verletzte Gefühle sind die Triebfedern ihres Handelns. Schwarzweißmalerei gibt es hier nicht, denn keine der Figuren ist von Grund auf nur gut oder schlecht. Der Ursprung von Roscuros Handeln ist die Sehnsucht nach Licht, die oft mißhandelte Mig ist vor allem von der Hoffnung getrieben es auch einmal gut zu haben und auch die „Guten“ haben durchaus ihre Schwächen. Es ist also keine rosarote Märchenwelt, die da dargestellt wird und selbst das Happy End ist erstaunlich realistische in dem Sinne, als zwar keine der Figuren leer ausgeht, aber alle Abstriche an der Erfüllung ihrer Wünsche machen müssen.

 Das Buch hat einige düstere und problematische Szenen, nicht nur in den Verliesen sondern auch im Zusammenhang mit der von ihrem Vater verkauften Mig, die viele Schläge einstecken muss. Nun ja, auch in den alten Märchen (etwa denen der Gebrüder Grimm) ist die Welt mitunter ziemlich grausam. Hilfreich ist der Erzähler, der sich immer wieder an seine Leser wendet, die Geschehnisse ordnet und die Gefühle die sie beim Leser auslösen anspricht. Dies  ist der Punkt an dem vorlesende Eltern mit jüngeren oder sensiblen Kindern einsetzen können, um über die Geschehnisse zu reden. Ansonsten ist das Buch für Selbstleser in der 3./4. Klasse geeignet.

 Geschichten gegen die Dunkelheit – Despereaux ist ein empfehlenswertes Märchen über die Kraft der Gefühle und eine Liebeserklärung an das Geschichten erzählen.  

Kate DiCamillo: Despereaux, Von einem der auszog das Fürchten zu verlernen, Deutsche Erstausgabe im Cecilie Dressler Verlag 2004

  Insbesondere für Leser im Raum Köln mag der hier verlinkte Beitrag zu einem anderen Blog mit einem Hinweis zu einer Lesung im März von Interesse sein…

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