Neuerscheinung: Die Kinder Húrins von J. R. R. Tolkien

Autor: S. Benedict-Rux
17. April 2007

Die Geschichte der Kinder Húrins ist im ersten Zeitalter von Mittelerde angesiedelt, also lange vor den Geschehnissen, von denen der „Herr der Ringe“ erzählt. Bislang lagen unterschiedliche Fassungen vor, so unter anderem im „Silmarillion“ und in den „Nachrichten aus Mittelerde“. Christopher Tolkien hat sich die Mühe gemacht, die verschiedenen Varianten zu einer lesefreundlichen Gesamtfassung zu verarbeiten.

Ursprung der Handlung ist ein Fluch Morgoths den er über Húrins Familie verhängt, als dieser sich standhaft weigert, sich seinem Willen zu beugen. Alles was seine Angehörigen von nun an tun oder sagen, soll sich gegen sie wenden und Unheil für die nach sich ziehen, mit denen sie leben. Die Geschichte zeichnet dabei schwerpunktmäßig Leben und Leid von Húrins Sohn Túrin nach, der versucht sich dem Schicksal zu entziehen.

Als Húrin nicht aus dem Krieg gegen Morgoth zurückkehrt, schickt seine Frau Morwen Túrin als Jungen in die Obhut des Elbenkönigs Thingol um zu verhindern, dass er von den Dienern Morgoths versklavt wird. Dort wächst er behütet auf, lernt aber seine Schwester Nienor nicht kennen, da diese erst nach der Trennung von seiner Mutter geboren wird. Nach dem von Túrin nicht verschuldeten Tod eines Elben flüchtet er dennoch aus dem Reich Thingols, da er dessen Urteil fürchtet. Und so zieht Túrin, der Erbe des Drachenhelms seinem tragischen Schicksal entgegen, Ödipus darin ähnlich, dass er im Versuch dem Verhängnis zu entgehen, der Erfüllung des Fluches zuarbeitet. Was auch immer er tut, Unglück und Verderben sind die Folge. Selbst als das Schicksal freundlich zu sein scheint und ihm ein Mädchen zuführt, welches er liebt trügt der Schein. Da sie unter Gedächtnisverlust leidet und so traurig ist, gibt er ihr den Namen Níniel (Tränenmädchen). Sie, die er heiratet und mit der er ein Kind zeugt, ist in Wirklichkeit seine unter dem Bann des Drachen Glaurung stehende Schwester Nienor. Túrin besiegt den Drachen durch eine List und im sterben wird die durch ihn verhängte Verblendung unwirksam. Glaurung enthüllt Nienor die schreckliche Wahrheit und diese stürzt sich in den Tod. Ihr Bruder begeht ebenfalls Selbstmord. Am Grabstein der beiden treffen ihre Eltern für einen kurzen Augenblick zusammen bevor auch Morwen stirbt.

Eine Einführung und ein Anhang ergänzen die Geschichte. 24 schwarzweiße und acht ganzseitige farbige Illustrationen von Alan Lee bereichern dieses schöne Buch, das sich Mittelerde-Freunde nicht entgehen lassen sollten. „Die Kinder Húrins“ ist seit heute erhältlich.

J. R. R. Tolkien: Die Kinder Húrins, Herausgegeben von Christopher Tolkien, Illustrationen von Alan Lee, Aus dem Englischen übersetzt von Hans J. Schütz und Helmut W. Pesch, Klett-Cotta 2007

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