Farbenfrohe Fantasy: „Seide und Schwert“ von Kai Meyer

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Autor: S. Benedict-Rux
20. Januar 2007

Der Fantasy-Autor Kai Meyer scheint es zu lieben, seine Geschichten mit historischer Vergangenheit oder mythischen Figuren zu verknüpfen und um diesen Kern herum fantasievoll zu fabulieren. Sein 46. Roman spielt 1760 n. Chr. in China und auf einer Wolkeninsel, die sich in den Bergen Chinas verkeilt hat. Auf dieser Wolkeninsel lebt das Wolkenvolk, Menschen italienischer Abstammung die seit Jahrhunderten auf dieser herumtreibenden Wolke unter der Herrschaft des Herzogs von Medici leben. Möglich wurde dies durch die von Leonardo da Vinci erfundene Ätherpumpe, die der großen Wolke die Festigkeit verleiht und sie in der Höhe hält. Doch eines Tages beginnt die Wolke zu sinken, der Kontakt der Ätherpumpen zur über der Wolkeninsel liegenden Ätherschicht reißt ab und die Wolke bleibt in den Bergen hängen. Wenn der Äthernachschub weiter ausbleibt, wird die Wolkeninsel vermutlich auseinanderbrechen und auf den Erdboden stürzen. Der junge Niccolo wird ausgesandt, um auf dem Erdboden nach Drachen zu suchen, denn diese atmen Äther aus und vielleicht kann es so gelingen die Ätherpumpen wieder in Gang zu setzen. Niccolo ist froh die Insel verlassen zu dürfen, denn schon lange empfindet er sie als Gefängnis. Er träumt davon auf dem Erdboden zu leben. Mit seiner hellen Haut und den runden, goldenen Augen fällt er unter den Chinesen auf, zunächst der rätselhaften Wisperwind, die ihn rettet als er mit dem Fluggerät da Vincis abstürzt. Niccolos Augenfarbe wird durch den Äther in den Wolken verursacht und genau das ist es, was die Aufmerksamkeit von Nugua erweckt. Das Mädchen wurde von den Bauern als Säugling den Drachen als Opfer dargebracht und hat 14 Jahre bei ihnen gelebt. Doch eines Morgens waren die Drachen mit ihren goldenen Augen verschwunden und seitdem ist Nugua auf der Suche nach ihnen. Die beiden Jugendlichen setzen ihre Suche gemeinsam fort. Bald gewinnen sie einen neuen Gefährten hinzu und gleich eine Reihe von Verfolgern. Als sie Zeugen eines Kampfes zwischen zwei Unsterblichen werden, kommt es zu einer schicksalhaften Begegnung. Von nun an sind sie in diese Auseinandersetzung, den Kampf von Seide und Schwert, verwickelt.
In der Zwischenzeit wird auch Alessia de Medici, die Tochter des Herzogs, aktiv – gegen den Willen ihres Vaters und den seiner Berater. Sie wagt auf sich eigene Faust für ein paar Schritte auf den Erdboden und versucht ihrerseits, etwas über die Ursachen des Pumpenausfalls herauszubekommen. Als plötzlich der Schattendeuter des Wolkenvolkes verschwunden ist, geht sie dem nach und macht in dessen Haus eine interessante Entdeckung, welche sie in Gefahr bringt…

Nun ja ich will natürlich nicht zuviel verraten und deshalb höre ich hier am besten auf. Es ist eine bunte, fantasiereiche Welt die Kai Meyer uns da erzählend heraufbeschwört, in der die verschiedenen Charaktere ihre Abenteuer zu bestehen haben. Langweilig ist es nie, denn der Fantasy-Roman ist reich an Handlung und hält immer wieder überraschende Entwicklungen bereit. Am Ende des ersten Bandes sind die Drachen natürlich noch nicht gefunden und die Helden müssen mittlerweile noch weitere dringende Probleme lösen, die sich aus dem bis dahin erlebten ergeben haben.

Bei aller Fantasie sind die Figuren insofern realistisch, als ihre Beweggründe und Gefühle nicht klischeehaft idealisiert, sondern differenziert und sehr plausibel dargestellt werden. Der Einblick in die Charaktere offenbart ihre Zweifel und inneren Kämpfe und erhöht damit auch die Spannung, denn es ist nicht sicher vorherzusehen wie sie sich entscheiden werden. Wer Gutes will, kann auch in guter Absicht eine falsche Entscheidung fällen und manche Figur, die auf der falschen Seite zu sein scheint, erweckt den Eindruck dies nicht freiwillig zu tun. Der vielschichtige Blick auf die Handelnden macht diesen Fantasy-Roman ebenfalls zu einer anregenden Lektüre für erwachsene Leser. Wenn auch dämonische Fabelwesen und fliegende Schwertkämpfer, große Magie und unglaubliche Phänomene ihre wichtige Rolle spielen, geht es in „Seide und Schwert“ gleichermaßen um große Gefühle, wichtige Fragen des Lebens und um schwierige Entscheidungen.

Da man sich überdies leicht mit den Helden identifizieren kann, nimmt einen das Buch schnell gefangen und lässt einen mitfiebern. Viel zu schnell ist „Seide und Schwert“ zu Ende gelesen. Was für ein Glück also, dass Kai Meyer nach eigener Aussage zehn Seiten am Tag an einer Geschichte weiterschreibt und der Leser nicht so lange auf die Fortsetzung warten muss. Die gute Nachricht lautet also: Der zweite Band der Wolkenvolk-Trilogie mit dem Titel „Lanze und Licht“ ist vor einigen Tagen erschienen. Mein Exemplar habe ich bereits hier liegen. Da ich mich leider nicht sofort ins Vergnügen stürzen kann, mag es noch ein bisschen dauern, bis ich über „Lanze und Licht“ eine Rezension einstellen werde. Wer die Buchvorstellung nicht abwarten mag – bitte sehr hier ist der Link zu „Lanze und Licht„.

Kai Meyer: Seide und Schwert, Das Wolkenvolk Band 1, Loewe Verlag GmbH, 2006

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