Eine Biologin auf Zeitreisen: Das Cusanus-Spiel

Autor: S. Benedict-Rux
9. Februar 2009


Wolfgang Jeschke ist vielen  Science Fiction-Lesern als Herausgeber von Science Fiction-Reihen ein Begriff. Für seinen Roman Das Cusanus-Spiel hat er 2006 den Kurd-Laßwitz-Preis in der Kategorie „Bester Roman“ erhalten.

Die Welt im Jahre 2052. Der Klimawandel hat dazu geführt, dass die Wüste sich immer weiter ausbreitet. Einige Länder sind aufgrund des stetig ansteigenden Meeresspiegels in Fluten versunken, mitten in Deutschland hat sich vor Jahren ein radioaktiver Unfall ereignet und weite Landstriche sind zur verseuchten Todeszone geworden. Europa versucht sich durch große bewachte Schutzwälle vor den Flüchtlingsmassen zu schützen.

Auch in Rom wird das Leben immer schwieriger. Die Strom- und Wasserversorgung sind zusammengebrochen, die Sicherheitslage ist nicht stabil. Neben der Hitze und der Versandung sind es vor allem die zunehmden Gewalt und Fremdenfeindlichkeit die Domenica, einer jungen Biologin, Sorge bereiten. Ihre Jobperspekiven sind nicht berauschend und so hat sie sich wie viele ihrer Kommilitonen für eine geheimnisvolle Arbeit beim Vatikan beworben. Mit der Zeit findet sie heraus, dass man dort Naturwissenschaftler ausbildet, um sie in die Vergangenheit zu schicken.  Dort sollen sie beispielsweise  Samen ausgestorbener Pflanzen zur Wiederherstellung der Vegetation sammeln. Aber Zeitreisen sind heikel und die Forscher wissen zwar wie sie das Transportsystem durch die Zeit nutzen können, aber weder wie es funktioniert noch was dahinter steckt …

Das Cusanus-Spiel ist ein Zeitreise-Roman der mehr von einem philosophisch-wissenschaftlichen Unterbau als von einer actionreichen Handlung getragen wird. Wolfgang Jeschke räumt dem Gedankengebäude um das Thema Zeitreisen viel Platz ein, bisweilen vielleicht klein wenig zuviel. Andererseits mag dies für manche Leser aber auch genau das faszinierende an diesem Buch sein, zumal Jeschke dies unter anderem an Äußerungen verschiedener Gelehrter und Forscher  der „realen“ Welt zurückbindet. Mit kleinen Änderungen, die der aufmerksame Leser jedoch sofort bemerkt, schafft der  Autor es verschiedene Möglichkeiten und Verläufe kaleidoskopartig nebeneinander entstehen zu lassen. Von der Komplexität des Themas einmal abgesehen ist der Roman gut zu lesen, meist logisch stimmig und über weite Teile unterhaltsam geschrieben.

Wolfgang Jeschke: Das Cusanus-Spiel oder ein abendländisches Kaleidoskop. Roman, Knaur Taschenbuch Verlag 2008

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