Die Magier von Montparnasse (Oliver Plaschka)

Autor: S. Benedict-Rux
24. November 2010


Paris im September 1926. Zauberkünstler Ravi und seine schöne Assistentin Blanche haben ein einwöchiges Engagement im bekannten Variététheater Bobino am Montparnasse. Nur mit unguten Gefühlen hat sich Ravi darauf eingelassen, die gefährliche Sarkophag-Nummer mit ins Programm zu nehmen. Sechs Abende geht alles gut, doch am letzten Abend blockiert ein Schalter und Ravi muss echte Magie anwenden, um Blanche und sich vor dem Ersticken zu retten. Wird das nicht die Société Silencieuse auf den Plan rufen, die Geheimgesellschaft der Magier? Als wäre das nicht genug, fordert Blanche sie auch noch mit einem magischen Apfelzauber heraus. Sie fällt in einen todähnlichen Schlaf und es ist an Ravi ein Versprechen einzulösen…
Ravi bringt die schlafende Blanche in ihr Zimmer im Gasthaus und zunächst scheint es, als würde die erwartete Reaktion der Geheimgesellschaft ausbleiben. Aber es scheint nur so. Als der Tag anbricht ist dies nicht ein neuer Tag, sondern der bereits vergangene Tag wiederholt sich  – der Montparnasse ist in einer Zeitschleife gefangen. Nach und nach Treffen einige mysteriöse Agenten der Société ein. Auf wessen Seite sie stehen und was Sie im einzelnen im Schilde führen ist nicht klar, bald wird aber deutlich, dass Ravi nur wenig Zeit bleibt um einige Rätsel zu lösen und Blanche und die Menschen vom Montparnasse ins Leben zurück zu führen. Denn mit jeder Wiederholung des Tages wird die Welt am Montparnasse fahler, ihr Ende scheint greifbar.
Der Einbruch des Phantastischen, der Magie in das Künstlerviertel des Montparnasse – Oliver Plaschka lässt die Ereignisse von sieben verschieden Figuren aus ihrer je eingeschränkten Perspektive erzählen. Einen  neutralen Erzähler, der die Geschehnisse zusammenführt oder erläutert gibt es in diesem Roman nicht. Für den Leser bedeutet das, dass er dazu aufgefordert ist sich sein Bild aus verschiedenen Puzzleteilen selber zusammen zu setzen. Hierin liegt eine Chance, aber auch eine „Gefahr“ in der Konzeption des Buches. Als Leser muss man schon den Wunsch mitbringen aufmerksam zu lesen und die Geheimnisse selber ergründen zu wollen, um die Variationen desselben Tages nicht zeitweise als ermüdend zu empfinden. Manchmal lässt sich die Bedeutung einer Szene nur in der Rückschau erschließen, manche Zusammenhänge bleiben auch nach der Beendung der Lektüre leider im Dunkeln. Ein Buch also, dass man vielleicht mehrfach lesen sollte, um es wirklich würdigen zu können.
Davon abgesehen ist dieses „phantastische“ Buch jedoch durchaus empfehlenswert. Oliver Plaschka spielt ein vergnügliches Spiel mit der Sprache und mit Motiven der Weltliteratur, lässt die Stimmung der 20er Jahre in Paris wieder aufleben, seinen Zauberkünstler in Anklang an Sherlock Holmes einen Mordfall aufklären und wartet zum Ende des Romans mit einer überraschenden Auflösung auf, mit der man als Leser nicht rechnet.

Oliver Plaschka: Die Magier von Montparnasse. Klett Cotta, Hobbit-Presse 2010

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