Der Zauberer – Mythgarthr 2

Autor: S. Benedict-Rux
24. Juni 2007

Im Kampf gegen den Drachen Grengarm war Sir Able of the High Heart tödlich verletzt und in die Welt Skai erhoben worden. Seine Liebe zu Königin Disiri treibt Able jedoch nach Mythgarthr zurück. Unter der Auflage, die in Skai erworbenen magischen Kräfte in der Menschenwelt nicht anzuwenden, erhält er die Erlaubnis zurückzukehren. Während er 20 Jahre in Skai verlebt  hat, sind in derselben Zeit in Mythgarthr nur ein paar Tage vergangen.

Dorthin zurückgekehrt kommt ihm auch eine vage Erinnerung daran, dass er einst ausgeschickt worden war, eine wichtige Botschaft zu überbringen. Doch bis es dahin kommen kann, hat Sir Able noch etliche Hindernisse zu überwinden und Kämpfe zu bestehen. Der Herrscher von Skai  hat ihm Cloud mitgegeben, ein Streitroß welches über den Himmel fliegen kann und das ihm eine große Hilfe sein wird. Viele gute Bekannte aus dem ersten Band sind mit dabei, wie zum Beispiel der treue Hund Gylf, der sprechende Kater Mani, einige der Diener, Knappen und Ritter. Auch die Feueralfar Baki und Uri sind mit von der Partie und sorgen mit ihrem mitunter schwer einzuordnenden Verhalten für Mißtrauen.

Der zweite Band der Mythgarthr-Saga ist von der Art her ähnlich geschrieben wie der „Ritter“, auch wenn das Buch zu Beginn in zwei Erzählsträngen erzählt wird. Sir Able erzählt die Geschehnisse, die er selber erlebt hat, ein weiterer Erzähler die Erlebnisse eines Teils seiner Freunde und Gefährten in Jotunland, der Heimat der Frostriesen. Able ist in der Zwischenzeit gereift. Dies wirkt sich in einer anderen Sicht auf Mythgarthr und einer veränderten Sprache aus – er ist nicht mehr der kleine Junge, versteht mehr und staunt weniger. Was aber ähnlich ist wie im ersten Buch, ist der Hang dazu mehrdeutige Unklarheiten zu streuen und Zusammenhänge auszusparen. „Der Zauberer“ hat bisweilen Längen – die ausführlich berichtete Schlacht gegen die Osterlinge gehört für mich dazu – aber ebenso mitreißende und berührende Partien. Erfreulicherweise werden einige offene Fragen aus dem ersten Band geklärt und der Kreis schließt sich an der einen oder anderen Stelle. Dies hätte gerne noch öfter der Fall sein dürfen.

Die Mythgarthr-Saga ist zweifelsohne etwas besonderes – Fantasy auf hohem Niveau. Die Welt, die Gene Wolfe geschaffen hat ist eine sehr komplexe, die viel interessantes zu bieten hat. Allerdings trübt es den Lesegenuß, dass man als Leser das Gefühl hat nicht genug Informationen an die Hand zu bekommen, um sie wirklich zu verstehen. Möglicherweise gehören die beiden Bände aber zu jenen Büchern, die sich einem im erneuten lesen mehr und mehr erschließen.

Gene Wolfe: Der Zauberer – Mythgarthr 2. Aus dem Amerikanischen übersetzt von Jürgen Langowski. Schutzumschlag und Illustrationen von Dietrich Ebert. Klett-Cotta 2006.

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