Buchtipp: Der Name des Windes (Patrick Rothfuss)

Autor: S. Benedict-Rux
15. Dezember 2008


Im Bereich der Fanasy-Literatur werden oft Vergleiche mit J. R. R. Tolkiens Herr der Ringe gezogen und nicht selten handelt es sich bei den Büchern um einen billigen Abklatsch. Der Name des Windes wird manchmal auch mit Joanne K. Rowlings Harry Potter verglichen. Der Erstling von Patrick Rothfuss, soviel sei an dieser Stelle schon verraten, ist kein seichter Fantasyaufguss nach beliebtem Schema, sondern ein ernst zu nehmendes Stück literarischer High Fantasy.

Seit einem Jahr hat der junge Wirt Kote in Navarre ein Gasthaus. Die Zeiten sind schlecht. In der Nähe tobt ein Krieg und die Straßen sind unsicher geworden. Nur noch wenige Reisende sind unterwegs. Eines Abends stürzt ein Stammgast aus dem Ort verletzt ins Wirtshaus. Er wurde von einem Skrael angegriffen, einem augenlosen, spinnenartigen Wesen, so groß wie ein Wagenrad und mit messerscharfen Beinen. So etwas wurde diesseits des Gebirges noch nie beobachtet. Da die Skrael nie als Einzelne sondern nur in Gruppen auftauchen, macht sich Kote in einer Nacht daran die  restlichen Skrael der Gruppe im Wald anzulocken und zu vernichten. Dort stößt ein reisender Chronist zu ihm, den Kote nach der Auseinandersetzung mit den Skraels schwer verletzt mit ihn sein Wirtshaus nimmt.

Der Chronist ist nicht irgendein Chronist, sondern ein großer Geschichtenerzähler. Er hat das Gerücht gehört, dass sich in Navarre der berühmte Magier Kvothe, auch Kvothe der Blutlose oder Kvothe der Königsmörder genannt, versteckt hält. Er ist gekommen, um dies zu prüfen und falls er ihn findet die Wahrheit über das zu erfahren, was sich vor etwa zwei Jahren zugetragen hat. In dem Gastwirt erkennt er den Gesuchten. Zunächst will sich Kvothe nicht darauf einlassen, denn es ist ein Kopfgeld auf ihn ausgesetzt und er fürchtet Rache, aber dann lässt er sich zu seinen Bedingungen darauf ein. Drei Tage beansprucht Kvothe um seine Geschichte zu erzählen, drei Tage um zu erzählen, wie er der wurde der er ist.

Und so beginnt er zu erzählen, wie er in einer Theatertruppe aufwuchs und von einem mitreisenden Magier in vielerlei Künsten unterwiesen wurde. Kvothe hat ihn einmal fasziniert dabei beobachtet, wie er den Namen des Windes murmelte und damit einen heftigen Windstoß hervorrief. Seither träumte er davon ebenfalls den Wind rufen zu können. Als Kvothe eines Tages vom Kräutersammeln zurückkehrte, war das Lager verwüstet und alle getötet. Inmitten der Zerstörung sah er kaltherzige und grausame Gestalten, die sich vor seinen Augen in Luft auflösten – die Chandrian. Es gibt Lieder und Geschichten über sie, aber niemand weiß genau, wer oder was sie genau sind. Dämonen vielleicht? Oder Zauberer? Nun ist Kvothe auf sich alleine gestellt. Er lebt die ersten Monate in der Wildnis und tröstet sich mit der Laute seines Vater, einem der wenigen Dinge die er aus dem Lager retten konnte. Anschließend lebt er drei Jahre als Straßenkind in der Stadt. Er besinnt sich auf seine früheren Ziele, macht sich auf, um an der Universität große Magie zu lernen und mehr über die Chandrian zu erfahren. Er ist der jüngste je aufgenommene Student. Hochbegabt und intelligent wie er unbestritten ist, mangelt es ihm jedoch noch an Disziplin und Reife. So schafft er es auch innerhalb kürzester Zeit sich mächtige Feinde zu schaffen und immer wieder von schweren Strafen bis hin zum Ausschluss aus der Universität bedroht zu sein. Und er lernt Denna kennen, die immer wieder in sein Leben tritt und plötzlich wieder verschwunden ist…

Patrick Rothfuss erschafft eine Fantasywelt, die sehr lebendig wirkt. Die Handlung ist facettenreich, so dass man bei dem Versuch sie zusammenzufassen beständig das Gefühl hat, wichtige Aspekte außer Acht lassen zu müssen. Dabei ist sie dennoch gut verständlich und vor allem mitreißend geschrieben. In den Teilen, in denen Kvothe als Erzähler seiner Kinder- und Jugendjahre auftritt, ist man als Leser so dicht an ihm dran, dass man nicht umhin kann mitzufiebern. Der musikalisch wie magisch so hochbegabte Kvothe ist ein vielschichtiger Charakter und dabei trotz aller problematischen Seiten ein sympathischer und menschlicher Held. Mit der Rahmenhandlung wird geschickt die Spannung reguliert. Mal wirkt sie als retardierendes Moment, oft jedoch facht sie die Spannung weiter an, etwa durch vage Hinweise auf noch zu erzählendes oder aber durch neue Entwicklungen in der Rahmenhandlung.  Mit dem Ende des ersten Teils der Trilogie endet der erste Tag und lässt seinen Leser mit dem Wunsch zurück, den zweiten Band in den Händen zu halten und Kvothe bei der Geschichte des zweiten Tages zuhören zu können.

Fazit: Unbedingt empfehlenswert! Fantasy-Freunde sollten sich dieses Buch nicht entgehen lassen!

Patrick Rothfuss: Der Name des Windes. Die Königsmörder-Chronik. Erster Tag, Roman, Aus dem Englischen von Jochen Schwarzer, Klett-Cotta 2008

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