Erzählungen: Die Inseln unter dem Winde

Autor: S. Benedict-Rux
4. März 2014

Buch bei amazon ansehen / bestellenAlfred Andersch gehörte zu den wichtigsten Vertretern der jungen westdeutschen Literatur nach dem Zweiten Weltkrieg. Zum 100. Geburtstag des Schriftstellers am 04.02.2014 ist im Diogenes Verlag unter dem Titel Die Inseln unter dem Winde ein Band mit 20 Erzählungen aus den Jahren von 1949 bis 1979 erschienen.
Viel wird darin von Menschen erzählt, die aus dem Krieg als Beschädigte oder gar als Zerstörte hervorgegangen sind, die nicht einmal im Tode zur Ruhe kommen. Die Auswahl enthält auch etliche autobiographisch geprägte Erzählungen um die Figur Franz Kien, einen Jungen bzw. einen jungen Mann der in München aufwächst, Kommunist wird, deshalb ins KZ kommt und sich dem Nationalsozialismus und dem Krieg zu entziehen sucht. Die Parallelen zum Leben von Andersch sind nicht zu übersehen, spürbar wird der Autor besonders in den selbstreflexiven Passagen, in denen man plötzlich nicht mehr (oder nicht mehr alleine) die Stimme der Figur, sondern die Stimme des Autors zu hören vermeint. Neben der Aufarbeitung der Jugend des Autors ist hier insbesondere das Bild der damaligen kleinbürgerlichen Welt nachgezeichnet.

Vielseitiges erzählerisches Werk

Andere Erzählungen folgen der Tradition der amerikanischen Short Story oder erproben neue literarische Formen. Die metafiktionale Erzählung Mein Verschwinden in Providence etwa gehört dazu, die ihre eigene Fiktionalität thematisiert. Phantastische Erzählungen zeigen einen weiteren Aspekt von Anderschs literarischem Wirken, so dass die Auswahl die Vielseitigkeit des erzählerischen Werks abbildet.
Entnommen wurden die Erzählungen aus der bei Diogenes erschienenen Kommentierten Ausgabe der Gesammelte Werken in zehn Bänden, die Nachweise sind den Erzählungen angefügt. Der hochwertige Band in Leinen kommt im Schmuckschuber mit einer von Vignette von Tomi Ungerer verziert.
Fazit: Ein schöner Geburtstagsband, der auch heute noch Denkanstöße zu geben vermag!

Alfred Andersch: Die Inseln unter dem Winde und andere Erzählungen. Ausgewählt von Winfried Stephan. Diogenes 2014

 

Zum Autor:
Alfred Andersch wurde am 04.02.14 in München geboren. Der Offizierssohn machte eine Buchhändlerlehre. 1933 kommt er als Kommunist für ein halbes Jahr ins KZ Dachau. Nach einer späteren weiteren Verhaftung zieht er sich aus der Politik zurück in seine innere Welt, gebildet aus Kunst und Literatur. Andersch desertiert im Juni 1944 und verarbeitet dies literarisch in seinem ersten erzählerischen Werk, „Die Kirschen der Freiheit“, welches 1952 erschien. Nach der Kriegsgefangenschaft arbeitete Andersch als Zeitschriftenredakteur und für den Rundfunk. Gemeinsam mit Hans Werner Richter gab er seit 1946 die politisch-literarische Zeitschrift „Der Ruf“ heraus, die 1947 von den Amerikanern eingestellt wurde. Ihres Publikationsforums beraubt, fanden sich einige aus dem Umkreis der Zeitschrift im literarischen Freundes- und Diskussionskreis „Gruppe 47“ zusammen, der von 1955 bis 1965 viele der wichtigsten Autoren der jungen westdeutschen Literatur angehörten.
Andersch starb am 21.02.1980 in Berzona/Schweiz.

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