Buchtipp: Geschichten von Philippe Claudel

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Autor: S. Benedict-Rux
19. Februar 2008

Viele der fünfzehn Erzählungen in dem kürzlich auf deutsch erschienen Band kreisen um Kinder und ihre Sicht auf die Welt. In der ersten Geschichte verstecken sich alle Kinder weltweit in einer für Erwachsene unzugänglichen Oase, da diese ständig mit ihnen schimpfen, sie früh ins Bett schicken und dergleichen mehr. Der von seinen Eltern ungeliebte Lucas stellt in der Titelgeschichte eines Tages fest, dass er in Bücher verschwinden kann und bleibt irgendwann gleich ganz dort. Ein kleines Mädchen forscht und gibt nicht auf, bis es nach  zehn Jahren einen Impfstoff gefunden hat, der die Menschen freundlich macht…

Nachdenkliche Töne schlägt Claudel in vielen dieser Märchen und Geschichten an, vielfach allerdings zwischen den Zeilen und mit einem kleinen Augenzwinkern. Selten sind sie so deutlich wie in dem Brief, den ein Junge aus dem Bagdad der Gegenwart an seine Nachbarn in der westlichen Welt schreibt. Er gipfelt in dem Appell:

„Denk an mich so fest, wie ich an Dich denke, denn wenn wir an sie denken, halten wir die andern Menschen am Leben. Und daran können auch Kriege nichts ändern.“

Wohl mehr an Erwachsene adressiert, eignet sich das Buch gleichwohl als Familienbuch zur gemeinsamen Lektüre mit Kindern. Allenfalls die Geschichte „Der Eintopf“, ein etwas blutiger Alptraum eines Jungen, ist für zartbesaitete Kinder möglicherweise nicht geeignet.

Fazit: In der ersten Geschichte erklärt der Erzähler –

„Denn, wisst ihr, es ist wirklich vertrackt, aber man wird vergesslich, wenn man groß ist. Man vergisst fast alles, und vor allem vergisst man, dass man selbst einmal ein Kind war.“

Philippe Claudel schenkt mit diesem Buch seinen `großen´ Lesern ein Stück ihrer Erinnerung zurück!

Philippe Claudel: Der Junge, der in den Büchern verschwand und andere Geschichten. Deutsch von Christiane Seiler. Kindler, 2008

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