Auf der Suche nach dem Sinn des Lebens

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Autor: S. Benedict-Rux
26. Juli 2013

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Die lebenskluge Fabel, in deren Zentrum das Nashorn Yofi steht, ist erstmals 2007 im Berlin-Verlag erschienen, war dann vergriffen und wurde vergangenen Herbst im Tigerbaum Verlag neu aufgelegt. Sie erzählt von einem unausgeglichenen immer schlecht gelaunten jungen Nashornbullen, der, angeregt durch seinen Großvater und die Wiedererweckung eines vergessenen Lebenstraums, die ersten wichtigen Schritte auf seiner Reise zu sich selbst macht.

Nashorn Yofi lebt am Fuße des Hohen Berges. Obwohl er mit seiner erwiderten Liebe zu Sara und seinem prächtigen Sohn glücklich sein könnte, ist er ein unzufriedener und ständig wütender Nashornbulle. Eines nachts trifft er unvermutet auf seinen Großvater Meru, der seltsame Ansichten aber auch eine besondere Ausstrahlung hat. Gegen den anfänglichen Widerstand Yofis gelingt es Meru dann doch, Yofi an seinen alten Lebenstraum zu erinnern und zu einer gemeinsamen Reise zu bewegen.

„Stell dir vor, du stirbst beim nächsten Vollmond. Was willst du vorher auf jeden Fall noch tun?“

Diese Ausgangsfrage zeigt Yofi, dass er sich allzusehr von seinen Herzenswünschen entfernt hat und sein Leben als unerfüllt ansieht. Das ist die tiefere Ursache seiner Unzufriedenheit und seiner allzu leicht entflammbaren Wut. Der Beginn einer Reise zum Meer ist nur ein erster Teil des Lernprozesses den Yofi mit der Hilfe Merus durchläuft. So lernt er unter anderem nach innen zu gehen und zu meditieren, auf sein Herz zu hören, ja sogar das Verzeihen als Weg der eigenen inneren Heilung zu entdecken. Als sich schlußendlich die Wege von Großvater und Enkel trennen, ist Yofi nicht nur dem Meer, sondern auch dem Ziel näher gekommen, den eigenen Herzenswünschen treu zu bleiben. Vor ihm liegt wohl noch ein weiter Weg, aber Meru hat ihm sein Wissen darüber vermittelt, wie er jeden Tag aufs Neue den Kampf um seine wahre Bestimmung aufnehmen kann.

Die Erzählung ist konsequent aus der Sicht des jungen Nashorns geschrieben und dialogisch gestaltet. Yofi bietet sich dadurch für den Leser als Identifikationsfigur an, die Bedeutung für das menschliche Leben  und Übertragbarkeit erschließen sich leicht in den Dialogen mit dem Großvater. In Ihnen entfalten sich die Konflikte und Reibungspunkte sowohl zwischen den Generationen, als auch im übertragenen Sinne zwischen an der Oberfläche klebender Alltagssicht und der tieferen, nach innen gerichteten Sicht auf das was ist.

Verschiedentlich wurde Yofi oder Die Kunst des Verzeihens mit dem kleinen Prinzen von Antoine de Saint-Exupéry oder der Möwe Jonathan von Richard Bach verglichen. Dies trifft mindestens auf die Thematik der Sinnsuche, aber auch auf den Adressatenkreis zu, an den sich diese moderne Fabel richtet. Ob Yofi diesen Kultstatus erlangen wird, bleibt abzuwarten, das Potential sich einen Platz im Herzen vieler Leser zu erobern hat das Buch allemal.

Bantle, Oliver: Yofi oder Die Kunst des Verzeihens, Neuausgabe Tigerbaum-Verlag 2012

 

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