Pädagogisch wertvolle Comics?

Autor: S. Benedict-Rux
13. Januar 2014

 Comic bei amazon ansehen / bestellen„Rocky und seine Bande“ ist der Obertitel einer neuen Kinderbuchreihe für Kinder im Alter von 6-12 Jahren, die im Pefferkorn-Verlag sowohl auf deutsch als auch auf französisch erscheint und im Comicstil größere Themen in Alltagsgeschichten verpackt. Rocky ist der Hund eines der vier Kinder, die Rockys Bande bilden. Es sind Rosalie, die kluge Mia, Enzo der gerne isst und Tim, das Herrchen von Rocky.

Rosalie will ein Haustier

Im ersten Band der Reihe besuchen die vier Freunde das Tierheim, um es anschließend mit einem Referat ihrer Schulklasse vorzustellen. Rosalie verguckt sich sofort in das weiße Kaninchen Fred und schafft es auch ihre Eltern dazu zu bewegen, Fred aus dem Tierheim zu holen. Doch das Zusammenleben mit dem Kaninchen erweist sich in mancher Hinsicht als nicht unproblematisch: Nicht nur, dass Fred bei seiner Erkundung des neuen Lebensraums so einiges anstellt und nachts, wenn Rosalie schlafen will putzmunter ist,  nein, zu allem Unglück reagiert ihr Vater allergisch. Rosalie fürchtet, dass Fred zurück ins Tierheim muss oder im Kochtopf landet und ist unglücklich. Da aber ergibt sich eine glückliche Lösung für alle Beteiligten.
Alle vier Kinder sind sowohl von den Charakteren als auch von der Bildfigur her als Individuen gestaltet und bieten durch Ihre Unterschiedlichkeit auch viele Identifikationsmöglichkeiten für ihre eben auch einzigartigen jungen Leser.
Die meisten Kinder haben früher oder später den Wunsch nach einem Haustier. Knackig und prägnant formuliert das Buch die wesentlichen Fragen und Dinge, über die man nachdenken sollte, bevor man Verantwortung für ein Haustier übernimmt. Wort und Bild ergänzen sich dabei auf eine sehr schöne Weise, da oftmals die Bilder den Text anreichern, sei es mit Informationen sächlicher oder emotionaler Art. Das Buch bietet so eine gute Basis für das Gespräch zwischen Kinder und Eltern, die an die Erlebnisse von Rosalie und den anderen Kindern anknüpfen können.
Neben dem Kernthema werden noch weitere Themen angesprochen, die zum Alltag von Kindern gehören, wie zum Beispiel Neid oder der Wunsch im Mittelpunkt zu stehen, Schadenfreude und Mitgefühl, das durch Verständnis für die Situation des Anderen entsteht.

Wir lieben die Freiheit

 Comic bei amazon ansehen / bestellenAuch der zweite Band hat mit Tierliebe zu tun. Während die vier Kinder im Zoo sind und die unterschiedlichen Tiere bestaunen, wartet Rocky mit der Großmutter von Rosalie im Park bei dem Zoo auf die Rückkehr der Zoobesucher. Doch während des Wartens wird Rocky unruhig und meint er müsse Tim vielleicht vor der Bedrohung durch wilde Tiere retten. Auf der Suche nach seinem Herrchen trifft er die alte Elefantendame Christy, die schon lange Ausbruchspläne hegt weil sie Heimweh hat. Gerne würde Rocky den Elefanten befreien. Auch die Kinder fragen sich, wie sich die eingesperrten Tiere wohl fühlen mögen. Was bedeutet Freiheit, wer hat einen Anspruch darauf und wie weit geht die Freiheit des Einzelnen?
Nach dem Zoobesuch verhält sich Rocky auf einmal seltsam und mag nicht mehr fressen. Dann ist erst der Hund verschwunden und als nächstes Christy! Rocky wird doch wohl nicht..?!
Ähnlich wie im ersten Band werden hier verschiedene Seiten einer Sache beleuchtet und diskutiert. Sie bieten so eine gute Gesprächsgrundlage für die eigene Auseinandersetzung mit der Frage nach der Freiheit von Mensch und Tier sowie nach ihrer Grenze.
Auch hier überzeugen Wort und Bild durch ihr ergänzendes Wechselspiel. Durch die überschaubare Textmenge, die eingestreuten humorvollen Szenen und die ansprechende Darbietung ist der Band sicher auch für die Leseförderung gut geeignet. Wer sagt denn, dass ein Comic neben dem Lesevergnügen nicht auch pädagogisch wertvoll sein kann?!

Stephan Valentin / Jean-Claude Gibert: Rocky und seine Bande.

Rosalie will ein Haustier, Band 1. Pfefferkorn 2013

Wir lieben die Freiheit, Band 2. Pfefferkorn 2013

Am 18. Februar 2014 soll der dritte Band mit dem Titel „Enzo hat Geburtstag“ erscheinen. Er rückt den den Geburtstag als Feiertag der Geburt eines Menschen in den Mittelpunkt.

Über die Autoren:

Stephan Valentin ist nicht nur Autor, sondern auch Psychologe mit einer kinderpsychologischen Praxis in Paris. Für seine Kurzgeschichte „Der Taubenturm“ wurde er 1999 mit dem Bettina-von-Arnim-Preis ausgezeichnet.
Der Illustrator Jean-Claude Gibert hat schon etliche Kinderbücher illustriert. In Frankreich ist er besonders durch die sehr beliebte Kinderbuchreihe BABAR bekannt.

 

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