Warum das Leben ohne den Tod weniger wert wäre

Autor: S. Benedict-Rux
16. Oktober 2017

Ein weiteres Bilderbuch zum Thema Tod

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Es scheint ein wenig, als würden in unserer Gesellschaft Themen wie Krankheit und Tod gerne weggedrängt. Und wo es früher in Großfamilien üblich war, dass die Generationen eng beieinander lebten und Kinder den Lebenskreislauf von nahem miterlebten, leben Familien heute oft über große Distanzen verstreut und viele alte und kranke Menschen leben fern von ihren Familien in Heimen. Es ist also nicht mehr selbstverständlich, dass Kinder den Alterungsprozess und den Tod in Nachbarschaft und Familie miterleben. Spätestens dann, wenn Familienangehörige krank werden oder sterben entsteht Erklärungs- und Redebedarf.

Bücher eignen sich hier gut als Brücke um ins Gespräch zu kommen und wir haben im Literatur Blog schon einige Bilderbücher zum Thema Tod vorgestellt. Heute kommt ein weiteres dazu, eines das einen fast schon philosophischen Ansatz verfolgt. In „Warum, lieber Tod…?“ wird der Tod zum Erzähler und wandelt sich von einer Schreckensgestalt fast schon zu einer Sympathiefigur.

Leben und Tod als Teile des Ganzen

Die Großmutter der vier Kinder in diesem Bilderbuch liegt im Sterben. Der Tod ist schon gekommen, um sie abzuholen und sitzt mit den Kindern in der Küche. Sie kochen ihm Kaffee und schenken ihm Tasse um Tasse ein, um ihn von seinem Vorhaben abzulenken.

Natürlich durchschaut er die Strategie der Kinder und darum erzählt er ihnen die Geschichte von den zwei Brüdern Leid und Weinen sowie den Schwestern Freude und Lachen. Alle wurden erst wirklich glücklich, als sie einander kennenlernten und damit vollständig wurden. Ja, auch die Schwestern!

„Was wäre das Leben wert, wenn es den Tod nicht gäbe?“

Zuletzt „verstehen“ die Kinder, dass es falsch ist, sich gegen den Tod der Großmutter zu wehren. Sie lassen den Tod zur Großmutter gehen.
Im Laufe der Geschichte wandelt sich der Tod also durch das neue Verständnis von einer Gruselgestalt zu einer mitfühlenden Figur, die anders als im landläufigen Bild, die Seele nicht mitnimmt sondern freilässt.

Die Illustrationen unterstreichen die Aussage des Textes auf eine sehr liebevolle Weise und besonders das Schlussbild vermag mit einer genialen Bildidee ein wenig Wärme und Trost zu vermitteln.

Glenn Ringtved: Warum, lieber Tod…? Aus dem Dänischen von Jürgen Lasssig, mit Illustrationen von Charlotte Pardi. Rößler Verlag 2002

ISBN 9783922681168

Der Titel ist leider vergriffen, doch es lohnt sich in Antiquariaten und Bibliotheken danach Ausschau zu halten.

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Ein Kommentar zu “Warum das Leben ohne den Tod weniger wert wäre

  1. Ludwig sagt:

    Hört sich wirklich super interessant an, nach einer gelungenen Auseinandersetzung mit einer schwierigen Thematik. Habe selber letzten Monat ein Buch von einem Kunstbuchverlag erhalten, in dem es um die Auseinandersetzung Albrecht Dürers mit dem Tod geht…sehr interessant

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