Berührendes Bilderbuch

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Autor: S. Benedict-Rux
11. November 2011

Buch bei amazon ansehen / bestellen Erst wurden Autor und Buch mit der Silbernen Feder des Deutschen Ärtzinnenbundes ausgezeichnet, wenig später wurde Martin Baltscheit auf der Frankfurer Buchmesse für Die Geschichte vom Fuchs, der den Verstand verlor der Deutschen Jugendliteraturpreis 2011 verliehen. Was ist das für ein Buch, das mit doch eher schwierigen Themen wie  dem Älterwerden und Demenz offenbar zu überzeugen vermag?

Die Geschichte erzählt zunächst, wie der kluge, hübsche Fuchs als er noch im Vollbesitz seiner Kräfte war jede Woche die jungen Füchs zu sich einlud, für sie kochte und ihnen seine besten Tricks verriet. Nun ist er alt geworden. Erst ist der alte Fuchs nur ein bisschen vergesslich, doch nach und nach findet er sich immer schlechter in seiner Welt zurecht, vergisst sich vor Hunden in acht zu nehmen, vergisst am Ende das Jagen und schließlich wer oder was er ist. Gänse und Schafe, die ihn einst fürchteten machen sich nun über ihn lustig, der Gänsechor etwa verhöhnt ihn mit einer Umdichtung des Liedes „Fuchs du hast die Gans gestohlen“. Und doch endet das Bilderbuch versöhnlich – denn die jungen Füchse haben nicht vergessen, dass er es war der einst für sie da war und ihnen seine Tricks beigebracht hat. Nun haben sie ein Auge auf ihn und schenken ihm die Geborgenheit die er braucht.

Mit den Illustrationen und der typografischen Gestaltung wird die Geschichte vertieft und geschickt weitererzählt.  So manches bleibt unausgesprochen, ist aber durch die Bilder sofort klar: der alte und vernarbte, ein bisschen verlorene wirkende Fuchs in Bademantel und mit nur einem Hausschuh etwa sagt alles. Mehrfach erzählen die Illustrationen eine kleine Geschichten in der Geschichte. Das auf Außenstehende manchmal befremdlich wirkende Verhalten Demenzkranker wird den jungen Lesern so verständlicher gemacht.  Wenn der Fuchs die Wochentage durcheinanderbringt, so macht der Autor dies auch in der Typografie deutlich. Später im Buch geben beispielsweise die Seitenzahlen auch dem Leser keine verläßliche Orientierung mehr, alles ist aus der Ordnung geraten.

Humor durchzieht das Bilderbuch, sehr leise, sehr dezent und doch immer spürbar. Der kranke Fuchs hört gerne den Erzählungen der jungen Füchse zu. Am liebsten mag er ihren Trick mit dem Strohhalm – derjenige Trick von dem er vergessen hat, dass er ihn ihnen selber beigebracht hat.  Es ist ein sehr liebevoller Blick, den Baltscheit da auf den alten Fuchs wirft und das nimmt der Thematik etwas von der Schwere.

Martin Baltscheit: Die Geschichte vom Fuchs, der den Verstand verlor, Bloomsbury Kinder- und Jugendbücher 2010, ab 4

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