Franz Kafka (125. Geburtstag)

3. Juli 2008, 07:35:15


Franz Kafka wurde am 3.7.1883 in Prag geboren und starb am 3.6. 1924 an Kehlkopftuberkulose in einem Sanatorium in der Nähe von Wien. Der Sohn eines jüdischen Kaufmanns studierte Germanistik und Jura und arbeitete vier Jahre als Angestellter einer Arbeiter-Unfall-Versicherung, bevor er wegen gesundheitlicher Probleme pensioniert wurde.

Kafka ist einer der bedeutendsten Erzähler des 20 Jahrhunderts. Populär wurde er erst nach dem Zweiten Weltkrieg. Seine Literatur ist formal wie inhaltlich einzigartig und keiner literarischen Strömung zuzuordnen - nicht umsonst wurde der Begriff `kafkaesk´ gebildet. Grundthema seines Werkes ist der aussichtlose Kampf des Einzelnen gegen übermächtige Kräfte, der Einbruch des Fremden in die Welt des Individuums. Seine Werke sind geprägt von einer eigentümlichen Atmosphäre - surreal und verstörend könnte man sie nennen. Kafka hat eine neuartige Gleichnis- und Bilderwelt geschaffen, die sich einer eindeutigen Deutung entzieht und auch heute noch eine große Faszination auf viele Leser ausübt.

Zum 125. Geburtstag Kafkas sind eine Reihe von Neuerscheinungen auf den Markt gekommen, u.a. :

Hartmut Binder: Kafkas Welt. Eine Lebenschronik in Bildern, Rowohlt 2008

Eine 687 Seiten starke Bildbiographie mit vielen bislang unveröfftlichten Fotografien zu Kafkas Leben und Werk.

Bildbiographie bei Amazon ansehen / bestellen

Reiner Stach: Kafka. Die Jahre der Erkenntnis, S. Fischer 2008.

Vor sechs Jahren erschien unter dem Titel “Kafka. Die Jahre der Entscheidungen” der vielfach gelobte erste Teil von Reiner Stachs Kafka-Biographie. Der Fortsetzungsband behandelt die Jahre ab 1916 bis zum frühen Tod Kafkas im Jahr 1924 .

Biographie bei Amazon / bestellen

Weitere Informationen auch unter www.franzkafka.de

Musikgeschichte in Geschichten

26. Juni 2008, 10:16:31


Im Hanser Verlag ist im Frühjahr eine Musikgeschichte von Rudolf Herfurtner erschienen, gedacht für Leser ab 10 Jahren. “Geschichten von Bach bis Elvis Presley” heißt ihr Untertitel, der den Leser allerdings ein kleines bißchen in die Irre führt: Herfurtner beginnt in Wirklichkeit und konsequenterweise bei den Mythen über die Entstehung der Musik an. Der Autor beleuchtet wichtige Stationen der Musikgeschichte. Seine Leser erfahren wie man sich das Musizieren im Mittelalter vorstellen muss, hören von Gregorianischen Gesängen, vom Minnesang und Sängerfesten. Er erklärt die neuen Entwicklungen in der Renaissance, dem Barock erzählt von der Erfindung der Oper und geht selbstverständlich auf Musikgrößen wie Händel, Bach, Mozart und Beethoven. Natürlich darf auch die Musik der Romantik, Klassik etc. nicht fehlen. Seine Zeitreise endet mit einem Blick in das musikalische Kaleidoskop des 20. Jahrhunderts.

Man darf sich diese Musikgeschichte nicht als eine trockene Sammlung von Wissen vorstellen. Geschickt wechselt der Autor zwischen essayhaften, locker geschriebenen Passagen, in denen er Hintergründe beleuchtet und geschichtliche wie kulturelle Zusammenhänge herstellt und kleinen Geschichten, die mal von alten Mythen und Märchen, mal erfundene Geschichten von Komponisten, Musikern, ja sogar von einem aufregenden Museumsbesuch erzählen. Diese sind mal spannend, mal anrührend, vereinzelt ein bisschen gruselig und immer unterhaltsam. Damit bewegt sich das Buch an der Grenze zwischen Belletristik und Sachbuch. Gedacht ist es wohl für junge Leser, was sich auch an der Art der Ansprache des Lesers bemerkbar macht. Es ist ein vertraulicher Plauderton, bildreich und bemüht mit wenigen Fachausdrücken auszukommen. Diese werden im übrigen sowohl im Text selber als auch in einem Anhang erklärt.

Und weil man Musik nicht wirklich lesen, sondern nur hören kann, gehört eine CD mit 22 Hörbeispielen (Gesamtspielzeit über 78 Minuten) dazu. Buch und CD sind eng aufeinander bezogen. Die Beispiele beziehen sich auf die angesprochenen musikalischen Entwicklungen oder Werke, ein entsprechender Hinweis im Buch weist jeweils an der richtigen Stelle auf das Hörbeispiel hin. Absolut empfehlenswert!

Rudolf Herfurtner: Ohne Musik ist alles nichts. Geschichten von Bach bis Elvis Presley, Illustration und Gestaltung von Hildegard Müller, Hanser 2008

Buch bei Amazon ansehen / bestellen

Nelly Mann - eine Biografie über das schwarze Schaf der Literaten-Familie

4. April 2008, 19:06:41

Bislang haben die Biografen um Nelly Mann, die zweite Frau der Schriftstellers Heinrich Mann, einen weiten Bogen gemacht. Sie war, bedingt durch ihre Herkunft und ihre Arbeit als Animierdame, das schwarze Schaf der Familie Mann. Thomas Mann nannte sie eine “arge Hur” und auch seine Frau Katia hatte kaum gute Wort für sie übrig. Durch ihre Arbeit an der Biografie Katia Manns, hat die Publizistin Kirsten Jüngling Interesse an dem Leben dieser unglücklichen Frau gewonnen, die 1944 den Freitod suchte. In ihrer Biografie versucht sie aus den wenigen überlieferten Fakten ihr Leben nachzuzeichnen.

Am 15. Februar 1898 wird Nelly unter dem Namen Emmy Johanna Westphal als uneheliche Tochter einer Dienstmagd in Ahrensbök in Holstein geboren. Der Vater ist unbekannt. Einige Jahre später heiratet die Mutter den Niendorfer Fischer Nicolaus Heinrich Kröger. Nelly wird nach Erreichen der Volljährigkeit seinen Namen annehmen. Die junge Frau geht nach Berlin, wo eine frühe Ehe mit Werner Schmidt nach kurzer Zeit scheitert. Mit 25 verdient sie ihren Lebensunterhalt als Animierdame in den Bars rund um den Kurfürstendamm. Dort traf sie einige Jahre später den in erster Ehe verheirateten Heinrich Mann, der dieses Milieu sehr reizvoll fand. Es gibt Indizien dafür, dass sie sich im Juni 1929 als Paar empfanden, aber erst 1932, Heinrich Mann war mehr als zwei Jahre geschieden, zogen sie zusammen. Sie folgt ihm ins Exil, erst nach Südfrankreich, wo sie 1939 heiraten, später nach Amerika. Schon in Frankreich nimmt ihr Alkohol- und Medikamentenkonsum zu: Nelly fühlt sich von Heinrich ungerecht behandelt. Zudem wird sie von vielen Emigranten ausgelacht, mit Häme übergossen. Mit der Flucht in die USA wird alles noch schlimmer, zumal die wirtschaftlichen Probleme zunehmen…

Kirsten Jünglings Biografie hat, auch wenn sie auf rekonstruierbaren Fakten beruht, stellenweise etwas von einem Roman - da wo sie das Umfeld und das Zeitgeschehen schildert, um die Buchstaben zum Leben zu erwecken. Sie zeichnet Nelly Mann nicht einfach als ordinäre Person und Trinkerin, sondern als eine unglückliche Frau, die nach Anerkennung und Liebe sucht und sie nicht in ausreichendem Maße erhält. Sie unterstützt Heinrich Mann nach Kräften und erhält doch lange kaum Dank von ihm dafür. Die Familie Mann akzeptiert sie nicht, die Emigranten machen sich über sie lustig. Mehr und mehr flüchtet sich Nelly Mann in Alkoholsucht und Medikamentenmißbrauch. Sie schämt sich dafür, versucht trotz allem ihre Würde zu bewahren. Lange braucht Heinrich Mann um zu verstehen, wie viel sie ihm bedeutet und um sich für sie einzusetzen. Als er es erkannt hat, sind die Weichen wohl schon längst gestellt: das Paar hat im amerikanischen Exil mit allerlei Schwierigkeiten zu kämpfen und ist vom jüngeren und viel erfolgreicheren Bruder Thomas abhängig. Mit ihrem Buch legt die Publizistin eine lang fällige, angenehm geschriebene und teils spannende Biografie über das schwarze Schaf der Familie Mann vor.

Kirsten Jüngling: >>Ich bin doch nicht nur schlecht<<. Nelly Mann. Die Biografie, Propyläen 2008

Biografie bei Amazon ansehen / bestellen

Heimische Vögel im Malbuch

20. März 2008, 19:22:56

Eine gute Möglichkeit, spielerisch etwas über einige Vögel unserer heimischen Vogelwelt zu lernen, bietet das Malbuch Heimische Vögel aus dem Coppenrath Verlag. Neun heimische Vogelarten aus verschiedenen Lebensräumen sind in diesem kleinen Buch vetreten: Singvögel, Wasservögel, Raubvögel und Vögel, die in Wald und Feld leben. Jeder Vogelart ist eine Doppelseite gewidmet, die eine farbige Vorlage, ein Ausmalbild und einige Informationen über Lebensweise und Besonderheiten enthält. In einem kleinen Quiz können die Kinder ihr neu erworbenes Wissen testen. Eine schöne Idee die bei vielen Kindern sicher gut ankommt, ist auch der Stickerbogen mit allen vorgestellten Vögeln.

In der Reihe SCHAUEN, MALEN, LERNEN gibt es nocht weitere Malbücher zu anderen Themen: Tierkinder, Bauernhoftiere und - der Traum vieler Mädchen - Pferde und Ponys.

SCHAUEN, MALEN, LERNEN: Heimische Vögel, Illustrationen von Sonia Schadwinkel, Text von Britta Drehsen, Coppenrath Verlag 2008,  ab 6

Malbuch bei Amazon ansehen / bestellen

Dieter Nuhr - intelligente Komik zwischen Buchdeckeln

13. Dezember 2007, 19:35:07

Nach “Gibt es intelligentes Leben?” ist diesen Herbst ist ein weiteres Buch von Dieter Nuhr erschienen: “Wer´s glaubt, wird selig” ist der Titel. Aufhänger für die Gedanken des Kabarettisten und Komikers ist die Frage, was und warum der Mensch glaubt. Das Thema fasst er weit - gemeint sind nicht nur die diversen Religionen, sondern auch Ideologien, Aberglauben, Verschwörungstheorien, das Leben im allgemeinen und im besonderen. Frech, respektlos und geistvoll wie gewohnt nimmt sich Dieter Nuhr die Spezies Mensch vor und lässt dabei nichts und niemanden aus… Zahlreiche Fotos aus den verschiedensten Ecken der Welt sind in den Text eingestreut. Ihr Bezug zum Geschriebenen ist nicht immer sofort ersichtlich, aber da die Bildunterschrift oft für einen weiteren Lacher gut ist, stört man sich nicht daran. Wer `Philosophie´ à la Nuhr mag wird bei diesem Buch auf seine Kosten kommen, solange er sich darüber im Klaren ist, dass auch ein Buch von Nuhr niemals so gut sein kann wie Nuhr selbst.

Dieter Nuhr: Wer´s glaubt, wird selig. Rowohlt Taschenbuch Verlag 2007

Taschenbuch bei Amazon ansehen/bestellen

Herzogin Anna Amalia Bibliothek wird wiedereröffnet

23. Oktober 2007, 18:28:51

Morgen wird die bei einem Brand am 2. September 2004 stark beschädigte Herzogin Anna Amalia Bibliothek wiedereröffnet. Bei dem Brand vor 3 Jahren sind etwa 50 000 kostbare Bücher und Manuskripte durch Feuer und Löschwasser endgültig zerstört worden. Etwa 16 000 Bände sind seitdem restauriert worden, etliche warten noch auch ihre meist aufwendige Einzelrestaurierung. Die Experten hoffen bis zum Jahre 2015 mit der Restaurierung der Buchschäden fertig zu sein.

Die herzogliche Sammlung wurde 1691 gegründet. Unter der Regentschaft der Namenspatronin Anna Amalia (1739-1807) wandelte sich Weimar zum Zentrum der Goethezeit.  Es gelang ihr, herausragende Geistesgrößen wie Goethe (von 1797 bis 1832 Bibliotheksleiter der Herzogin Anna Amalia Bibliothek), Wieland, Herder und Schiller an ihren Hof zu ziehen. Die Bibliothek stand Lesern aller Schichten offen und zählte seinerzeit etwa 400 eingetragene Nutzer.

Herzogin Anna Amalia war eine für ihre Zeit außergewöhnliche Frau. Sie war belesen, sprach Altgriechisch und Italienisch, was mit ihrem Interesse an der Antike zusammenhing. Bücher konsumierte sie nicht einfach, sie fertigte Exzerpte an und übersetzte Schriften. Wenig bekannt ist, dass sie sogar komponierte.

Die Herzogin Anna Amalia Bibliothek gehört zum klassischen Weltkulturerbe und ist die wichtigste Bibliothek der deutschen Literatur zwischen 1750 und 1850.

Buchtipps:

Annette Seemann: Anna Amalia. Herzogin von Weimar, Insel 2007

Buch bei Amazon ansehen/bestellen

Annette Seemann: Die Geschichte der Herzogin Anna Amalia Bibliothek, Insel Bücherei 2007

Buch bei Amazon ansehen/ bestellen

Wohin Du auch gehst: Liebe unter schwierigen Bedingungen

29. September 2007, 15:18:26

In “Wohin Du auch gehst” erzählt der Journalist Benjamin Prüfer eine wahre Geschichte - die Geschichte, wie er seine Frau kennen und lieben lernte und mit welchen Schwierigkeiten ihn diese Liebe  konfrontiert.

In seinem Urlaub lernt Benjamin Prüfer in Kambodscha Sreykeo kennen. Die beiden verlieben sich ineinander und verleben einige Wochen eine sehr intensive Zeit miteinander. Doch irgendwann neigt auch der längst Urlaub sich dem Ende, Benjamin muss nach Deutschland zurück. Sreykeo erhofft sich, dass er sie heiraten wird, doch heiraten wollte er eigentlich noch lange nicht. Er verspricht sie zu unterstützen, mit ihr Kontakt zu bleiben und fliegt nach Hause. Das hat sie von Männern schon oft gehört und so bleibt sie wohl ohne Hoffnung zurück. Doch Benjamin meldet sich bei ihr, schickt Geld, kommt immer wieder nach Kambodscha.

Wie viele Mädchen in Kambodscha arbeitet Sreykeo als Prostituierte, um für den Lebensunterhalt sorgen. Viele der Mädchen, so auch Sreykeos Schwester, leiden an Aids. Um sich vor HIV zu schützen benützt Sreykeo Kondome. Doch als sie immer wieder unter Infektionen leidet, bringen Untersuchungen zutage, dass sie sich mit HIV infiziert hat.

 ”Ein Mensch. Man hält seine Hand. Man kennt jeden Kratzer, jede Falte an ihr. Und doch hat sich alles verändert, es ist nicht mehr dieselbe Hand. Ab jetzt ist man nicht mehr zu zweit, nie mehr allein, es ist noch ein Dritter im Bunde, den man nicht ignorieren darf.”

Ihre junge Liebe - ohnehin schon durch Zweifel und Mißtrauen bedroht - wird auf eine harte Probe gestellt. Benjamin Prüfer ist hin und hergerissen, kann sich zunächst das `perspektivlose Leben´ mit einer HIV-Kranken nicht vorstellen und entscheidet sich letztlich doch für sie…

Vielfach hat man das Gefühl, dass die tödliche Immunschwäche Aids nur noch zu bestimmten Anlässen thematisiert wird. Wer dieser Tage die Nachrichten verfolgt hat, hat möglicherweise die aktuellen Zahlen gelesen, die anlässlich der Geberkonferenz zur Finanzierung des Globalen Fonds zur Bekämpfung von Aids und anderen Infektionskrankheiten bekannt gegeben wurden. Doch die Problematik bleibt in den Nachrichten abstrakt, bleibt uns fern. Prüfer bringt sie seinen Lesern näher, denn er lässt sie ungeschönt an der Realität teilhaben:  an den Problemen und seinen inneren Kämpfen ebenso, wie an der Erleichterung, wenn die Therapie trotz aller Schwierigkeiten nicht nur organisiert ist, sondern anschlägt und eine Atempause verschafft. Bei aller Offenheit wird er dabei nie larmoyant.

“Wohin Du auch gehst” ist die Geschichte zweier Menschen die die Herausforderung annehmen, trotz HIV und großer kultureller Unterschiede miteinander zu leben und Verantwortung zu übernehmen. Benjamin Prüfer erzählt sie auf eine solche Weise, dass sie trotz der ernsthaften Thematik ihre Leser nicht erdrückt - ergreifend und beeindruckend.

Benjamin Prüfer: Wohin Du auch gehst. Die Geschichte einer fast unmöglichen Liebe. Scherz Verlag 2007

Buch bei Amazon ansehen/bestellen

Ratgeber: Informationen schneller aufnehmen und verarbeiten

31. Mai 2007, 18:44:58

Der hier vorgestellte Ratgeber von Christian Grüning richtet sich vor allem an alle, die vor der Aufgabe stehen, ständig aus der Informationsflut die für sie relevanten Informationen heraus zu filtern und zu verarbeiten, um den an sie gestellten Anfroderungen gerecht werden zu können. Angesprochen dürfte sich also neben Studenten auch die ständig wachsende Zahl derjenigen fühlen, für die Weiterbildung und “lebenslanges Lernen” selbstverständlich sind.

Der Autor ist der Ansicht, dass die Diskrepanz zwischen der bei den meisten Lesern langsamen Lesegeschwindigkeit und der schnellen Informationsverarbeitung des Gehirns zu leichter Ablenkbarkeit führt. Die Folge sind mangelnde Konzentration, schlechtes Textverständnis und eine geringere Erinnerung an die Textinhalte. Ausgehend von dieser These versucht Christian Grüning mit seinem Übungsprogramm zunächst zu einer höheren Lesegeschwindigkeit anzuleiten. Es geht dem Autor dabei um eine effektive Lesetechnik die, wie der Name schon sagt, den visuellen Teil des Lesens stärkt, um seine Vorteile nutzen zu können. Flankierend führt er zusätzlich Lerntechniken ein, die die Aufnahme und Verarbeitung der Textinhalte erleichtern und die Gedächtnisleistung verbessern sollen.

Der Ratgeber ist verständlich und angenehm geschrieben, die Übungen anschaulich erklärt und gut durchzuführen. Die Selbstkontrolle ist allerdings nicht immer so objektiv wie es scheint, ist das Ergebnis bei den Aufgaben zum Textverständnis von den möglicherweise zufällig vorhandenen Vorkenntnissen und der eigenen Wertung abhängig. Da es hier aber mehr um Tendenzen geht, ist das vielleicht aber auch zu vernachlässigen.

Fazit: Die von Christian Grüning beschriebenen Lese- und Lerntechniken sind zur Erarbeitung unterschiedlichster Fachliteratur sicherlich hilfreich. Weiter Faktoren wie die positiven Wirkungen körperlicher Bewegung und ausgewogener Ernährung (Stichwort Brainfood) etc. werden ebenfalls kurz angesprochen. Auf Romane und andere belletristische Literatur möchte ich den größten Teil seiner Lesetechniken allerdings nicht so gerne angewendet sehen, kommt es hier ja nicht nur auf den Inhalt im Sinne der reinen Handlung an - die vom Autor vorgesehene Reihenfolge der Wörter hat oft ihren eigenen Wert und Sinn…  

Christian Grüning: Visual Reading® . Garantiert schneller lesen und mehr verstehen, Verlag Grüning 2007

Vorlesen - mehr als nur Leseförderung

5. April 2007, 13:26:02

Vorlesen fördert die seelische und geistige Entwicklung von Kindern, erleichtert das lesen lernen, bietet Möglichkeiten, Handlungsmodelle für den Alltag durchzuspielen und fördert damit auch soziale Kompetenzen. Diese Erkenntnisse sind nicht brandneu, werden aber oft mit einem allzu großen pädagogischen Zeigefinder vorgetragen und unterschlagen wichtige Aspekte, nämlich die Lust am lesen und ja - die Freude am vorlesen.

Am Beispiel von acht Kinderbüchern gibt Susanne Held Hinweise, wie vorlesen nicht nur zu einer fördernden, sondern auch zu einer unterhaltsamen, spannenden und mitunter witzigen Angelegenheit werden kann. Die Auswahl, darauf weist die Autorin selber hin, ist natürlich subjektiv geprägt und kann je nach Neigung und den Besonderheiten der Kinder anders ausfallen.

Was diesen Ratgeber von anderen unterscheidet ist zum einen, dass hier nicht einfach eine Art Lesekanon mit pädagogisch wertvollen Kinderbüchern aufgestellt wird - das andere ist der deutlich hervorgehobene Aspekt der Freude am vorlesen und dabei wiederum den Gewinn für beide Seiten. Die Autorin ist sich dessen bewusst, dass insbesondere Eltern sich vor dem zusätzlichen Zeitaufwand scheuen mögen und plädiert dafür, Vorlesezeiten als gemeinsame Inseln anzusehen und nicht als weiteren Pflichtpunkt im Erziehungs- und Bildungsprogramm ihrer Kinder. Ausdrücklich wendet sich ihr Appell nicht nur an die Eltern, sondern auch an Großeltern, Paten und andere Erwachsene, die engen Kontakt zu Kindern haben. Vorlesen ist mehr als nur frühkindliche Leseförderung und Bildungsvorsprung für die Schule. Vorlesen macht Spaß, ist ein gemeinsames, Nähe stiftendes Abenteuer - und, wenn die Kinder irgendwann groß sind, eine Quelle schöner gemeinsamer Erinnerungen.

Susanne Held: Vorlesen oder die Kunst, Bücher in Kinderherzen zu schmuggeln, Klett- Cotta 2006 ( Reihe `Kinder fordern uns heraus´)