Deutscher Krimipreis 2010

17. Januar 2010, 21:21:33

Der deutsche Krimipreis ist der älteste deutsche Krimipreis und wird seit 1985 vergeben. Ausgezeichnet werden Kriminalromane, die “inhaltlich originell und literarisch gekonnt dem Genre neue Impulse verleihen”. Folgende Krimis hat die Jury aus Kritikern, Literaturwisschenschaftlern und Buchhändlern ausgezeichnet… (Weiterlesen »)

Europäischer Krimipreis für Henning Mankell

1. März 2009, 16:07:17

Henning Mankell ist Träger des ersten  Europäischen Preises für Kriminalliteratur, dem “Ripper Award”. Der schwedische Krimiautor erhält den mit 11 111 Euro dotierten Preis am 2. März in Unna. Etwa 10.000 Krimileser hatten den Schriftsteller auf dem Krimifestival “Mord am Hellweg” zu ihrem Favoriten gekürt. Der Europäische Krimipreis soll in Zukunft alle zwei Jahre verliehen werden.

Literarische Notizen aus dem Januar

2. Februar 2009, 18:12:13

Peter-Huchel-Preis 2009

Mit dem Peter-Huchel-Preis für deutschsprachige Lyrik wird dieses Jahr Gerhard Falkner ausgezeichnet. Hölderlin Reparatur heißt der Lyrikband, der nach Ansicht der Jury “die Möglichkeiten sublimen Sprechens in einer Zeit beschädigter Sprachwelten” erkundet. Der mit 10.000 Euro dotierte Preis wird Falkner am 3. April, dem Geburtstag Peter Huchels, verliehen. (Weiterlesen »)

Krimi: Schrei nach Stille

5. Dezember 2008, 19:40:44


Anne Chaplets Krimi Schrei nach Stille schildert das Scheitern eines Experiments im Sommer 1968

Sturm in Klein-Roda. Paul Bremer wird gebeten,  bei der vor einem Jahr zugezogenen Sophie Winter nach dem Rechten zu sehen, da die Nachbarin klirrende Geräusche gehört hat und nicht selber nachsehen will. Tatsächlich findet Bremer Frau Winter eingeklemmt zwischen umgestürzten Bäumen. Er holt einen Arzt und kümmert sich um die alleinstehende Frau. Dabei macht er einige Beobachtungen, die ihn irritieren. Er beginnt Nachforschungen anzustellen, befragt seine Nachbarn und bekommt einiges zu hören, das sein Bild von seinen Mitmenschen und der scheinbaren dörflichen Idylle erschüttert.

Sophie Winter ist Autorin und hat mit ihrem Buch Summer of Love einen Bestseller mit autobiographischen Zügen geschrieben. Nach fast vierzig Jahren ist sie in das Haus zurückgekehrt, in welchem sie 1968 mit einem Mann und einer Frau zusammenlebte. Das Trio war im Ort nicht gerne gesehen, die Dorfbewohner versuchten die Hippies loszuwerden, in dem sie nicht nur schnitten, sondern massiv gegen sie vorgingen. Auch auf die Hilfe der Dorfpolizei konnten die Blumenkinder nicht zählen – im Gegenteil. Sophie Winters Rückkehr als erfolgreiche Autorin ist, wie ihr Buch, Teil ihrer Rache am Dorf. In ihrem Bestseller schildert sie Intoleranz, Hass und Polizeiwillkür, lässt die Dorfbewohner eine der jungen Frauen aus einer kleinen Hippie-Kommune zu Tode hetzen. Was ist Wahrheit, was Fiktion?

Offenbar haben einige im Ort das einstige Blumenkind wiederkannt, man legt ihr halbverweste Eichhörnchen ins Haus, bedroht sie in Telefonanrufen, legt ihr Telefon lahm. Aber das Dorf ist auch aus anderen Gründen in Unruhe. Luca, ein zwölfjähriger hübscher Junge ist seit einigen Tagen spurlos verschwunden und man erinnert sich an frühere Fälle in der Gegend, in denen Kinder mißbraucht und getötet wurden.

Neben Paul Bremer ermittelt auch Kriminalhauptkomissar Giorgio DeLange. Er ist alleinerziehender Vater zweier Teenager und bei der Verfilmung von Summer of Love als Berater am Filmset im alten Polizeipräsidium in Frankfurt.  Eine der Hauptdarstellerinnen überredet ihn das Buch zu lesen. Lange weiß er nicht, was ihm daran so bekannt vorkommt, aber dann erinnert er sich an einen Fall, der in einem Seminar behandelt wurde. Es ging um eine spurlos verschwundene, außergewöhnlich schöne Frau aus einer Hippie-Kommune in einem hessischen Dorf.  DeLange fordert unter falschem Vorwand die Akte an und beginnt damit sich mit der alten Geschichte auseinanderzusetzen…

In verschiedenen, sich bisweilen kreuzenden Motivsträngen nähert man sich allmählich der Lösung. Zunächst aber zeigt Anne Chaplet wie gut sie es vermag, mit Worten eine bestimmte Stimmung aufzubauen. Sie macht die Abwehr der Dorfbewohner gegen alle Fremden genauso greifbar, wie die beklemmende Verunsicherung, die Sophie Winter zunehmend befällt. Die Krimiautorin gewährt in ihrem bis zuletzt spannenden Roman tiefe Einblick in die Gefühls- und Gedankenwelt ihrer Hauptfiguren, was dem Buch große Tiefe verleiht. Kenner früherer Krimis von Anne Chaplet treffen neben Paul Bremer auch weitere alte Bekannte wieder, wie zum Beispiel Bremers Freundin Karen Stark und den pensionierten Kriminalhauptkommissar Gregor Kosinski.

Ein niveauvoller Kriminalroman, der auch ohne Blutbäder Spannung bis zur letzten Seite bietet!

Anne Chaplet: Schrei nach Stille. Kriminalroman, List 2008

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Krimi mit Mystery-Komponente

7. November 2008, 10:26:18


Grauenvolle Funde machen der Polizei in Schleswig-Holstein zu schaffen: ein Serienmörder foltert junge Mädchen zu Tode, in den Rücken der Opfer brennt er eine Widmung ein: “Für Luisa, in Liebe.” Gemeint ist damit die Fotojournalistin Luisa Miller, die der Mörder zusätzlich in Telefonanrufen bedroht. Es gibt kaum Spuren, zunächst auch keine verwertbare DNA. Dafür aber eine seit 8 Jahren ungeklärte Mordserie in Leipzig, die den Schluß nahelegt, dass es sich um denselben Täter handelt.

Luisas Lebensgefährte Kurt lässt sie mehr oder minder mit ihren Problemen allein, ihre Kollegen von der Presse stürzen sich auf sie, die Polizei hält sie  für verdächtig und auch viele Dorfbewohner machen sie mindestens indirekt für den Tod der Mädchen verantwortlich. Da klingelt ein Mann an der Tür, der unweit von ihrer Kate eine Reifenpanne hat und darum bittet, ihr Telefon benutzen zu dürfen. Sie verliebt sich in den Fremden, von dem sich bald herausstellt, dass es der bekannte Dirigent Morten Vanderberg ist. Vor einigen Jahren wurde er verwirrt und mit Gedächtnisverlust auf einem Friedhof im Elsass aufgefunden und in eine psychiatrische Klinik gebracht. In seiner Wohnung hängt ein Frauenporträt aus dem 17. Jahrhundert, welches eine überraschende Ähnlichkeit mit Luisa aufweist – Isabella de Ferrera. Für Augenblicke verwechselt er Luisa manchmal mit ihr und sein Geständnis, die Reifenpanne vorgetäuscht zu haben um sie kennenzulernen, nährt Zweifel… Doch das Spiel geht weiter und bald scheinen alle Menschen aus Luisas naher Umgebung verdächtig. Wem kann sie noch vertrauen?

Stefanie Baumm baut zum Teil auf gängigen Krimi-Motiven auf, die sie mit einer Liebesgeschichte verquickt. Hier begibt sie sich in gefährliche Nähe zu trivialen Liebesromanen. Das Motiv der unsterblichen Liebe, verbunden mit dem Reinkarnationsgedanken, ist sicher nicht jedermanns Sache. Die Autorin legt zahlreiche falsche Fährten, doch recht früh drängt sich ein Verdacht auf, der sich bestätigen wird. Da aber genug Verdächtige und Unklarheiten bleiben, bleibt die Spannung bis zum Ende erhalten. Ihr Stil ist oft knapp, manchmal atemlos, gekennzeichnet von einer Neigung zu kurzen, aneinander gereihten Sätzen und einer Reduktion auf das Wesentliche. Die Mißhandlung der Opfer spart sie nahezu aus und überlässt es dem Leser, wie und wieweit er seine Phantasie gehen lassen will. Die Gedanken der sterbenden Mädchen werden ästhetisch überhöht dargestellt. Leser denen blutrünstige Krimis nicht liegen, werden dies mit Wohlwollen feststellen.

Fazit: Trotz einiger Schwächen hat dieser Krimi etwas fesselndes und treibt den Leser in Erwartung der Auflösung durch das Buch.

Steffanie Baumm: Unsterblich wie der Tod. Kriminalroman. Knaur Taschenbuch 2008

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Von Stefanie Baumm ist ein weiterer Krimi mit dem Kieler Ermittlerduo ist bei Droemer Knaur als Hardcover erschienen: Der Tod wartet nicht .

Wie durch ein dunkles Glas (Donna Leon)

12. September 2008, 12:30:36


Comissario Brunettis fünfzehnter Fall ist vergangenes Jahr als Hardcover erschienen und soll in Kürze als Taschenbuch auf den Markt kommen.

Ein Freund von Inspektor Vianello ist bei einer Demonstration festgenommen worden. Vianello bittet  Comissario Brunetti darum sich zu erkundigen, was vorgefallen ist und was dem Umweltschützer Marco Ribetti vorgeworfen wird. Als der Comissario und Vianello deswegen nach Mestre fahren, machen sie dort Bekanntschaft mit Ribettis cholerischen Schwiegervater Giovanni De Cal, der eine Glasmanufaktur auf Murano hat. Angesichts seines Schwiegersohnes bricht er in wüste Beschimpfungen aus…

Kurze Zeit später bittet De Cals Tochter Brunetti um Hilfe. Ihr Vater soll laut Aussage einiger Arbeiter Morddrohungen gegen seinen Schwiegersohn ausgesprochen haben. Einer der Zeugen ist der Nachtwächter Tassini, welcher die Umweltverschmutzung durch die Industrie für die Behinderung seiner Tochter verantwortlich macht. Er behauptet Beweise dafür zu haben. Anfangs ermittelt Brunetti noch auf eigene Faust, aber eines morgens liegt der Nachtwächter tot vor einem glühenden Ofen. War es ein Unfall? Ist der Nachtwächter Opfer eines Familienstreits oder hatte er wirklich Beweise? Die Hitze hat kaum verwertbare Spuren übrig gelassen und so hat der Comissario wenig in der Hand. Im Besitz des Toten befand sich allerdings ein mit ungewöhnlichen Randbemerkungen versehenen Exemplar von Dantes Inferno und ein paar Blätter mit rätselhaften Notizen…

In Donna Leons Krimiserie war in der Vergangenheit schon häufiger eine Verschiebung der Handlung, weg von der eigentlichen Krimihandlung und hin zu den Charakteren der Serie, zu beobachten. Dies muss durchaus nicht negativ sein, hat die Autorin doch eine ganze Reihe sehr unterschiedlicher und liebenswerter Figuren rund um den venezianischen Comissario entwickelt. Und so ist in diesem Band die Hälfte des Buches mit Bootsfahrten, Plaudereien, gutem Essen etc. vergangen, bevor es einen Toten und damit einen Kriminalfall gibt. Aber in diesem Brunetti-Roman will auch an dieser Stelle der Funke oft nicht so recht überspringen. Die Figuren wirken eher wie Schatten ihrer selbst, zu oft vermisst man das, was ihr Wesen und ihr Verhältnis zueinander ausmacht. Nicht zuletzt auch dadurch ist Wie durch ein dunkles Glas einer der schwächeren Brunetti-Krimis.

Donna Leon: Wie durch ein dunkles Glas. Comissario Brunettis fünfzehnter Fall. Roman, Aus dem Amerikanischen von Christa E. Seibicke, Diogenes 2007

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Krimi: Die Schwester im Jenseits (Andree Hesse)

8. August 2008, 12:37:04

Neujahr 2006. Hauptkomissar Arno Hennings ist von seinem missglückten `Familienbesuch´ in Danzig noch gar nicht wieder richtig in Celle angekommen, als ihn seine Arbeit einholt. Schon auf dem Bahnhof erwartet ihn sein Kollege Karsten Müller: Ein junger Kurde ist erschossen worden – mit einem Gewehr, wie es bis Ende der Neunziger bei der Bundeswehr verwendet wurde. Sein Name ist Mehmet Duman, verurteilt wegen Rauschgifthandels und gerade erst aus dem Gefängnis entlassen. Im Wagen am Tatort findet die Polizei Ecstasy und Marihuana. Auf den ersten Blick führen die Spuren ins Drogenmilieu, doch am nächsten Tag findet eine Massenschlägerei zwischen yezidischen Kurden und Neonazis statt, bei der ausgerechnet der `Jenseitsbruder´ des Mordopfers, Dosto Yavsan, fast tot geschlagen wird. Zufall? Die Ermittlungen erweisen sich als schwierig, denn hier wie dort sind die Befragten wenig auskunftsfreudig. Auch die Angehörigen halten sich eher bedeckt und die Schwester des Toten fasziniert wie irritiert den frustrierten Hauptkommissar. Wenig später wird ein angesehener Arzt vermisst, Dr. El Tahir, der Vater von Mehmets früherer Freundin Layla. Layla war drogenabhängig und hatte nach einem Entzug Selbstmord begangen. Hat El Tahir vielleicht etwas mit dem Mord an Mehmet zu tun?

“Am Anfang war der Tod nur ein Wort”

Anders als die Kommissare ahnt der Leser von Anfang an, dass die Geschehnisse auch mit weit zurückliegenden Ereignissen zusammenhängen. Parallel zu den Ermittlungen schildert Andree Hesse die Erlebnisse eines yezidischen Mädchens im Irak. Er beginnt mit einem Giftgasangriff auf ihr Dorf im Jahr 1987. Nach dem Angriff muss die zehnjährige Nasira mit ansehen, wie ihre Mutter von irakischen Soldaten erschossen wird. Mit den übrig gebliebenen Dorfbewohnern und ihrer kleinen Schwester flieht sie über die Berge, um in die Türkei zu gelangen. Fast zwanzig Jahre später ist für sie der Zeitpunkt gekommen, Rache für das Erlittene zu nehmen…

Dem dritten Krimi um Arno Hennings liegt eine interessante Geschichte zugrunde, die der Autor spannend und mit glaubwürdig wirkenden Figuren erzählt. So unterbricht er beispielsweise die Handlungsstränge der verschiedenen Erzählebenen gerne an ereignisreichen Stellen und treibt so den Leser nach vorne. Hauptkommissar Hennings wirkt mit seinen Alltagssorgen sehr sympathisch und menschlich. Leser des ersten Krimis (Der Judaslohn) können sich auf ein Wiedersehen mit Emma Fuller von der britischen Militärpolizei freuen. Die Schwester im Jenseits ist ein spannungsreicher Krimi, der seine Leser unterhaltsam in eine uns weitgehend unbekannte Welt entführt.

Andree Hesse: Die Schwester im Jenseits. Roman, Wunderlich 2008

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Wolfgang Kaes: Das Feuermal

21. Juli 2008, 12:49:22


Das Feuermal ist der vierte Roman in der Josef-Morian-Reihe. Kriminalhauptkomissar Morian fliegt zu Beginn des Thrillers in den wohlverdienten Urlaub und so ist seine Kollegin Antonia Dix zunächst auf sich alleine gestellt, als sich zwei äußerst auffällige Morde ereignen.

Die Handlung setzt mit einem klassischen Mord ein: Klaus-Hinrich Pelzer, ein Journalist der seine beste Zeit schon lange hinter sich hat, wird von seinem Auftraggeber bei der Übergabe des Recherche-Materials erschossen. Schnell wird klar: Der Täter, ein Mann mit einem auffälligen Feuermal, ist hochintelligent und eiskalt. Bald geschieht ein weiterer Mord. Ein dem Tod geweihter Patient wird in einem Krankenhaus mit Schlangengift ermordet. Wer hat ein Interesse daran, den Mann, der ohnehin noch höchstens zwei Wochen zu Leben hatte zu töten? Und wer bezahlt eigentlich die Rechnung für die Privatpatientenbehandlung, die das Opfer, ein einfacher Knecht, erhalten hat?

Zur gleichen Zeit erhält Max Maifeldt, Privatdetektiv und enger Freund von Morian, den Auftrag ein unbekanntes gestohlenes Dali-Gemälde wiederzubeschaffen und die Liste seiner Vorbesitzer zu ermitteln. Der Auftraggeber verhält sich allerdings höchst sonderbar und reizt Neugier des Detektivs damit um so mehr. Spätestens als sich herausstellt, dass der ermordete Journalist beauftragt worden war, Informationen über Maifeldt zusammenzustellen ist klar, dass der Mann mit dem Feuermal einen perfiden Plan verfolgt. Ist Max nur die Schachfigur in einem grausamen Spiel?

Neben dem Mann mit dem Feuermal steht Max Maifeldt im Zentrum dieses Thrillers, denn die Morde stehen alle im Zusammenhang mit dessen Familie. Der psychopathische Täter versucht Max als Komplizen für seine groß angelegte Rache zu mißbrauchen und er macht keinen Hehl daraus, dass er ihn bestrafen wird, wenn er nicht mitspielt…

Der Spannungbogen wird durch das ganze Buch auf hohem Niveau gehalten – der zu erwartende Showdown fällt relativ gemäßigt aus, lässt aber keine Fragen offen. Besonders erfreulich ist, dass es Kaes gelingt, auch ohne blutrünstige Bilder und übermäßige Brutalität Spannung zu erzeugen. Die Charaktere sind glaubwürdig erzählt, ihre Handlungen nachvollziehbar. Dem Autor ist es gelungen, eine Reihe sehr unterschiedlicher Sympathieträger zu schaffen, in die man sich hineinversetzen kann. Positiv fällt auch der Einbezug kultureller und historischer Hintergründe auf, sowie kleine Verbindungen zur Realität des Lesers, die die Glaubwürdigkeit des Geschehens suggerieren.

Fazit: Ein Thriller mit hohem Unterhaltungswert und sympathischem Personal!

Wolfgang Kaes: Das Feuermal. Thriller, Rowohlt Taschenbuch Verlag 2008

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Bisher in der Reihe erschienen: Todfreunde (2004), Die Kette (2005), Herbstjagd (2006), Das Feuermal (2008).

Eine Agentenstory als Graphic Novel

2. Juni 2008, 18:58:37


Isabel Kreitz ist wohl die bekannteste Comic-Zeichnerin Deutschlands. 1997 wurde sie mit dem Deutschen Comic-Preis ausgezeichnet. Neben eigenen Storys zeichnet sie auch Comic-Adaptionen wie zum Beispiel Erich Kästners “Der 35. Mai” und “Die Entdeckung der Currywurst” nach dem Roman von Uwe Timm. “Die Sache mit Sorge” spielt zwischen Mai und Oktober 1941, den letzten fünf Monaten im Leben des deutschen Journalisten und Spions Dr. Richard Sorge.

1941 reist die Cembalo-Spielerin Eta Harich-Schneider nach Tokio und wohnt im Hause des deutschen Botschafters Eugen Ott. Sie lernt dort Richard Sorge kennen, der regelmäßig im Hause verkehrt. Zwischen den beiden entbrennt eine Affäre. Schon bald gesteht Sorge ihr seine Spionagetätigkeit für die Sowjetunion. Doch dort hört man nicht auf ihn, als er vor einem geplanten Überfall der Wehrmacht auf die Sowjetunion warnt. Denn Stalin glaubt weiterhin an den Nichtangriffspakt mit Deutschland…

Isabel Kreitz nähert sich der Figur Richard Sorge von mehreren Seiten. Neben seiner Spionagetätigkeit zeigt sie den Menschen Sorge, der an der Einsamkeit seines Berufs zerbricht, der Alkoholsucht verfällt und zuletzt leichtsinnig seine Sicherheit und die seiner Mitarbeiter im Sorge-Ring auf´s Spiel setzt. Nebenbei schildert sie das realitätsfremde Leben der nationalsozialistischen deutschen Gemeinde in Tokio, die weiterhin ihr kulturelles Leben mit Konzerten und Cocktailpartys pflegt…

In die szenischen Darstellung der Geschehnisse fügt die Autorin mehrfach Seiten ein, die mehr erzählenden Charakter haben. Verschiedene Personen aus dem Umfeld Sorges äußern sich dort zu den Ereignissen aus ihrer jeweils subjektiven Sicht und helfen dem Leser die Geschehnisse besser einzuordnen. Sie erinnern an die Interviews von Zeitzeugen, wie sie in den letzten Jahren vielfach in historischen Doku-Sendungen im Fernsehen zu sehen sind.

Der Klappentext preist das Buch als eine Geschichte fern aller Agentenklischees. Dem ist insofern zuzustimmen, als diese Graphic Novel sicher nichts für Leser ist, die nach einer typischen actionreichen Agentengeschichte suchen. Die Comicautorin hat für diese Story verschiedene Quellen aus Ost und West herangezogen und die unterschiedlichen Blickwinkel berücksichtigt. Das Bemühen, die Geschehnisse historisch fundiert und aus mehreren Perspektiven darzustellen ist vielfach zu spüren. Die Folge ist, dass dieses Buch dadurch weniger im klassischen Sinne unterhaltend, aber dafür informativer auf den Leser wirkt, als man dies zuerst vermuten würde. Historisches Hintergrundwissen ist zum besseren Verständnis der Handlung jedoch sehr hilfreich. Insofern ist die achtseitige Dokumentation im Anhang ausdrücklich positiv hervorzuheben.

Fazit: “Die Sache mit Sorge” ist eine ernst zu nehmende Graphic Novel für geschichtsinteressierte Leser ab 16 Jahren. Leser die nach einem packenden Agententhriller suchen, sind jedoch wahrscheinlich mit anderen Büchern besser bedient.

Isabel Kreitz: Die Sache mit Sorge. Stalins Spion in Tokio. Mit einer Dokumentation von Frank Giese, Carlsen 2008.

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Krimi: Tod auf dem Jakobsweg (Petra Oelker)

14. Januar 2008, 09:30:41

Das erste Opfer in Petra Oelkers jüngstem Krimi findet noch vor Einsetzen der eigentlichen Handlung den Tod – irgendwo oben in den Bergen, wo der zunächst anonym bleibende Mann mittleren Alters sich nach seiner Flucht in Sicherheit glaubte. Zu Unrecht, wie er im letzten Augenblick erkennt, denn er wird einen steilen und schroffen Abhang hinunter gestoßen.

Auch seinen Tod wird Eleonore Peheim, 37 und Journalistin in Hamburg, aufklären helfen. Leo macht einen zweiwöchigen Urlaub in Spanien – eine moderne Variante der Pilgerreise auf dem Jakobsweg nach Santiago de Compostela, zusammen mit einer Reisegesellschaft. Maßvolle Wanderetappen in südlicher Landschaft, das Gepäck vom Bus transportiert und abends ein Hotel, das hört sich verheißungsvoll an. Doch schon am ersten Wandertag stürzt Benedikt Siemsen, ein Mitglied der Gruppe, einen Abhang hinunter und liegt im Koma. Auf den ersten Blick sieht es nach einem unglücklichen Unfall aus, doch schnell hat Leo den Verdacht, dass Benedikt einem Mordversuch zum Opfer gefallen ist. Verdächtig sind zum Beispiel auch einige aus ihrer Gruppe: die Freundin des Opfers etwa und andere Mitreisende, die manchmal ohne weitere Erklärung für kurze Zeit verschwinden. Auch Inspektor Obanos , vom behandelnden Arzt auf ein paar verdächtige Hämatome hingewiesen, hat einige Zweifel daran, dass es reiner Zufall ist, wenn innerhalb so kurzer Zeit zwei Menschen am gut gesicherten Jakobsweg stürzen. Doch Leo wird noch etliche Kilometer auf der tausendjährigen Pilgerroute gehen müssen, bis sie die dunklen Geheimnisse lüften kann, die hinter den Stürzen stehen.

Der Kriminalroman ist häufig durchsetzt von Beschreibungen der Reiseroute oder historischen Hintergründen zum Jakobsweg und den Sehenswürdigkeiten am Rande des Weges. Dies “verlangsamt” die Handlung natürlich etwas, ist aber durchaus interessant und gut in die Handlung eingebunden. Ein geschicktes Mittel zur Spannungserhöhung sind die eingestreuten kurzen Kapitel aus der Sicht des Auftraggebers. Sie geben Hinweise zu seinen Motiven, geben Gesprächsfetzen mit dem beauftragten Killer wieder. Dabei wird genau so viel verraten, wie notwendig ist um die Fantasie des Lesers in verschiedene Richtungen zu entfachen, aber nicht so viel, dass man den Täter identifizieren kann. Flüssig geschrieben bietet “Tod auf dem Jakobsweg” also alles in allem kurzweilige Unterhaltung.

Petra Oelker: Tod auf dem Jakobsweg. Kriminalroman Rowohlt Taschenbuch Verlag 2007

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