Immer noch lesenswert: “Fahrenheit 451″

26. Januar 2009, 08:47:28


Die Erstausgabe dieses Science Fiction-Klassikers erschien 1953  in New York. Fahrenheit 451 gehört wie George Orwells 1984 (1945) und Aldous Huxleys Schöne neue Welt (1932) in die Reihe jener Anti-Utopien, in denen die Freiheit des Individuums durch die Gleichmacherei eines totalitären Staats vernichtet wird.

Ray Bradbury schildert in seinem Roman eine Zukunftsgesellschaft, in der die Menschen durch Dauerberieselung aus Radio und Fernsehwänden manipuliert und vom Nachdenken abgehalten werden. So soll verhindert werden, dass die Menschen realisieren, dass sie nicht wirklich glücklich sind.  Hatte die Gesellschaft einst freiwillig aufgehört zu lesen, da es viel einfacher war die angebotene Unterhaltung zu konsumieren, so gelten Bücher nun als Unruhestifter und sind deshalb verboten. (Weiterlesen »)

Winter- und Weihnachtsmärchen von H.C. Andersen

13. Dezember 2008, 21:59:57


Im Jahre 1835 veröffentlichte der dänische Schriftsteller Hans Christian Andersen seine ersten Märchen, die in seinem Heimatland jedoch zunächst kaum Beachtung fanden.  Durch seine Reisen wurde Andersen jedoch schnell in ganz Europa berühmt.Heute zählen einige seiner 168 Märchen zur Weltliteratur.

In der Reihe Coppenraths Kinderklassiker ist ein Märchenbuch mit fünf  Winter- und Weihnachtsmärchen von Hans Christian Andersen erschienen. Es enthält sowohl bekannte Märchen wie Die Schneekönigin, Das kleine Mädchen mit den Schwefelhölzern und Das hässliche junge Entlein als auch weniger bekannte. Der Tannenbaum erzählt von einem jungen Tannenbaum, der sich danach verzehrt endlich groß genug zu werden, um als geschmückter Weihnachtsbaum in der Stube zu stehen. Als sich sein Traum erfüllt, muss er feststellen, dass die schönste Zeit wohl doch die im Wald war. Der Schneemann dagegen hat Sehnsucht nach dem Ofen, den er in einem nahen Haus so schön rot leuchten sehen kann…

Die Winter- und Weihnachtsmärchen sind mit zahlreichen, teils doppelseitigen Bildern illustriert und mit einer Samtbordüre geschmückt. Ein schöner Märchenband zum lesen oder vorlesen in der dunklen Jahreszeit!

Hans Christian Andersens Winter- und Weihnachtsmärchen. Mit Bildern von Ute Simon. Coppenrath 2008, ab 5, mit Leseband

Märchenbuch bei Amazon ansehen / bestellen

Märchenbuch-Klassiker mit kunstvollen Bildern

20. Oktober 2008, 11:13:27


Das von Susanne Janssen neu illustrierte Märchen von Hänsel und Gretel ist der Preisträger des Deutschen Jugendliteraturpreises 2008 im Bereich Bilderbuch. Die Jury lobt die “seitensprengenden Illustrationen” mit denen die Illustratorin neue Perspektiven auf den Märchen-Klassiker eröffnet.

In der Tat ist das Buch “bildgewaltig” und herausragend in mehrfachem Sinne. Schon ein Blick auf die Coverabbildung lässt einen den Unterschied zur im Märchenbereich üblichen Illustrationsweise erahnen. Die großen Bilder sind von einem unübersehbaren hohen künstlerischen Anspruch und alleine schon deswegen für eine ästhetische Bildung als wertvoll anzusehen. Susanne Janssen hat ihren Ansatz in einer Mischtechnik aus Acrylmalerei und Collage umgesetzt. Sie kommt mit einer kleinen Farbpalette aus: Schwarz, Weiß sowie Rot dominieren und werden durch wenige andere Töne gebrochen. In ihren Bildern bindet sie seelische Aspekte der Figuren mit ein und gibt ihnen so mehr Tiefe. Hier kommt aber auch eine Problematik zutage, die sich in den unterschiedlichen Altersempfehlungen für dieses Bilderbuch zeigt. Während der Hinstorff Verlag Hänsel und Gretel für Leser ab 7 empfiehlt, hält die Jury des Jugendliteraturpreises offenbar ein Alter von mindestens 10 Jahren ratsam. Man kann nur mutmaßen, was hinter dieser Empfehlung steht – möglicherweise hält die Jury die Bilder für jüngeren Kindern zu schwer zugänglich oder zu bedrückend. Denn die Frage, ob die Düsterkeit und Graumsakeit von Märchen für jüngere Kinder zuträglich ist oder nicht, wird immer wieder gestellt. Möglicherweise geht man aber schlicht davon aus, dass ein gewisses Alter vonnöten ist, um alle Aspekte der komplexen Bilder zu erfassen. Hier stellt sich aber die Frage, inwieweit sich größere Kinder noch für klassische Märchen begeistern lassen.

Der Text dieses  Märchenbuches folgt der ersten Gesamtausgabe der Kinder- und Hausmärchen der Gebrüder Grimm. Es wurden nur leichte Anpassungen an den heutigen Sprachgebrauch und die geltenden Schreibweisen vorgenommen.

Jacob und Wilhelm Grimm / Susanne Jannsen: Hänsel und Gretel, Hinstorff 2007

Märchenbuch bei Amazon ansehen

Ritter, Drachen und andere Ungeheuer

10. Oktober 2008, 12:41:50


Die Geschichte von Iwein Löwenritter – neu erzählt von Felicitas Hoppe

In ihrem ersten Jugendbuch hat sich die Autorin Felicitas Hoppe einem alten Stoff der Artus-Sage angenommen und ihn für junge Leser unserer Zeit aufbereitet. Grundlage  ihres Ritterromans ist das etwa 1200 entstandene mittelhochdeutsche Epos Iwein von Hartmann von Aue.

Iwein, Ritter der Tafelrunde am Hofe König Artus´, hat Langeweile. Er hat es satt immer nur von Abenteuern anderer Ritter zu hören, anstatt selber welche zu erleben. Also sattelt er sein Pferd und reitet ins Land Nebenan um gegen ein geheimnisvolles Ungeheuer zu kämpfen und Abenteuer zu erleben. Nach einem tagelangen Ritt trifft er ein Ungeheuer in Menschengestalt, das mitten im Wald wilde Tiere hütet. Wenn er Abenteuer suche, so erfährt er da, so solle er er an der Gewitterquelle den Stein mit Wasser begießen. Diesen Rat befolgt  der abenteuerhungrige Ritter und fordert damit den Burgherren vom Land Nebenan heraus. Iwein besiegt den Burgherren und verliebt sich in die Burgherrin Laudine, deren Herz er nach einiger Zeit gewinnt.  Doch viel zu schnell lässt sich Iwein von seinem Freund dem Ritter Gawein dazu überreden, zu neuen Abenteuern aufzubrechen und seine Pflichten zu vernachlässigen. Laudine lässt ihn ziehen, setzt ihm jedoch eine Frist für seine Rückkehr. Doch der tatdendurstige Ritter lässt diese Frist verstreichen, verliert dadurch seinen Verstand und muss nun seine Schuld abtragen, indem er gegen scheinbar unüberwindliche Gegner kämpft, viele schutzlose Frauen befreit und verteidigt.

Der Erzähler, dessen Identität erst am Ende der Rittergeschichte gelüftet wird, tritt als Mittler zwischen der lange vergangenen mittelalterlichen Zeit und der Lebenswelt seiner jungen Leser auf, die er immer wieder einbezieht. Im Zentrum der Erzählung steht die Entwicklung und Läuterung des Helden, die in einerseits verständlicher aber gleichwohl schöner Sprache geschrieben ist. Ritter Iwein muss zwar auch häufig kämpfen, doch ein deutlicher Schwerpunkt dieses Jugendbuches liegt darauf, die Beziehung zwischen den einzelnen Figuren und die Entstehung der Konflikte zwischen den Hauptfiguren aufzuzeigen.

Der Ritterroman kommt in einem prächtigen Gewand daher – in blauem Leinen, grünem Schuber und mit vier farbigen Illustrationen – ein im doppeltem Sinne schönes Buch!

Felicitas Hoppe: Iwein Löwenritter – Erzählt nach dem Roman von Hartmann von Aue, Mit Illustrationen von Michael Sowa, Fischer Schatzinsel 2008

Buch bei Amazon ansehen / bestellen

Hörbuch: Robert Gernhardt parodiert Klassiker

12. Mai 2007, 17:59:33

Der Schriftsteller, Lyriker, Zeichner und Maler Robert Gernhardt ist für Humor und Sprachwitz bekannt. In dem 2001 aufgezeichneten Mitschnitt einer Lesung arbeitet er sich in verschiedenen `Dichterzungen´ einmal quer durch die Literaturgeschichte, macht aber auch vor der Bibel und unpersönlichen und überpersönlichen Redeweisen wie dem Journalistenjargon oder Legenden nicht Halt.

Gernhardts Ausflug durch die Weltliteratur beginnt mit der Verkündung von Gottes elftem Gebot (“Du sollst nicht lärmen”) an seinen Knecht Gernhardt, dem eine Fülle an Sonder- und Ausnahmeregelungen beigestellt wird. Weiter geht es mit Plato, Dante, Boccacios “Decamerone” um dann ein Weilchen in den Gefilden der deutschen Literatur zu verweilen. Er dichtet ein Potpourri des hohen lyrischen Tons, welcher Goethe, Schiller, Rilke und andere Klassiker vereint. An Joseph von Eichendorffs “Zwielicht” führt der Lyriker die Classic Sandwich” – Technik vor, mit der man (so Gernhardt) problemlos den Gedichtbestand verdoppeln könne: Man nehme die erste und die letzte Zeile eines Gedichts und füge eine neue `Füllung´ ein… Die Füllung, das ist klar, offenbart völlig neue Zusammenhänge. Herrlich auch seine Parodie von Wilhelm Buschs “Max und Moritz”. Das Attentat auf Lehrer Lämpel wird hier zum Busen-Attentat von Pat und Doris auf ihren Professor Theodor W. Adorno.

Lustige Gedichte, meinte Gernhardt, könne man nicht ins Lächerliche ziehen, dafür aber weiterdichten, so wie er es mit Ernst Jandls monovokalem Gedicht “Ottos Mops” tut. Ob “Annas Gans” oder “Gittis Hirsch” usw. dies sind für mich die schwächeren Teile einer ansonsten sehr vergnüglichen Lesung, welche in der Tat dazu verführt (so der Klappentext ) auch mal wieder nach einem der Originale zu greifen, um es zu lesen.

Die Dichterlesung bietet erwartungsgemäß eine Fülle an Sprachspielen, satirischen Zuspitzungen, Wort- und Sinnverdrehungen. Robert Gernhardt ist es hervorragend gelungen, den Stil von Dichtern und Textsorten herauszukristallisieren und nachzuahmen – egal ob es sich um Lyrik, Prosa oder satirische Texte im Ton einer Erstleser-Fibel handelt. Überdies sind die einzelnen Teile von Gernhardt gekonnt in Ein- und Überleitungen eingebettet und vorgetragen – dieses Hörbuch ist ein Ohrenschmaus, der Freunden Gernhardtschen Humors den Verlust des im letzten Jahr Verstorbenen wieder spüren lässt.

Robert Gernhardt: In Zungen reden, Stimmenimitationen von Gott bis Jandl, 2 CDs (ca. 85 Minuten), Der Hörverlag, München 2001

Goethe Faust Remix

28. März 2007, 14:00:15

Oder: Wie entstaubt man einen Klassiker?

Der `Faust´von Johann Wolfgang von Goethe, viel gelobtes Werk `das man gelesen haben muss´, über Generationen eher lustlose Pflichtlektüre an Schulen und Universitäten – ein Bildungsschinken eben. Nichts weniger haben sich Andreas Walter und Viktor Winkler vorgenommen, als `das bedeutendste Werk der deutschen Literatur´ vom zentimeterdicken Bildungssstaub zu befreien, es atmen zu lassen und daraufhin zu befragen, was es uns heute zu sagen hat. So von Buch zu Leser. Oder eben dem Zuschauer im Theater.

“Wie machen wir´s, daß alles frisch und neu / Und mit Bedeutung auch gefällig sei?” (Goethe, Faust I Z. 47f.)

Was unterscheidet dieses Buch vom Original? Positiv hervorzuheben ist zuallererst, dass der Originaltext vollständig übernommen wurde – keine Raffung, keine zusammenfassende Inhaltsangabe oder dergleichen. Der Frühjahrsputz besteht in einer veränderten Perspektive auf das Werk, einer Einladung, den “Faust” unvoreingenommen zu lesen – als Theaterstück das auch (und vielleicht vor allem) unterhalten will. Dazu versehen die Autoren den Text mit einer “Bedienungsanleitung” und einer ganzen Reihe von Kommentaren. Mal witzig, mal ernst und oft auch provozierend sind ihre Anmerkungen, die Deutungsansätze sein wollen und Anstöße, zu einer eigenen Interpretation zu finden und sich unterhalten zu lassen. Sie zeigen auf Bezüge zu unserer Lebenswelt heute, die das Theaterstück nicht nur dadurch immer noch hat, dass es die wichtigen Fragen menschlichen Lebens berührt.

Man muss Andreas Walter und Viktor nicht in allem zustimmen, was sie zum “Faust” zu sagen haben, aber ihr Remix ist auf jeden Fall ein interessanter und erfrischender Ansatz. Man kann ihn sich auch gut als Aufführung vorstellen, ergänzt um eine Figur in Gegenwartskleidung, die sich bei angehaltener Szene an die Zuschauer wendet…

Auf der Begleit-CD findet man Musik verschiedener Künstler u.a. von Alphaville über Deichkind, Glashaus, Moses Pelham bis hin zu The Prodigy. Mal mehr mal weniger deutlich sind die Bezüge zum “Faust”, zu den Themen und (Lebens-)Gefühlen in Goethes Tragödie – und damit eine gute Möglichkeit zu zeigen, wie aktuell sie sind. An dieser Stelle hätte ich mir jedoch gewünscht, dass die Autoren diese Verbindung etwas deutlicher herstellen.

“Goethe Faust Remix” erscheint am 30.03.07 – nur wenige Tage nach dem 175. Todestag des Dichterfürsten…

GOETHE FAUST REMIX. Gemischt von Andreas Walter und Viktor Winkler, Paper Chase /3p, März 2007