Komische Geschichten: Horst Evers in Hochform

9. Mai 2008, 11:28:54

Horst Evers ist Träger des Kleinkunstpreises 2008. Sein aktuelles Buch heißt “Mein Leben als Suchmaschine” und bietet mehr als 40 kurze Geschichten, in denen Evers einen oft schrägen, scheinbar naiven und immer komischen Blick auf das Alltagsleben wirft. Die Installation eines Routers, verschwundene Fahrräder, peinliche Kinderfragen, der kaum zu bewältigende Terminstreß am Morgen, die Nöte eines Computerspezialisten - kaum zu glauben wohin Horst Evers den Lesern in den nur wenige Seiten kurzen Geschichten hinführt! Aberwitzig, wie der Künstler Zusammenhänge zwischen Dingen herstellt, die man von alleine nicht miteinander in Verbindung bringen würde. Sie wissen nicht, was eine Bushaltesstelle mit der Lebensplanung eines Menschen zu tun hat? Macht nichts - Horst Evers wird es Ihnen erklären, während Sie sich vor Lachen wegschmeißen!

Horst Evers: Mein Leben als Suchmaschine, Eichborn 2008

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Der Eichborn Verlag stellt einen Podcast mit Ausschnitten aus dem Live-Programm zur Verfügung - hier klicken.

Wladimir Kaminer: Mein Leben im Schrebergarten

5. März 2008, 12:38:04

Erinnerungen an den Garten der Großmutter wecken Träume und Sehnsüchte. Diese bewegen das Paar Kaminer dazu, sich um einen Schrebergarten in einer Kleingartenkolonie zu bewerben, obwohl beide keine Neigung zur Gartenarbeit verspüren. Olga denkt da mehr an gesellige Grillabende in hübschen Gartenmöbeln und Wladimir Kaminer hofft einfach darauf, dass sie so schnell keinen Schrebergarten bekommen. Als sie recht bald die Parzelle 118 übernehmen können, beschließt Kaminer das Beste daraus zu machen und ein neues Buch zu schreiben: einen Schrebergartenroman.

Also beginnt er, seine Erlebnisse und Gedanken rund um den Garten an sich und als Ort, an welchem der Mensch über seinen Platz im Kreislauf der Natur nachsinnen kann, niederzuschreiben. Er schreibt über die “Blaublumen-Invasion” im Schrebergarten, über Arbeitseinsätze zur Säuberung sauberer Gartenwege, über die Bewältigung von Obstschwemmen und Beobachtungen über den deutschen Drang nach Sicherheit und Ordnung. Wie vorauszusehen, verstößt Familie Kaminer innerhalb kürzester gegen eine Vielzahl von Vorschriften des Bundeskleingartengesetzes und anderer Gartenordnungen. Darüber schreibt Wladimir genauso amüsant, wie über die Verstöße der Tierwelt gegen das Bürgerliche Gesetzbuch:

“Es war aber auch zu dumm vom Bürgerlichen Gesetzbuch, an Lebewesen zu appellieren, die von Natur aus Analphabeten waren, wie Bienen zum Beispiel.”

Heraus kommt zwar kein Roman, aber ein Buch welches im ersten Teil vor Witz sprüht, im zweiten Teil aber leider etwas nachlässt. Dies hängt sicher auch damit zusammen, dass der Autor sich zeitweise etwas weit von seinem ursprünglichen Sujet entfernt und sich der Sinn des dann Erzählten sich nicht immer erschließt. Mein Leben im Schrebergarten ist über weite Strecken durchaus lesenswert, aber mit Sicherheit nicht das stärkste Buch dieses Schriftstellers.

Wladimir Kaminer: Mein Leben im Schrebergarten. Mit Zeichnungen von Vitali Konstantinov, Manhattan 2007

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Erzählungen von Robert Gernhardt

4. Januar 2008, 19:13:49

“Denken wir uns” ist nicht nur der Titel des letzten Erzählbandes von Robert Gernhardt, es ist auch  schlichtweg der Grundsatz fiktionaler Literatur, eine Aufforderung Fantasie und Vorstellungskraft walten zu lassen.

Nahezu alle dieser 26 Erzählungen beginnt der 2006 verstorbene Schriftsteller und Zeichner mit dieser schlichten aber wirkungsvollen Aufforderung - und mit einem deutlich spürbaren Augenzwinkern. Die Schauplätze seiner Geschichten sind in Deutschland ebenso angesiedelt, wie in der Toskana, in Indien oder auf einem Boot vor Florida. Der thematische Bogen ist weit und umfasst die Verhinderung eines Kinderfaschingsdramas im Jahre 1944, die Sprache verliebter Paare, wartende Schriftsteller, einen Seitenhieb auf eine literarischen Fernsehsendung oder eine Künstleranekdote im Stile alter Zeiten.

Die Erzählungen sind, wie man es von Robert Gernhardt gewohnt ist, humorvoll und eingängig geschrieben. Allerdings springt der Funke nicht bei allen Geschichten über.

Robert Gernhardt: Denken wir uns. Erzählungen, S. Fischer 2007

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Dieter Nuhr - intelligente Komik zwischen Buchdeckeln

13. Dezember 2007, 19:35:07

Nach “Gibt es intelligentes Leben?” ist diesen Herbst ist ein weiteres Buch von Dieter Nuhr erschienen: “Wer´s glaubt, wird selig” ist der Titel. Aufhänger für die Gedanken des Kabarettisten und Komikers ist die Frage, was und warum der Mensch glaubt. Das Thema fasst er weit - gemeint sind nicht nur die diversen Religionen, sondern auch Ideologien, Aberglauben, Verschwörungstheorien, das Leben im allgemeinen und im besonderen. Frech, respektlos und geistvoll wie gewohnt nimmt sich Dieter Nuhr die Spezies Mensch vor und lässt dabei nichts und niemanden aus… Zahlreiche Fotos aus den verschiedensten Ecken der Welt sind in den Text eingestreut. Ihr Bezug zum Geschriebenen ist nicht immer sofort ersichtlich, aber da die Bildunterschrift oft für einen weiteren Lacher gut ist, stört man sich nicht daran. Wer `Philosophie´ à la Nuhr mag wird bei diesem Buch auf seine Kosten kommen, solange er sich darüber im Klaren ist, dass auch ein Buch von Nuhr niemals so gut sein kann wie Nuhr selbst.

Dieter Nuhr: Wer´s glaubt, wird selig. Rowohlt Taschenbuch Verlag 2007

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Hörbuch: Robert Gernhardt parodiert Klassiker

12. Mai 2007, 17:59:33

Der Schriftsteller, Lyriker, Zeichner und Maler Robert Gernhardt ist für Humor und Sprachwitz bekannt. In dem 2001 aufgezeichneten Mitschnitt einer Lesung arbeitet er sich in verschiedenen `Dichterzungen´ einmal quer durch die Literaturgeschichte, macht aber auch vor der Bibel und unpersönlichen und überpersönlichen Redeweisen wie dem Journalistenjargon oder Legenden nicht Halt.

Gernhardts Ausflug durch die Weltliteratur beginnt mit der Verkündung von Gottes elftem Gebot (”Du sollst nicht lärmen”) an seinen Knecht Gernhardt, dem eine Fülle an Sonder- und Ausnahmeregelungen beigestellt wird. Weiter geht es mit Plato, Dante, Boccacios “Decamerone” um dann ein Weilchen in den Gefilden der deutschen Literatur zu verweilen. Er dichtet ein Potpourri des hohen lyrischen Tons, welcher Goethe, Schiller, Rilke und andere Klassiker vereint. An Joseph von Eichendorffs “Zwielicht” führt der Lyriker die Classic Sandwich” - Technik vor, mit der man (so Gernhardt) problemlos den Gedichtbestand verdoppeln könne: Man nehme die erste und die letzte Zeile eines Gedichts und füge eine neue `Füllung´ ein… Die Füllung, das ist klar, offenbart völlig neue Zusammenhänge. Herrlich auch seine Parodie von Wilhelm Buschs “Max und Moritz”. Das Attentat auf Lehrer Lämpel wird hier zum Busen-Attentat von Pat und Doris auf ihren Professor Theodor W. Adorno.

Lustige Gedichte, meinte Gernhardt, könne man nicht ins Lächerliche ziehen, dafür aber weiterdichten, so wie er es mit Ernst Jandls monovokalem Gedicht “Ottos Mops” tut. Ob “Annas Gans” oder “Gittis Hirsch” usw. dies sind für mich die schwächeren Teile einer ansonsten sehr vergnüglichen Lesung, welche in der Tat dazu verführt (so der Klappentext ) auch mal wieder nach einem der Originale zu greifen, um es zu lesen.

Die Dichterlesung bietet erwartungsgemäß eine Fülle an Sprachspielen, satirischen Zuspitzungen, Wort- und Sinnverdrehungen. Robert Gernhardt ist es hervorragend gelungen, den Stil von Dichtern und Textsorten herauszukristallisieren und nachzuahmen - egal ob es sich um Lyrik, Prosa oder satirische Texte im Ton einer Erstleser-Fibel handelt. Überdies sind die einzelnen Teile von Gernhardt gekonnt in Ein- und Überleitungen eingebettet und vorgetragen - dieses Hörbuch ist ein Ohrenschmaus, der Freunden Gernhardtschen Humors den Verlust des im letzten Jahr Verstorbenen wieder spüren lässt.

Robert Gernhardt: In Zungen reden, Stimmenimitationen von Gott bis Jandl, 2 CDs (ca. 85 Minuten), Der Hörverlag, München 2001

Humorvolle `Ostergeschichte´von Robert Gernhardt

29. März 2007, 12:02:46

Ostern 1986. Journalist Maski sitzt am Ostersonntag, nach Ostermesse und langer Stadtbesichtigung abends auf einen Absacker in der Kneipe. Ein älterer Herr kommt herein, lädt Maski auf einen Prosecco ein. Nach und nach dämmert es dem Journalisten: Der Herr, der mit ihm einen Prosecco nach dem anderen trinkt, ist niemand anderes als Papst Johannes Paul II, inkognito natürlich. Auch ein Papst muss mal abschalten, sich den Kummer von der Seele reden und darum schleicht er sich von Zeit zu Zeit abends für ein Stündchen aus dem Vatikan. Und Gernhardts Papst muss einiges loswerden - über den Vatikan-Klüngel, Kardinal Ratzinger, Kommerz und Kirche…

Die “Ostergeschichte” ist eine humorvolle, unterhaltsame Erzählung in der Gernhardt uns einen sympathischen und mitunter spitzbübischen fiktiven Johannes Paul II erzählt, der nicht immer so handeln und reden kann, wie er gerne möchte.

Die Erzählung wurde seinerzeit zuerst im Literaturmagazin `Der Rabe´veröffentlicht und 1995 für die Buchausgabe vom Verfasser mit Illustrationen bebildert.

Robert Gernhardt: Ostergeschichte, S. Fischer Verlag, Neuausgabe 2004