Das rostrote Buch (Nina Bernstein)

6. Juni 2008, 11:26:37


Eines Sommerabends, als Anne und Emiliy ihre aus der Bücherei mitgebrachten Schätze durchstöbern, entdecken sie ein rostrotes Buch, das keines der beiden neun und elf Jahre alten Mädchen in der Bibliothek ausgesucht hat. Neugierig fangen die beiden an das Buch zu lesen und stellen fest, dass es sie beide beschreibt, wie sie das rostrote Buch entdecken und darin anfangen zu lesen, bis plötzlich Nebel aufkommt und sie sich im Sherwood Forest befinden…

Unschwer ist zu erkennen, dass sich “Das rostrote Buch” in der Tradition jener zauberhaften Bücher findet, zu denen man auch Michael Endes Unendliche Geschichte und die Tintenherz-Trilogie von Cornelia Funke zählt. Bücher, die die Fantasie und das Lesen feiern und schon aus diesem Grunde bei Leseratten oft beliebt sind. Diese Sommerferien werden Anne, Emiliy und ihr kleiner Bruder Will jedenfalls nicht so schnell vergessen. Nachdem die beiden Schwestern von ihrem Abenteuer mit Robin Hood zurückgekehrt sind, versuchen sie ihre Entdeckung vor ihrem kleinen Bruder zu verheimlichen und in eine neue Geschichte zu schlüpfen. Aber das Buch lässt sich nicht weiter umblättern und so warten sie sehnsüchtig darauf, dass es bald wieder passiert. Eine ganze Zeit vergeht, doch dann wird ihre Geduld belohnt.

Mal alleine, mal alle zusammen finden sie sich in ihren Lieblingsbüchern wieder und erleben dort Abenteuer, die ihren Mut und ihren wachen Kopf herausfordern. Die Welten die sie entdecken, sind entprechend dem Alter und der Neigungen der Kinder sehr unterschiedlich. Der Jüngste, fast sieben Jahre alt und ein großer Insektenliebhaber findet sich beispielsweise in einem Land namens Jardinia wieder, wo er den Gnobolden im Kampf gegen ein wahrhaftes Insektenungeheuer beistehen muss, während Anne, nicht mehr ganz Kind und doch noch lange nicht erwachsen, mal Balladen aus fernen Kindertagen und mal Bilder aus Tolstois Krieg und Frieden zu neuem Bücherleben erweckt.

Nina Bernsteins Kinderbuch ist gut verständlich und flüssig zu lesen. Der Wechsel zwischen Fantasiewelt und realer Lebenswirklichkeit der Geschwister ist gut nachvollziehbar. Die Rückbindung der Geschehnisse an die Realität gibt einerseits Anlass zu allerlei humorvollen Kommentaren, verleiht andererseits dem Buch zusätzliche Tiefe. Alle Kinder machen auf ihre Weise in diesem zauberhaften Sommer eine Weiterentwicklung durch, die sie befähigt dem kommenden Lebensabschnitt mit neuer Frische zu begegnen. Kritisch anzumerken bleibt, dass aus Sicht des Lesers das Buch gerne etwas länger hätten ausfallen können, um den jeweiligen Geschichten mehr Raum zu geben - was ja dann schon wieder fast ein Kompliment ist.

Nina Bernstein: Das rostrote Buch. Illustriert von Boris Kulikov. Deutsch von Beatrice Howeg, Berlin Verlag / Bloomsbury 2008, ab etwa 10 Jahren.

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Actionreiche Science Fiction: “Cosmo Hill” von Eoin Colfer

8. Mai 2008, 08:36:50


Durch seine Fantasy-Serie um Artemis Fowl ist Eoin Colfer einem größeren Kreis an jungen Lesern bekannt geworden. Mit der Figur des vierzehnjährigen Cosmo Hill hat er einen neuen Serienhelden geschaffen. Die Originalausgabe erschien 2004 unter dem Titel “The Supernaturalist”.

Der Roman spielt im dritten Jahrtausend. Satellite City ist eine satellitengesteuerte Metropole aus grauem, seelenlosen Stahl. Polizeivögel und Schnüffelsatelliten beobachten die Bewohner. Soziale Einrichtungen gibt es nicht und Waisenjungen die, wie Cosmo Hill, keinen Sponsor haben, werden in Waisenhäusern als Versuchskaninchen mißbraucht. Die Tests sind gesundheitsgefährdend und so liegt die durchschnittliche Lebenserwartung der `Sponsorlosen´ bei fünfzehn Jahren. Höchste Zeit also für Cosmo hier raus zu kommen! Tatsächlich gelingt ihm bei einem Unfall die Flucht, aber er wird schwer verletzt. Da sieht Cosmo kleine, blaue durchscheinende Wesen auf den Ort des Geschehen zukommen. Eines davon setzt sich auf seine Brust und scheint etwas aus ihm herauszusaugen. Cosmo sieht schon das Leben aus seinem Körper weichen, als drei Jugendliche auftauchen und die Wesen attackieren. Sie nennen sich die Supernaturalisten, da sie Übernatürliches wahrnehmen. Es sind Stefan, ein ehemaliger Polizeianwärter, Mona eine junge Automechanikerin und Dito. Dito ist eigentlich ein Erwachsener, der aufgrund von Genmanipulationen so aussieht, als sei er noch ein Kind. Da Cosmo ebenfalls die Wesen sehen kann, die sie die Parasiten nennen, nehmen sie ihn in ihre Gruppe auf. Nacht für Nacht begeben sich die Supernaturalisten an Unfallorte, wo Dito als Arzt mit außergewöhnlichen Fähigkeiten die Verletzten behandelt, während die anderen soviele Parasiten wie möglich zu vernichten versuchen. Doch sie haben das Gefühl, dass die Zahl der Parasiten schneller zunimmt denn je. Als sie bei einem Einsatz aufgegriffen werden, bietet ihnen Ellen Faustino, eine frühere Ausbilderin Stefans die jetzt für einen Konzern arbeitet, die Zusammenarbeit an. Doch Faustino verfolgt ganz andere Pläne als die Gruppe, was diese bald zu spüren bekommt…

Der Roman ist schnell, actionreich und zeitweise ganz unterhaltsam. Immer wieder wird Kritik an dieser Zukunftsgesellschaft geübt, die Ökonomie vor Menschlichkeit und Ökologie setzt und viel von einem Überwachungsstaat hat. Allerdings wirken die Charaktere oft etwas flach, nicht wie wirkliche Individuen, und die Handlung ist vielfach absehbar. Dabei sind gute Ansätze zu einer Charakterzeichnung im Umgang der Jugendlichen untereinander durchaus vorhanden. Der erste Band der Cosmo Hill-Serie überzeugt also nicht wirklich und reicht zum Beispiel an die frühen Artemis Fowl-Bücher nicht heran. Die Serie erscheint dennoch durchaus ausbaufähig und  im Hinblick auf die folgenden Bände kann man hoffen,  dass sie an Breite und Tiefe gewinnt.

Eoin Colfer: Cosmo Hill. Der Supernaturalist. Roman, Aus dem Englischen von Karl-Heinz Ebnet, List 2008

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Band 3 der Eragon-Reihe erscheint im September

8. April 2008, 10:32:29


Der Erscheinungstermin des dritten Bandes der Fantasy-Sage von Christopher Paolini wurde mehrfach verschoben. Die Verlagsgruppe Random House kündigt sein Erscheinen nun für den September an und stellt eine kleine Leseprobe zur Verfügung. Der Originaltitel von Band 3 lautet Brisingr, die deutsche Übersetzung trägt den Titel Die Weisheit des Feuers. Ein vierter Band soll die Reihe abschließen.

Christopher Paolini: Eragon - Die Weisheit des Feuers, Cbj 2008 bei Amazon ansehen / bestellen

Jetzt auch als Taschenbuch: “Verbotene Welt” von Isabel Abedi

26. März 2008, 11:39:32

“Verbotene Welt” ist im Oktober 2006 als Hardcover im Loewe Verlag erschienen. Seit Januar 2008 gibt es den Kinderroman von Isabel Abedi nun auch in einer Taschenbuchausgabe.

Otis ist zwölf und lebt mit seiner Mutter Cherilyn in New York. Er ist etwas schmächtig, weshalb ihn zum Beispiel sein Klassenkamerad Duncan gerne ärgert. Außerdem leidet er unter Höhenangst, die er aber Schritt für Schritt zu überwinden sucht. “Seinen Ängsten muss man begegnen” , sagt seine Mutter immer und außerdem faszinieren ihn große Bauwerke. Irgendwann möchte Otis es schaffen, vom großen Wolkenkratzer in dem seine Mutter arbeitet auf die Brooklyn-Brücke hinunter zu schauen, ohne dass ihm dabei schwindelig wird. Als seine Mutter eine neue Stelle als Kosmetikerin in einem Schloss in Schottland annimmt, bleibt er für kurze Zeit ohne sie in Amerika zurück. In diese Zeit fällt ein Klassenausflug in die Freiheitsstatue und Duncan sperrt Otis auf der Toilette der Freiheitstatue ein. Der Lehrer vergisst ihn dort und bemerkt dies erst als die Freiheitsstatue verschwunden ist. Verschwunden?

Olivia ist auch zwölf. Aber sie lebt in Berlin-Kreuzberg. Ihre Mutter ist alkoholkrank und ihr Vater vor acht Jahren gestorben. Als ihre Unterbringung im Heim droht, flieht sie mit ihrer zahmen Taube Columbina und versteckt sich erst bei ihrem väterlichen Freund Carlos und dann im KaDeWe. Auch das Kaufhaus des Westens löst sich einfach in Luft auf - und mit ihm Olivia.

Nach und nach verschwinden immer mehr berühmte Bauwerke und Sehenswürdigkeiten - die Welt steht Kopf! Ist dies das Werk von Terroristen? Oder von Außerirdischen? Otis und Olivia aber finden sich in einem merkwürdigen dunklen, großen Raum wieder, wo sich nach und nach auf riesigen Tischen immer mehr berühmte Bauwerke einfinden. Diese zaubert der Riese Reginald mit Hilfe einer Art Dschinn aus einer Öllampe her. Minima heißt der Dschinn, denn er kann die Dinge verkleinern. Doch das Wesen aus der Öllampe kann, solange es von seiner Schwester in einer anderen Öllampe getrennt ist, nur eine bestimmte Anzahl von Wünschen erfüllen bevor es zu Asche zerfällt. Die beiden Kinder wollen aber nicht für den Rest ihres Lebens in der Größe eines Erdnussflips in Reginalds Welt eingesperrt sein! Also machen sich gemeinsam daran, eine Lösung zu finden. Bald stoßen sie auf den Perser Jally, der ihnen mehr über die magischen Lampen erzählen kann.

Die Geschichte, ein Abenteuer- oder Fantasyroman mit Anklängen an orientalische Märchen, wird in mehreren Handlungssträngen erzählt. Da ist die “normale Realität”, in der die Menschen ihren Alltagsbeschäftigungen nachgehen und sich Gedanken um die verschwunden Menschen und Bauwerke machen. Und dann natürlich die Miniaturwelt - Reginalds Welt. Hier sind die zwei ungleichen Kinder, die sich zusammenraufen und über sich hinauswachsen.

Mit je einer weiblichen und einer männlichen Hauptfigur bietet “Verbotene Welt” Identifikationsfiguren für Mädchen wie Jungen. Angenehm ist, dass die Autorin dabei nicht in Rollenklischees verfällt. Zwar scheint der Handlungsverlauf schon recht früh klar zu sein, aber durch den Einschub unerwarterter Geschehnisse bleibt die Spannung größtenteils erhalten. Geschrieben ist das Kinderbuch in einer altersgerechten Sprache, so dass das relativ dicke Taschenbuch sicher nicht nur für Vielleser zu bewältigen ist. Ein Glossar bietet Informationen zu den verschiedenen, im Buch erwähnten Bauwerken.

Isabel Abedi: Verbotene Welt. Loewe Verlag 2008 , ab 10

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Chris d´Lacey: Eisflamme

25. Februar 2008, 19:20:41

David Rain wohnt auch nach den in Feuerträne überstandenen Abenteuern noch bei den Pennykettles. So nett er Mutter und Tochter findet, aber Lucy liegt ihm ständig damit in den Ohren, dass er ihr eine neue Geschichte schreiben soll. Außerdem geht ihm das Getue um die Tondrachen allmählich auf die Nerven. Es ist ihm fast  schon peinlich, dass er sich vor kurzem vorstellen konnte, dass sie in gewisser Hinsicht lebendig seien. 

Gerade hat Lucy einen Wunschdrachen geformt und sich Schnee gewünscht, als es kurz darauf überrraschend zu schneien anfängt. Zufall, denkt David, das beweist rein gar nichts. Als er ins College kommt und von dem Gastdozenten Dr. Bergstrom den Auftrag bekommt, in einem Aufsatz der Frage nachzugehen, ob es Drachen gibt oder nicht, fühlt er sich auf den Arm genommen. Doch der Polarfoscher scheint es ernst zu meinen und als Preis winkt die Teilname an einer Forschungsreise in die Arktis. Aber irgendwas ist sehr merkwürdig an diesem Mann.

“Geschichten haben eine einzigartige Macht, David.”

Und nicht nur diese - auch von Bergstrom selber scheint eine unerklärliche Kraft auszugehen. Schon direkt nach der Rückkehr vom Seminar bemerkt David eine rätselhafte Häufung merkwürdiger Geschehnisse: Kater Bonington scheint sich vor  einem Schneeman in Form eines Eisbären zu fürchten und Liz Pennykettle reagiert erschrocken und durcheinander auf das, was ihr David erzählt. Dann meldet sich Zanna, ein Gothic-Fan aus Davids Geologiekurs. Sie scheint einiges zu wissen, was David weiterhelfen könnte und besteht darauf, ihm ein Buch über Drachen vorbei zu bringen. David ist nicht wohl dabei, aber vielleicht kann sie ihm dabei helfen herauszufinden, welche Verbindung zwischen Drachen und Bären besteht? Zanna überredet David ihr die `Drachenhöhle´ der Pennykettles zu zeigen und dort kommt es zu folgenschweren Geschehnissen…

Eisflamme ist wie schon der erste Band gut zu lesen. Chris d´Lacey hat seiner Fantasy-Welt ein paar neue und interessante Aspekte hinzugefügt. Erfreulicherweise versteht es der Autor auch witzige Dialoge zu schreiben. Eisflamme ist noch spannender als Feuerträne, was nicht zuletzt daran liegt, dass einige der neuen Charaktere lange Zeit nicht eindeutig einzuordnen sind. Dies ist selbst in den letzten Sätzen des Buches noch für eine Überraschung gut und facht die Neugier auf den dritten und letzten Band nochmal ordentlich an!

Chris d´Lacey: Eisflamme. Aus dem Englischen von Petra Koob-Pawis. Mit Illustrationen von Nora Nowatzyk. Umschlagillustration von Helmut Dohle. Coppenrath 2008, ab 10 Jahre.

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“Die fünf Tore” Bd. 4 erscheint erst im Frühjahr 2009

15. Februar 2008, 16:35:13

Fans des actionreichen Fantasy-Thrillers von Anthony Horowitz fiebern schon längst dem vierten Band entgegen (Rezension des dritten Bandes hier). Ursprünglich sollte dieser im Herbst 2008 erscheinen. Da der Autor mit der Verfilmung von Alex Rider stark beschäftigt ist, musste der Erscheinungstermin  auf das Frühjahr 2009 verschoben werden.

Quelle: Loewe Verlag

Neuerscheinung: “Eisflamme” - der Nachfolgeband von “Feuerträne”

21. Januar 2008, 17:58:17

Eine gute Nachricht für Leser, die Freude am Fantasy-Roman Feuerträne von Chris d´Lacey (Rezension hier) hatten:  mit Eisflamme ist nun der zweite Band um David Rain und die Pennykettles erschienen.

Davids Manuskript “Snigger und das Nussmonster” wird von den angeschriebenen Kinder- und Jugendbuchverlagen abgelehnt. David ist darüber sehr enttäuscht und die ganzen Drachen im Haus der Pennkettles gehen ihm inzwischen auf die Nerven - Drachen sind doch nur frei erfundene Fabelwesen! Aber dann wird er von dem angesehenen Polarforscher Dr. Bergstrom ernsthaft beauftragt der Frage nachzugehen, ob es Drachen gibt und in welcher geografischen Region man nach ihnen suchen müsste…

Soweit der kurze Vorausblick auf den Inhalt von Eisflamme - Rezension folgt! –> Rezension lesen

“Feuerträne”: Drachenfantasy mal anders

15. Dezember 2007, 20:24:39

David, angehender Geografiestudent, sucht dringend nach einer neuen Bleibe. Mrs. Pennykettle sucht einen Mieter - er muss allerdings Kinder und Katzen mögen. Und Drachen, so steht es in der Anzeige. Denn Mrs.  Pennykettle ist Kunsthandwerkerin und stellt Drachen aus Ton her. Das ganze  Haus steht voll davon, aber warum nicht, sie sind  ja durchaus hübsch, das Zimmer ist okay und David zieht also sofort ein.  Dennoch fühlt er sich manchmal von ihnen beobachtet und auch seine Vermieterin und ihre Tochter Lucy verhalten sich in Bezug auf die Drachen mitunter etwas merkwürdig. Aber zunächst ist David abgelenkt, denn die 10-jährige Lucy hält ihn ganz schön auf Trab: immerzu erzählt sie ihm von Conker, dem Eichhörnchen das in ihrem Garten lebt und nur noch ein Auge hat. Conker ist nämlich verschwunden und Lucy will, dass David ihr hilft Conker zu finden und zu beschützen…

Liz Pennykettle töpfert David einen Drachen als Willkommensgeschenk - einzige Bedingung:  er darf den Drachen niemals zum weinen bringen, denn sonst erlischt der Lebensfunke in ihm.  Alles Quatsch, oder? David findet die Drachen wundervoll, aber dass sie lebendig sein sollen kann er sich nun wirklich nicht vorstellen. Und schon gar nicht, dass sein Drache ihm dabei helfen soll eine Eichhörnchen-Geschichte für Lucy zu schreiben…

Chris d´Lacey hat eine Fantasy-Geschichte geschrieben, die vom üblichen Schema abweicht. Trotzdem wird sie sicher vielen Fantasy-Lesern gefallen: überzeugende Charaktere, Spannung und ein geheimnisvolles Rätsel zeichnen “Feuerträne” aus.  Die Eichhörnchengeschichte verankert das Geschehen einerseits in der Realität, ermöglicht aber gleichzeitig einen anderen Blick auf die Geschehnisse der Wirklichkeit. Der Roman gewinnt dadurch an poetisch-mythischer Qualität wie sie für Fantasy nicht selbstverständlich ist.

Erwähnenswert ist auch der sensible wie glaubwürdige Umgang mit dem Thema “Tod”. Chris d´Lacey gelingt es, nichts zu beschönigen und dennoch ein versöhnliches Ende zu gestalten.

Chris d´Lacey: Feuerträne. Aus dem Englischen von Petra Koob-Pawis. Illustrationen von Nora Nowatzyk. Umschlagillustration von Helmut Dohle. Coppenrath 2007, ab 10 Jahre

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Cornelia Funke: Tintentod (Band 3 zu Tintenherz)

4. Oktober 2007, 08:11:39

Vorhang auf! Blättern wir also das dunkle Vorsatzpapier um und treten ein in die Fortsetzung der Geschichte um Bücher, Leser und Dichter:

Elinor sitzt mit Darius in ihrem Haus. Meggie, Resa, Mo - sie alle sind in der Tintenwelt. Ja selbst Orpheus ist nun dort und hat seinen Hund Cerberus und den Schrankmann in ihrem Haus zurückgelassen. Die Büchernärrin verzehrt sich nach ihrer Familie und nach der Tintenwelt.

Mo dagegen füllt mehr und mehr die Rolle des Eichelhähers aus. Tagsüber versteckt er sich mit Meggie und der schwangeren Resa auf einem einsamen Hof. Nachts versucht er zusammen mit dem Schwarzen Prinzen und seinen Männern die Bevölkerung vor den Soldaten zu schützen. Das heißt also, die Ernte oder die Kinder zu verstecken und immer wieder zu kämpfen. Allmählich empfindet er Furcht vor dieser Verwandlung. Und nicht nur er - denn auch Resa und Meggie spüren die Veränderung.

Orpheus versucht sich die Tintenwelt nach seinem Geschmack umzuschreiben. Er liest sich Reichtümer und “verbesserte” Tintenwelt-Wesen, während Farid darauf wartet, dass er endlich die Worte schreibt und liest, die Staubfinger wieder lebendig werden lassen. Dafür hatte Meggie ihn doch in die Tintenwelt gelesen…

Auch im Abschlußband der Tintenwelt ist für Spannung gesorgt: Entführungen und Rettungen in letzter Minute, gewitzte Fieslinge und üble Verräter. Viele vertraute Gestalten findet man in “Tintentod” wieder, aber es kommen auch ein paar neue hinzu. Natürlich haben die Geschehnisse der Tintenwelt die Hauptfiguren verändert und manch einer zeigt eine dunkle Seite, die vorher noch nicht sichtbar war. Viele `Autoren´ schreiben an dieser Geschichte mit: Dichter Fenoglio, `Mondgesicht´ Orpheus und natürlich auch die Tintenweltbewohner selbst. Und so weiß man nie genau, wie es weitergehen wird, wessen Worte Wirklichkeit werden und wie sich das auf den weiteren Verlauf auswirken wird. Ohne allzu viel zu verraten kann man sagen, dass der Schluß letztlich doch anders aussieht, als man zu Beginn des Buches vermuten kann. Ein kluger Schachzug der Autorin ist es, die letzten handlungsverändernden Worte nicht zu offenbaren. So ist die Geschichte beendet und doch offen: das Bedürfnis nach einem sinnvollen Abschluß ist gestillt und lässt doch zu, dass der Leser die Geschichte für sich weiterspinnt. Im Schlußbild, nett gemacht, kann er seine eigene Sehnsucht gespiegelt sehen.

Wie zu erwarten wird “Tintentod” im Feuilleton recht unterschiedlich bewertet. Von starker Kritik bis zur positiven Rezension ist alles vorhanden. Nicht zu Unrecht weist z.B. Cornelia Geissler in der Berliner Zeitung  auf Italo Calvinos “Wenn ein Reisender in einer Winternacht” und Michael Endes “Unendliche Geschichte” hin. Auch Calvino spielt damit, wie Literatur die Leser hineinzieht, wie Wirklichkeit und literarische Fiktion verschwimmen. Aber er reißt den Leser immer wieder aus den jeweiligen Geschichten raus und lässt dadurch viele nicht entsprechend `literarisch sozialisierte´ Leser entnervt und frustriert zurück - ein Buch mehr zum intellektuellen Vergnügen erwachsener Leser, denen das Spiel mit dem Leser gefällt. Größere Nähe scheint zur “Unendlichen Geschichte” zu bestehen, doch Cornelia Funke geht weiter als Miachel Ende. Ihre Tintenwelt-Trilogie ist durch die Verwebung mit realen existierenden oder fiktiven Büchern erheblich komplexer und lässt sich dadurch vielschichtiger lesen. Man kann sie als fesselnde, farbige, verzaubernde Geschichte ebenso lesen, wie als intertextuelles Werk mit unzähligen mehr ode rminder deutlichen Bezügen. Wenn man will , kann man auch den von ihr angelegten Pfad weitergehen und gelangt zu der mittelalterlichen Vorstellung von der `Welt als Buch´ die Balbulus dem Illuminator vielleicht überhaupt nicht fremd ist. Mo und Meggie scheinen jedenfalls durchaus in Betracht zu ziehen, dass die Welt aus der sie stammen vielleicht auch nur ein Buch ist. Man kann sich aber auch einfach nur in die Geschichte hinein fallen lassen. Und auch dann bleibt Cornelia Funkes Tintenwelt ein lebendiges, verzauberndes, ein beachtliches Werk!

Cornelia Funke: Tintentod. Mit Illustrationen der Autorin, Cecilie Dressler Verlag 2007

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“Sternwanderer” - die Romanvorlage zum Kinofilm

3. August 2007, 11:01:14

Der “Sternwanderer” (Stardust) von Bestsellerautor Neil Gaiman ist 1997  mit Illustrationen von Charles Vess bei DC Comics erschienen. 1999 folgte eine reine Textausgabe, die es auf einige Bestsellerlisten schaffte. Nun ist der erfolgreiche Fantasyroman mit internationaler Starbesetzung (Robert de Niro, Peter O´Toole, Michelle Pfeiffer u.a.) verfilmt worden und kommt am 18. Oktober in die deutschen Kinos. Zu diesem Anlass ist bei Heyne eine Neuausgabe des Romans erschienen.

Das Fantasymärchen spielt im 19. Jahrhundert in einem kleinen Ort in England, der Wall heißt. Den Namen hat das Dorf von einer großen Steinmauer, die eine Grenze zum Feenreich darstellt. Die einzige Verbingung zwischen den beiden Welten, eine Öffnung in der Mauer, wird auf der Dorfseite von Wachtposten bewacht, um zu verhindern, dass unbemerkt Bewohner der einen Seite auf die andere wechseln. Einmal alle neun Jahre ist der Durchgang erlaubt, denn dann findet ein großer Markttag statt. Dunstan Thorn, ein 18-jähriger Bursche aus Wall, kauft auf dem Feenmarkt von einer schönen Feenfrau eine magische Glasblume für die er mit einem Kuss und einem Rendezvous bezahlt… Einige Monate später wird von der Seite der magischen Welt ein Baby durch die Mauer gereicht - Tristran Thorn.

Als Tristran seinerseits schon fast erwachsen ist, ist er in die schöne Victoria Forester verliebt. Victoria aber will einen anderen heiraten und um ihren Verehrer abzuwimmeln, sagt sie, sie würde ihn küssen (und vielleicht sogar mehr), wenn er ihr den Stern brächte, den sie beide gerade als Sternschnuppe auf die Erde haben niederfallen sehen. Tristran aber packt ein paar Sachen zusammen und zieht los, den Stern zu suchen und ihn seiner Angebeteten zu bringen. Da der Stern auf der Seite der Feenwelt  niedergegangen ist, kommen auf Tristran allerlei Abenteuer zu. Im übrigen ist nicht nur er auf der Suche nach diesem Stern, der sich als Sternenfrau entpuppt. Eine Reihe Feenweltbewohner mit magischen Kräften ist ebenfalls unterwegs, darunter eine Hexenkönigin, die der Sternenfrau das Herz herausschneiden will, um damit für sich und ihre Schwestern die Jugend wiederzugewinnen…

In zehn Kapiteln und einem Epilog erzählt Neil Gaiman die Abenteuer Tristrans. Jedem Kapitel ist eine altertümlich anmutende Überschrift vorangestellt, die den Inhalt kurz zusammenfassend, an alte Bücher und Handschriften erinnert. Das gibt dem `Märchen für Erwachsene´ zusätzlich eine besondere Färbung. Die Geschichte selber basiert durchaus auf gängigen   Märchen- und Fantasymotiven die teils neu kombiniert, leicht, heiter und oft mit einem Augenzwinkern erzählt werden. Die Charaktere der Feenwelt sind geheimnisvoll und natürlich gelten dort andere Regeln und Gesetze - ein Umstand der dazu führt, dass der Verlauf der Geschichte und insbesondere sein Ende so nicht wirklich vorhersehbar sind, zumal der Autor einige überraschende Wendungen parat hält.

Das Zusatzmaterial besteht im wesentlichen aus einem kurzen Abriss, der den großen Erfolg der Bücher des Kultautors nachzeichnet, sowie dem Vorwort und Prolog zu einem geplanten Romanprojekt  mit dem Titel “Wall”.

Neil Gaimann: Sternwanderer. Aus dem Englischen von Christine Strüh, Wilhelm Heyne Verlag Ausgabe 04 / 2007.

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