Kuschelhase Felix reist zum Weihnachtsmann

27. November 2008, 18:07:15


Liebevoll ausgestattet sind die Weihnachtsbriefe von Felix eine schöne Einstimmung auf die Weihnachtszeit für junge Leser und Zuhörer ab 6

Sophie ist traurig. Malte und sein Freunde lachen sie aus, weil sie noch an den Weihnachtsmann glaubt. Ihren Kummer vertraut sie ihrem Kuschelhasen Felix an. Hase Felix will Sophie natürlich helfen und schreibt einen Brief an den Weihnachtsmann. Wenige Tage später kommt die Antwort: Felix wird vom Weihnachtsmann eingeladen, ihn am Nordpol zu besuchen. Der reiselustige Hase macht sich zusammen mit dem Nikolaus auf die Reise zum Nordpol, von dort an Weihnachten einmal um die ganze Welt und wieder zurück nach Hause. Unterwegs schreibt er Briefe und macht Fotos, die er an seine Sophie schickt. Und so erfährt Sohie ein bisschen über den Weihnachtsmann, den es solange gibt, wie noch jemand an ihn glaubt und über die Weihnachtsbräuche anderer Länder. Sie hört von Sinterklaas, dem Lucia-Fest in Schweden, von Väterchen Frost und seiner Gehilfin der Schneefrau sowie von der Dreikönigshexe Befana.

Der besondere Clou sind die 5 Briefe, die als echte Briefe mit Briefumschlag und aufgedrucktem Porto ins Buch geklebt sind. Wenn man sie öffnet kommen Briefe vom Weihnachtsmann oder von Felix, der Grundriss des Weihnachtsmann-Hauses, ein Foto von Felix und einem Rentier oder ein Rezept für ein traditionelles Gebäck zum Vorschein. Selbst an das Geschenk, welches Felix Sophie vom Nordpol mitgebracht hat,  ist gedacht worden – eine rote Felix-Zipfelmütze.

Annette Langen: Weihnachtsbriefe von Felix. Ein kleiner Hase besucht den Weihnachtsmann. Mit Bildern von Constanza Droop, Coppenrath 1997

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Literaturportal mit Autorenlesungen

26. November 2008, 13:06:15

zehnSeiten.de bietet zeitgenössischen Autoren eine Lesebühne

Auf ihrer Homepage bietet das Literaturportal zeitgenössischen Autoren die Möglichkeit, aus ihren Büchern einen Ausschnitt von zehn Seiten zu lesen und die Leser damit für ihr Werk einzunehmen. Mehr als 20 Autorenlesungen sind dort schon abzurufen. Darunter sind unter anderem Lesungen von Rafik Shami (Das Geheimnis des Kalligraphen), Norbert Gstrein (Die Winter im Süden, Die englischen Jahre) und Thomas von Steinaecker (Wallner beginnt zu fliegen). Weitere Videolesungen sollen folgen. Der Verzicht auf überflüssigen Schnickschnack ist wohltuend und bringt eine Fokussierung auf das gesprochene Wort mit sich. Ein gelungenes Literatur-Projekt!

Zum Literaturportal zehnSeiten.de geht es hier

Neue Artemis-Fowl-Website online

24. November 2008, 13:32:43


Die Artemis-Fowl-Serie von Eoin Colfer hat sich zu einem erfolgreichen Bestseller entwickelt. Seit ihrem Erscheinen wurden von der bislang fünf Bände umfassenden Reihe 500.000 Hardcover und mehr als eine Million Taschenbücher verkauft.  Seit kurzem ist sogar eine Comic-Adaption erhältlich, bei der der Autor selber mitgewirkt hat. Der sechste Band mit dem Titel Artemis Fowl – Das Zeitparadox erscheint am 13.02.09 . Darin muss Artemis durch die Zeit reisen und gegen sich selbst antreten, um ein Heilmittel für seine Mutter zu beschaffen.

Um den Fans die Wartezeit zu versüßen, ist seit heute eine deutschsprachige Artemis Fowl-Website online, die mit wöchentlich wechselnden Aktionen lockt. Neben Informationen zu Autor und Büchern findet man dort Videobotschaften von Eoin Colfer, Extras wie Wallpaper zum downloaden und ein Forum. Aber es sind auch eine ganze Reihe von Wettbewerben und ein großes Quiz geplant. So gilt es das Cover für das Fan-Magazin zu gestalten, eine Kurzgeschichte zu schreiben und eine neue Figur für die Serie zu erfinden. Die Siegerbeiträge werden im Fan-Magazin gedruckt, welches auf Eoin Colfers Lesereise im kommenden Frühjahr verteilt wird. Unter allen Teilnehmern  werden Eintrittskarten für die Buchpremiere, signierte Bücher und Hörbücher verlost. Besonderes Bonbon ist ein Meet & Greet mit Eoin Colfer…

Mehr Informationen gibt es auf der neuen offiziellen Homepage unter www.artemis-fowl.de

Mann im Dunkel (Paul Auster)

20. November 2008, 14:05:29

Nur eine einzige, dunkle Nacht

Paul Auster ist einer der bekannten Gegenwartsautoren der USA. In Interviews äußert er sich kritisch über die Politik der Bush-Regierung und äußert Hoffnungen auf positive Veränderungen unter einer Regierung mit einem Prädsidenten Barack Obama. Im Herbst erschien sein neuer Roman “Mann im Dunkel”, der von einem alten, schlaflosen Mann erzählt, welcher sich zur eigenen Ablenkung Geschichten ausdenkt. Und auch hier ist unterschwellig die Kritik an der Politik der vergangenen Jahre zu spüren.

August Brill ist 72 Jahre alt, Witwer und hat bei einem Unfall ein Bein verloren. Nachts liegt der ehemalige Literaturkritiker oft schlaflos im Bett und wehrt belastende Gedanken ab. Den Tod seiner Frau zum Beispiel. Mit im Haus wohnen seine Tochter Miriam und Enkelin Katya, deren Freund im Irak getötet wurde. Alle drei haben in der jüngeren Vergangenheit Verlusterfahrungen erlitten und versuchen auf ihre Weise damit fertig zu werden. Miriam vergräbt sich in Arbeit, Katya flüchtet sich in Filme und August  spinnt sich Geschichten zusammen, um nicht im Schmerz zu versinken, wenn er nachts wach liegt. Diese Nacht erfindet er die Geschichte von Owen Brick.

“Die Geschichte handelt von einem Mann, der die Person töten soll, die ihn erschaffen hat – warum also tun, als sei diese Person  nicht ich selbst? Indem ich mich in die Geschichte einsetze, wird sie real. Oder ich werde unreal…”

Owen Brick erwacht in einem dunklen Loch. Ein Soldat befreit ihn aus seiner mißlichen Lage. Brick findet sich in einem Amerika wieder, in dem keinen 11. September und keinen Irakkrieg gegeben hat, indem dafür aber seit einigen Jahren ein Bürgerkrieg tobt. Nach der Wahl im Jahre 2000 ist es aufgrund der Entscheidung des Obersten Gerichtshofs zu Protesten und Krawallen gekommen, später zur Unabhängigkeitserklärung einzelner Bundesstaaten und dann zum Krieg. Und Brick erhält den Auftrag den Mann zu töten, der für diesen Krieg verantwortlich ist – August Brill nämlich, der sich das Ganze ausgedacht hat.

Paul Auster spielt mit großere Leichtigkeit mit den verschiedenen Erzählebenen und lässt sie zeitweise ineinander gleiten: Hier August, dessen Gedanken immer wieder in die Vergangenheit zurückgleiten, dort Owen, der sich in einer verwirrenden Situation wiederfindet und versuchen muss seine Probleme zu lösen. Dass Franz Kafka und Jorge Louis Borges zu den Autoren gehören, die Austers Werk beeinflussen ist hier deutlich zu spüren. Letztlich entschließt Brill sich dazu, diese Geschichte anders enden zu lassen als geplant.

“Giordano Bruno und die Theorie unendlicher Welten. Anspruchsvoller Stoff, gewiss, aber es gibt noch andere Brocken auszugraben.”

Und genau das tut August Brill. Im letzten Viertel des Romans setzt allmählich eine Wendung ein. Der Schlaflose beendet Owen Bricks Geschichte und wendet sich Geschichten aus seinem Leben zu. Zuletzt kommt seine Enkelin, weil sie Geräusche aus seinem Zimmer gehört hat und Brill erzählt ihr im Schutz der Dunkelheit wie er seine Frau Sonia kennen und lieben lernte, sie betrog und verlor, um sie einige Jahre später wiederzuerobern…

Geschichten – die Kraft der Sprache, die sich der Verzweiflung und dem Schmerz widersetzt. Paul Auster gelingt es, selbst einzelne Sätze im Laufe des Romans so mit Bedeutung aufzuladen, dass noch der letzte Satz das ganze Buch widerspiegelt. Grandios!

Paul Auster: Mann im Dunkel. Roman, Aus dem Englischen von Werner Schmitz, Rowohlt 2008

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Links: Interviews mit Paul Auster auf Spiegel Online und Welt Online

“Murus” – die geteilte Stadt

17. November 2008, 18:11:42


Eine Stadt im Jahr 2371. Vor 353 Jahren wurde die große Mauer erbaut, die, so heißt es, die Bewohner von Murus davor beschützt, ins Nicht zu fallen. Jojo ist 14 Jahre alt und lebt in ärmlichen Verhältnissen bei seinen Zieheltern in der Nähe der Mauer. Viele Menschen in der Stadt leben in den unteren Stockwerken halbverfallener Häuser und sind damit beschäftigt ihr Überleben zu sichern. Zusätzlich machen ihnen Jugendbanden die sie überfallen und ausrauben, das Leben schwer. Es scheint, dass diese immer zahlreicher werden. Nur auf der gelben Insel gibt es ein paar wohlhabende Bewohner, zum Beispiel den Kaufmann Omar Musalla.

Eines Nachts hört Jojo unten auf der Straße Geräusche und findet dort ein seltsam aussehendes Mädchen. Obwohl Sie kaum genug für sich haben, nimmt Jojos Ziehmutter Agathe sie auf. Die Fremde ist verletzt, hat einen kahlrasierten Kopf und schläft viel. Da sie sich an nahezu nichts erinnern kann, geben Sie ihr einen neuen Namen – Lotte. Jojo glaubt schon länger nicht mehr so recht an das Märchen vom Nichts jenseits der Mauer. Und die Erinnerungsfetzten die manchmal aus Lotte herausbrechen, hören sich an als sei sie aus einer vollkommen anderen Welt. Lotte ist bestimmt von drüben, denkt er. Bald taucht ein weiterer Fremder auf, der einen Jungen und ein Mädchen sucht. Etwa zur gleichen Zeit macht der reiche Kaufmann Omar Musalla Jojo überraschend das verlockende Angebot ihn kostenlos in seinem Haus ausbilden zu lassen und Jojo findet eine kleine goldene Kapsel, die wohl Lotte gehören muss. Und dann entstehen plötzlich an verschiedenen Orten von Murus neue Mauern…

Martina Wildner hat eine spannende Anti-Utopie mit gesellschaftskritischen Tönen geschrieben. Natürlich ist hinter der Mauer nicht das Nichts, sondern ein materiell wesentlich besser gestellter Teil dieser Zukunftsgesellschaft. Einige Leute profitieren enorm von der Trennung durch die Mauer und haben Interesse daran, die Teilung  mit allen Mitteln aufrecht zu erhalten. Dazu gehört auch die  Schwarze Patrouille – offiziell nur dazu da sicherzustellen, dass die Mauer wo nötig instand gehalten und ausgebessert wird. Inoffiziell gehen ihre Aufgaben deutlich weiter, denn sie “entsorgt” unliebsame Bewohner der wohlhabenden Seite auf der armen Seite, wo diese sich dann nicht mehr an ihr früheres Leben erinnern. Darunter sind auch etliche, die durch kritische Fragen aufgefallen waren.

Murus ist zwar spannend geschrieben und erinnert in Teilen an einen Thriller für Jugendliche, ist aber weniger eine Lektüre für Leser die reine actionreiche Spannung suchen. Lotte und Jojo machen Entdeckungen, die dazu geeignet sind zum Nachdenken anzuregen. Schon die “Muralistik”, eine Wissenschaft vom Sein und Sinn von Mauern der verschiedensten Art, die im privilegierten Teil gelehrt wird, bietet Raum für philosophische und ethische Fragestellungen. Bezüge zu unserer Welt (die dort natürlich als tiefe Vergangenheit erscheint) laden dazu ein, über die Mauern die auch heute (real wie in den Köpfen der Menschen) vorhanden sind nachzudenken. Das neue Jugendbuch von Martina Wildner ist bis zum offenen und befremdenden Ende von hohem Anspruch!

Martina Wildner: Murus. Bloomsbury Kinderbücher und Jugendbücher, 2008, ab 12

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Zur Autorin: Martina Wildner wurde 1968 im Allgäu geboren. Sie studierte zunächst einige Semester Islamwissenschaften und anschließend Grafikdesign. Für ihr 2003 erschienens Buch Jede Menge Sternschnuppen (Beltz & Gelberg) hat sie den renommierten Peter-Härtling-Preis erhalten.

Eragon 3 – Verkaufserwartungen übertroffen!

14. November 2008, 11:36:29


Schon am Erstverkaufstag von Christopher Paolinis drittem Teil der Drachen-Saga wurde Eragon 3 – Die Weisheit des Feuers deutschlandweit mehr als 150.000 mal verkauft. Auch in den darauffolgenden Tagen ging die Erfolgsstory weiter und so wurden innerhalb der ersten Woche mehr als 600.000 Exemplare von Eragon 3 ausgeliefert. Dies gab die Verlagsgruppe Random House bekannt, zu dem der Kinder- und Jugenbuchverlag CBJ gehört. Zurzeit steht Die Weisheit des Feuers sowohl auf der Spiegel-Bestsellerliste (Belletristik Hardcover) als auch auf der Amazon-Bestsellerliste auf Platz 1 !

Der Link zur offiziellen Website lautet www.eragon.de

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Fletcher Moon – Privatdetektiv (Eoin Colfer)

12. November 2008, 13:20:01


Anders als zum Beispiel in den Artemis Fowl-Büchern oder in der Serie um Cosmo Hill, verwendet Bestseller-Autor Eoin Colfer in seinem Krimi um jungen Privatdetektiv Fletcher Moon keine Fantasy- oder Science Fiction-Elemente.

“Mein Name ist Moon. Fletcher Moon. Und ich bin Privatdetektiv.”

Fletcher ist zwölf Jahre alt und hat einen Online-Privatdetektivkurs an einer privaten Akademie gemacht. Um den Kurs abzuschließen und eine Detektivmarke zu bekommen, hat er die Geburtsurkunde seines gleichnamigen Vaters eingereicht. Im zarten Alter von  drei Jahren hat er seinen ersten Fall gelöst. Ständig steckt er seine Nase in die Angelegenheit anderer und schafft sich damit nicht unbedingt Freunde. Seine geringe Körpergröße hat ihm den Spitznamen “Halbmond” eingetragen und viele halten ihn einfach  nur für einen Klugscheißer mit einem Detektiv-Tick.

Etwa ein Dutzend Fälle um verschwundene Pausenbrote und ähnliches hat er in der Zwischenzeit aufgelöst und fühlt sich nun erfahren genug, um größere Herausforderungen anzunehmen. Da beauftragt ihn die barbiepuppenhafte Avril eine verschwundene Locke des Popstars Shona Biederbeck wiederzufinden und den Dieb zu überführen. Avril hat da auch einen ganz konkreten Verdacht. Red Sharkey war´s, einer der Söhne aus der berüchtigten Sharkey-Familie. Nun denn, Red Sharkey war es auch, der ihm just an diesem Tag seinen wertvollsten Besitz, die Detektivmarke, geklaut hat…

Die Ermittlungen geraten bald außer Kontrolle. Weitere Diebstähle und Vorfälle sind in dem kleinen Ort Lock geschehen und es scheint, dass sie in engem Zusammenhang zueinander stehen. Um an Informationen zu kommen, verlässt Detektiv Moon den legalen Boden und greift mit seinem iBook und einem falschen Account auf die Website der Polizei zu.  Fletcher lässt sich in das Geschehen hineinziehen, wird erst krankenhausreif geprügelt und gilt bald auch als einer der Hauptverdächtigen. Nur wenn er flüchtet und den oder die Täter überführt, kann er seine Unschuld beweisen. Aber er erhält auch Hilfe von unerwarteter Seite und kann so den kniffligen Fall einer Lösung zuführen.

Eoin Colfer greift an der einen und anderen Stelle zu Klischees um seine Figuren und ihre Handlungsweisen zu beschreiben. Da er aber selbstironisch damit umgeht und die Figuren überzeichnet, ist man geneigt ihm dies zu verzeihen, zumal sein Detektiv-Krimi temporeich, witzig und spannend geschrieben ist.

Eoin Colfer: Fletcher Moon – Privatdetektiv. Roman, Aus dem Englischen von Catrin Frischer, List Taschenbuch 2008, ab 11

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Krimi mit Mystery-Komponente

7. November 2008, 10:26:18


Grauenvolle Funde machen der Polizei in Schleswig-Holstein zu schaffen: ein Serienmörder foltert junge Mädchen zu Tode, in den Rücken der Opfer brennt er eine Widmung ein: “Für Luisa, in Liebe.” Gemeint ist damit die Fotojournalistin Luisa Miller, die der Mörder zusätzlich in Telefonanrufen bedroht. Es gibt kaum Spuren, zunächst auch keine verwertbare DNA. Dafür aber eine seit 8 Jahren ungeklärte Mordserie in Leipzig, die den Schluß nahelegt, dass es sich um denselben Täter handelt.

Luisas Lebensgefährte Kurt lässt sie mehr oder minder mit ihren Problemen allein, ihre Kollegen von der Presse stürzen sich auf sie, die Polizei hält sie  für verdächtig und auch viele Dorfbewohner machen sie mindestens indirekt für den Tod der Mädchen verantwortlich. Da klingelt ein Mann an der Tür, der unweit von ihrer Kate eine Reifenpanne hat und darum bittet, ihr Telefon benutzen zu dürfen. Sie verliebt sich in den Fremden, von dem sich bald herausstellt, dass es der bekannte Dirigent Morten Vanderberg ist. Vor einigen Jahren wurde er verwirrt und mit Gedächtnisverlust auf einem Friedhof im Elsass aufgefunden und in eine psychiatrische Klinik gebracht. In seiner Wohnung hängt ein Frauenporträt aus dem 17. Jahrhundert, welches eine überraschende Ähnlichkeit mit Luisa aufweist – Isabella de Ferrera. Für Augenblicke verwechselt er Luisa manchmal mit ihr und sein Geständnis, die Reifenpanne vorgetäuscht zu haben um sie kennenzulernen, nährt Zweifel… Doch das Spiel geht weiter und bald scheinen alle Menschen aus Luisas naher Umgebung verdächtig. Wem kann sie noch vertrauen?

Stefanie Baumm baut zum Teil auf gängigen Krimi-Motiven auf, die sie mit einer Liebesgeschichte verquickt. Hier begibt sie sich in gefährliche Nähe zu trivialen Liebesromanen. Das Motiv der unsterblichen Liebe, verbunden mit dem Reinkarnationsgedanken, ist sicher nicht jedermanns Sache. Die Autorin legt zahlreiche falsche Fährten, doch recht früh drängt sich ein Verdacht auf, der sich bestätigen wird. Da aber genug Verdächtige und Unklarheiten bleiben, bleibt die Spannung bis zum Ende erhalten. Ihr Stil ist oft knapp, manchmal atemlos, gekennzeichnet von einer Neigung zu kurzen, aneinander gereihten Sätzen und einer Reduktion auf das Wesentliche. Die Mißhandlung der Opfer spart sie nahezu aus und überlässt es dem Leser, wie und wieweit er seine Phantasie gehen lassen will. Die Gedanken der sterbenden Mädchen werden ästhetisch überhöht dargestellt. Leser denen blutrünstige Krimis nicht liegen, werden dies mit Wohlwollen feststellen.

Fazit: Trotz einiger Schwächen hat dieser Krimi etwas fesselndes und treibt den Leser in Erwartung der Auflösung durch das Buch.

Steffanie Baumm: Unsterblich wie der Tod. Kriminalroman. Knaur Taschenbuch 2008

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Von Stefanie Baumm ist ein weiterer Krimi mit dem Kieler Ermittlerduo ist bei Droemer Knaur als Hardcover erschienen: Der Tod wartet nicht .

Roman goes Comic

3. November 2008, 13:04:06


Thomas von Steinaeckers Romandebüt Wallner beginnt zu fliegen stand auf der Shortlist für den Deutschen Buchpreis 2007 und gewann den aspekte-Literaturpreis für das beste deutschsprachige Erstlingswerk. In der Tat handelt es sich bei diesem Roman um ein außergewöhnliches Werk, mit dem der Autor bewiesen hat, dass er zu außergewöhnlicher Literatur fähig ist. Grund genug also, weitere Werke diese Schriftstellers mit Interesse zu betrachten. Im September erschien nun von Steinaeckers neuer Roman Geister.

Jürgen Kämmerer hätte eine Schwester gehabt. Doch kurz vor seiner Geburt verschwand die sechsjährige Ulrike und ihr Schicksal ist ungeklärt. Ulrike geistert aber auf Fotos und in Dokumentarfilmen weiter durch das Leben der Familie. Die Eltern haben das ungeklärte Verschwinden ihrer Tochter nie verwunden und auch Jürgen leidet an der Situation. Schon als Schüler hat er eine Neigung, sich aus der Realität auszuklinken und zu phantasieren. In seinem Tagebuch führt er Gespräche mit seiner großen Schwester.

Jahre später wendet sich die Comic-Zeichnerin Cordula Maas an Jürgen. Einer der Dokumentarfilme über den Fall von Ulrike hat sie dazu inspiriert “Ute”-Comics zu zeichnen und sie ist damit recht erfolgreich. Jürgen reagiert zunächst ablehnend, doch die geheimnisvolle Cordula erweist sich als hartnäckig.

“Mit jeder Stunde, so scheint es, wird seine Umgebung grauer, schließlich schwarzweiß, als flösse die Farbe der Comics wieder ab.”

Jürgen lässt sich mehr und mehr auf die Comic-Welt ein. Die Comics machen sein Leben bunter, beflügeln ihn für eine Weile. Seine Arbeit und seine Sozialkontakte werden ihm dabei zunehmend unwichtiger. Dafür wartet er wie ein Süchtiger auf die Veröffentlichung des nächsten Comic-Strips. Die bunte Welt der Comis erscheint ihm realer als die Wirklichkeit und er droht sich im “Ute”-Universum zu verlieren…

Zu Beginn des Buches fühlt man sich ein bisschen an den Wallner erinnert, denn Jürgen phantasiert sich verschiedene vergangene und zukünftige “Realitäten” zusammen. Was davon ist “real”, was nicht? Der Autor schafft beim Leser eine Verunsicherung, die mit der Unsicherheit Jürgens im weiteren Verlauf der Handlung korrespondiert. Erfreulicherweise ist der Roman aber so konzipiert, dass der Leser recht schnell wieder den Überblick zurückgewinnt. Der Romantext wird ab dem Autreten der Zeichnerin durch eingeschobene Comic-Strips ergänzt und macht Jürgens drohendes Abgleiten in eine fikive Parallelwelt in der Lektüre wie in optischer Hinsicht augenfällig. Anspielungen und Zitate verweisen u.a. auf Comics und Filme, eine eigens eingestellte Website der fiktiven Figur Cordula Maas treibt das Spiel mit der Realität auch über den Roman hinaus noch weiter. Thomas von Steinaecker erprobt auch in Geister neue Wege zu erzählen – das zweite Romanexperiment ist ihm ebenfalls gut geraten.

Thomas von Steinaecker: Geister. Mit Comics von Daniela Kohl. Frankfurter Verlagsanstalt 2008

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