Tilman Rammstedt gewinnt Ingeborg-Bachmann-Preis

30. Juni 2008, 07:09:18

Der 1975 in Bielefeld geborene Tilman Rammstedt ist Preisträger des 32. Ingeborg-Bachman-Preises. Er erhält die mit 25.000 Euro dotierte Auszeichnung für einen Auszug aus seiner Familiengeschichte “Der Kaiser von China”. Der Autor beschreibt darin eine problematisch Beziehung zu seinem Großvater und überzeugte damit auch das Publikum, welches ihn in der Internetabstimmung für den Publikumspreis (6.000 Euro) wählte.

Zusätzlich zum Hauptpreis und zum Publikumspreis wurden noch weitere Preise vergeben: Der mit 10.ooo Euro Preisgeld verbundene Telekom Austria Preis ging an den Schriftsteller Markus Orths, Patrick Findeis aus Berlin hat den 3sat-Preis (7.500 Euro) gewonnen. Der Österreicher Clemens J. Setz erhielt den mit 7.000 Euro verbundenen Ernst-Willner-Preis.

Musikgeschichte in Geschichten

26. Juni 2008, 10:16:31


Im Hanser Verlag ist im Frühjahr eine Musikgeschichte von Rudolf Herfurtner erschienen, gedacht für Leser ab 10 Jahren. “Geschichten von Bach bis Elvis Presley” heißt ihr Untertitel, der den Leser allerdings ein kleines bißchen in die Irre führt: Herfurtner beginnt in Wirklichkeit und konsequenterweise bei den Mythen über die Entstehung der Musik an. Der Autor beleuchtet wichtige Stationen der Musikgeschichte. Seine Leser erfahren wie man sich das Musizieren im Mittelalter vorstellen muss, hören von Gregorianischen Gesängen, vom Minnesang und Sängerfesten. Er erklärt die neuen Entwicklungen in der Renaissance, dem Barock erzählt von der Erfindung der Oper und geht selbstverständlich auf Musikgrößen wie Händel, Bach, Mozart und Beethoven. Natürlich darf auch die Musik der Romantik, Klassik etc. nicht fehlen. Seine Zeitreise endet mit einem Blick in das musikalische Kaleidoskop des 20. Jahrhunderts.

Man darf sich diese Musikgeschichte nicht als eine trockene Sammlung von Wissen vorstellen. Geschickt wechselt der Autor zwischen essayhaften, locker geschriebenen Passagen, in denen er Hintergründe beleuchtet und geschichtliche wie kulturelle Zusammenhänge herstellt und kleinen Geschichten, die mal von alten Mythen und Märchen, mal erfundene Geschichten von Komponisten, Musikern, ja sogar von einem aufregenden Museumsbesuch erzählen. Diese sind mal spannend, mal anrührend, vereinzelt ein bisschen gruselig und immer unterhaltsam. Damit bewegt sich das Buch an der Grenze zwischen Belletristik und Sachbuch. Gedacht ist es wohl für junge Leser, was sich auch an der Art der Ansprache des Lesers bemerkbar macht. Es ist ein vertraulicher Plauderton, bildreich und bemüht mit wenigen Fachausdrücken auszukommen. Diese werden im übrigen sowohl im Text selber als auch in einem Anhang erklärt.

Und weil man Musik nicht wirklich lesen, sondern nur hören kann, gehört eine CD mit 22 Hörbeispielen (Gesamtspielzeit über 78 Minuten) dazu. Buch und CD sind eng aufeinander bezogen. Die Beispiele beziehen sich auf die angesprochenen musikalischen Entwicklungen oder Werke, ein entsprechender Hinweis im Buch weist jeweils an der richtigen Stelle auf das Hörbeispiel hin. Absolut empfehlenswert!

Rudolf Herfurtner: Ohne Musik ist alles nichts. Geschichten von Bach bis Elvis Presley, Illustration und Gestaltung von Hildegard Müller, Hanser 2008

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Heinrich-Heine-Preis für Amos Oz

23. Juni 2008, 09:29:36

Der israelische Schriftsteller Amoz Oz erhält den Heinrich-Heine-Preis der Stadt Düsseldorf. Die Preisverleihung soll voraussichtlich am 13. Dezember, dem Geburtstag Heines stattfinden. Der Heine-Preis wird nach den Bestimmungen alle zwei Jahre “an Persönlichkeiten verliehen, die durch ihr geistiges Schaffen im Sinne der Grundrechte des Menschen, für die sich Heinrich Heine eingesetzt hat, den sozialen und politischen Fortschritt fördern, der Völkerverständigung dienen oder die Erkenntnis von der Zusammengehörigkeit alle Menschen verbreiten.” Amoz Oz wird mit dem Preis nicht nur für sein literarisches Werk, sondern auch für seinen Einsatz um die Verständigung zwischen Israelis und Palästinensern ausgezeichnet. Für sein Engagement in der israelischen Friedensbewegung und gegen Fanatismus und Gewalt hat der Schriftsteller 1992 den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels erhalten.

Frühere Heine-Preisträger sind unter anderem Carl Zuckmayer, Günter Kunert, Max Frisch, Hans Magnus Enzensberger und Robert Gernhardt.

Weitere Informationen: Mitteilung der Stadt Düsseldorf

Georg-Büchner-Preis 2008 wird an Joseph Winkler verliehen

18. Juni 2008, 09:29:25

Der mit 40.000 Euro dotierte und wohl bedeutendste deutsche Literaturpreis wird am 1. November an den 55-jährigen Österreicher Josef Winkler verliehen.

Tod, Katholizismus und Homosexualität sind die Themen Joseph Winklers. Sein bisher erfolgreichstes Buch ist das 2001 erschienene “Natura morta. Eine römische Novelle”. Der Schriftsteller hält seine Sprache für zu kompliziert, um von einem breiten Publikum gelesen zu werden. Ihm geht es nach eigener Aussage bei seiner Literatur weniger um das Mitgeteilte, als um die Sprache, den Klang der Wörter und Sätze. Im September soll bei Suhrkamp sein nächstes Buch erscheinen. Der Titel lautet: “Ich reiß mir eine Wimper aus und stech dich damit tot“.

In den Feuilletons wird die Verleihung des Büchner-Preises an Winkler unterschiedlich aufgenommen. Hierzu einige ausgewählte Links:

Deutsche Welle: Georg-Bücher-Preis für Joseph Winkler

FR-online.de: Abgesang auf eine untergehende Welt

Spiegel Online: Medizin für Melancholiker

Welt online: Nur den Katholizismus zu verdammen, ist zu wenig

Joyce Carol Oates (70. Geburtstag)

16. Juni 2008, 08:28:51

Joyce Carol Oates wurde am 16. Juni 1938 in Lockport im Bundestaat New York geboren und gilt als eine der wichtigsten und produktivesten amerikanischen Gegenwartsautorinnen. Sie stammt aus einfachen Verhältnissen und studierte Literatur und Philosophie. Seit 1978 lehrt sie an der Princeton-Universität in New Jersey - aktuell “Creative Writing” und Literaturgeschichte.

Zu ihrem umfangreichen Werk gehören nicht nur Romane, Kurzgeschichten und Dramen, sondern auch Lyrik, Essays und sogar Kinder- und Jugendliteratur. Neben vielen anderen Auszeichnungen hat sie den National Book Award und mehrfach den O.-Henry-Preis erhalten. Seit Jahren ist sie auch immer wieder als Kandidatin für den Literaturnobelpreis im Gespräch.

Oates zeigt in ihren Werken die Schattenseiten der amerikanischen Gesellschaft auf. Ihre Sympathie gilt den Opfern, aus deren Sicht der Leser die Geschehnisse geschildert bekommt. In ihren Jugendromanen setzt sie sich meist mit den Problemen des Erwachsenwerdens auseinander.

Rezension(en) im Literatur Blog:

Nach dem Unglück schwang ich mich auf, breitete meine Flügel aus und flog davon

Sexy

Grimme Online Award 2008 für Literaturport

16. Juni 2008, 07:45:46

Die Website Literaturport ist am 11. Juni 2008 mit dem Grimme Online Award 2008 in der Sparte “Kultur und Unterhaltung” augezeichnet worden. Das Internetangebot des Brandenburgischen Literaturbüros und des Literarischen Colloquiums Berlin informiert hier in Bild, Text und Ton über Literatur insbesondere in Bezug zur Region Berlin/Brandenburg.

Im Autorenlexikon findet der Leser Einträge von zeitgenössischen Autoren, die von den Autoren selbst verfasst worden sind. Die Beiträge zu den historischen Autoren sind auf deren Leben und Wirken in der Region bezogen. Unter Literatouren kann der Nutzer einen Spaziergang mit Berliner Autoren wie Katja Lange-Müller, Judith Hermann, Tanja Dückers und anderen machen. Zum Angebot gehören auch ein paar vorgelesene Leseproben. Weiterhin gibt es einen Veranstaltungkalender, eine Rubrik mit Preisen und Stipendien sowie unter dem Stichwort Leselampe knappe Buchempfehlungen mehr oder weniger bekannter Zeitgenossen.

Links:

Grimme Online Award

Literaturport.de - Der Literaturhafen im Internet

Druckfrische Neuerscheinungen der Monate Mai und Juni

13. Juni 2008, 15:45:37

Die Rezensionen folgender, im Mai und Juni erschienener Bücher werden hier im Literatur Blog bald zu lesen sein:

Bestseller: Die Kathedrale des Meeres (Ildefonso Falcones)

13. Juni 2008, 11:06:03

Die Kathedrale des Meeres erzählt das Leben des im 14. Jahrhundert unfrei geborenen Arnau Estanyol, der als Kind mit seinem Vater vom Land in die freie Stadt Barcelona geflüchtet ist, um nach einem Jahr und einem Tag freier Bürger der Stadt zu werden. Sein Leben ist eng mit der Jungfrau Maria und der großen Kirche Santa Maria del Mar verbunden, die vom Volk für das Volk gebaut wird. So wie unter großen Anstrengungen, unter Freuden und Mühen der Bau der Kirche in den Himmel wächst, so wächst auch Arnau an den Aufgaben, die sein Leben ihm auferlegt.

Die Handlung setzt mit der Hochzeit seines Vaters Bernat, einem recht vermögenden Bauern, mit der jungen Francesca ein. Unglücklicherweise kommt sein Lehnsherr bei einem Jagdausflug an der Hochzeitsgesellschaft vorbei und beansprucht das Recht auf die erste Nacht. Diese und weitere willkürliche Handlungen des Herrn von Navarcles führen dazu, dass Bernat wenige Zeit später seinen eigenen Sohn entführen muss, um ihn vor dem sicheren Tod zu retten. Es bleibt ihnen nichts anderes übrig als alles aufzugeben und in die Stadt zu fliehen, wo Bernats Schwester wohnt.

Nachdem Vater und Sohn freie Bürger Barcelonas geworden sind, können sie sich frei in der Stadt bewegen. Als sich Arnau mit Joanet befreundet, fangen die beiden Jungen an gemeinsam durch die Stadt zu streifen. Gemeinsam suchen die beiden nach der Jungfrau Maria, die sich Arnau in seinem kindlichen Verständnis als Ersatzmutter auserkoren hat. So kommen sie zur Baustelle von Santa Maria del Mar und sind nicht nur von dem Bau beeindruckt, sondern auch davon, dass hier das Volk selber seiner Schutzpatronin eine Kirche baut. Gerne wollen auch sie zum Bau der Kirche beitragen und indem die Kinder Wasserträger für die schwer arbeitenden Lastenträger werden, fühlen sie sich der Gemeinschaft zugehörig.

Später wird Arnau selber als Lastenträger riesige Steine für den Bau der Kirche herantragen, wird nach seinem Aufstieg zum Geldwechsler und Seekonsul mit seinem Vermögen den Bau der Kirche unterstützen. Mit seiner Menschenfreundlichkeit und seiner Bodenständigkeit schafft er sich viele Freunde, aber nicht alle sind Arnau wohlgesonnen. Trotz seines Aufstiegs hat er seine Herkunft nicht vergessen, seine Börse ist voll aber der Charakter und der unbeugsame Freiheitswille sind geblieben. Damit schafft er sich Neider und mächtige Feinde, die eine finstere Intrige spinnen um ihn zu Fall zu bringen.

Der historische Roman hat alles was man bei einem solchen Buch erwartet: Schicksalsschläge, Freundschaft, Liebe, Verrat und Intrigen - das bewegte Leben der Hauptfigur hat dies und noch eine ganze Reihe mehr zu bieten. Die Willkür des Adels, Krieg, Pest, Inquisition und Judenhass beeinflussen das Leben Arnaus und seiner Freunde in großem Maße. Viele Geschehnisse sind von langer Hand angelegt oder gehören zum üblichen Inventar des Genres. Aufmerksame Leser können sich also mitunter denken, was noch kommen wird oder wie die Lösung eines Problems aussehen könnte. Dennoch ist dies ein historischer Roman von gutem Unterhaltungswert, leicht lesbar, wenn auch sprachlich schmucklos.

Ildefonso Falcones: Die Kathedrale des Meers. Historischer Roman. Aus dem Spanischen von Lisa Grüneisen, Scherz 2007

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Das rostrote Buch (Nina Bernstein)

6. Juni 2008, 11:26:37


Eines Sommerabends, als Anne und Emiliy ihre aus der Bücherei mitgebrachten Schätze durchstöbern, entdecken sie ein rostrotes Buch, das keines der beiden neun und elf Jahre alten Mädchen in der Bibliothek ausgesucht hat. Neugierig fangen die beiden an das Buch zu lesen und stellen fest, dass es sie beide beschreibt, wie sie das rostrote Buch entdecken und darin anfangen zu lesen, bis plötzlich Nebel aufkommt und sie sich im Sherwood Forest befinden…

Unschwer ist zu erkennen, dass sich “Das rostrote Buch” in der Tradition jener zauberhaften Bücher findet, zu denen man auch Michael Endes Unendliche Geschichte und die Tintenherz-Trilogie von Cornelia Funke zählt. Bücher, die die Fantasie und das Lesen feiern und schon aus diesem Grunde bei Leseratten oft beliebt sind. Diese Sommerferien werden Anne, Emiliy und ihr kleiner Bruder Will jedenfalls nicht so schnell vergessen. Nachdem die beiden Schwestern von ihrem Abenteuer mit Robin Hood zurückgekehrt sind, versuchen sie ihre Entdeckung vor ihrem kleinen Bruder zu verheimlichen und in eine neue Geschichte zu schlüpfen. Aber das Buch lässt sich nicht weiter umblättern und so warten sie sehnsüchtig darauf, dass es bald wieder passiert. Eine ganze Zeit vergeht, doch dann wird ihre Geduld belohnt.

Mal alleine, mal alle zusammen finden sie sich in ihren Lieblingsbüchern wieder und erleben dort Abenteuer, die ihren Mut und ihren wachen Kopf herausfordern. Die Welten die sie entdecken, sind entprechend dem Alter und der Neigungen der Kinder sehr unterschiedlich. Der Jüngste, fast sieben Jahre alt und ein großer Insektenliebhaber findet sich beispielsweise in einem Land namens Jardinia wieder, wo er den Gnobolden im Kampf gegen ein wahrhaftes Insektenungeheuer beistehen muss, während Anne, nicht mehr ganz Kind und doch noch lange nicht erwachsen, mal Balladen aus fernen Kindertagen und mal Bilder aus Tolstois Krieg und Frieden zu neuem Bücherleben erweckt.

Nina Bernsteins Kinderbuch ist gut verständlich und flüssig zu lesen. Der Wechsel zwischen Fantasiewelt und realer Lebenswirklichkeit der Geschwister ist gut nachvollziehbar. Die Rückbindung der Geschehnisse an die Realität gibt einerseits Anlass zu allerlei humorvollen Kommentaren, verleiht andererseits dem Buch zusätzliche Tiefe. Alle Kinder machen auf ihre Weise in diesem zauberhaften Sommer eine Weiterentwicklung durch, die sie befähigt dem kommenden Lebensabschnitt mit neuer Frische zu begegnen. Kritisch anzumerken bleibt, dass aus Sicht des Lesers das Buch gerne etwas länger hätten ausfallen können, um den jeweiligen Geschichten mehr Raum zu geben - was ja dann schon wieder fast ein Kompliment ist.

Nina Bernstein: Das rostrote Buch. Illustriert von Boris Kulikov. Deutsch von Beatrice Howeg, Berlin Verlag / Bloomsbury 2008, ab etwa 10 Jahren.

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Eine Agentenstory als Graphic Novel

2. Juni 2008, 18:58:37


Isabel Kreitz ist wohl die bekannteste Comic-Zeichnerin Deutschlands. 1997 wurde sie mit dem Deutschen Comic-Preis ausgezeichnet. Neben eigenen Storys zeichnet sie auch Comic-Adaptionen wie zum Beispiel Erich Kästners “Der 35. Mai” und “Die Entdeckung der Currywurst” nach dem Roman von Uwe Timm. “Die Sache mit Sorge” spielt zwischen Mai und Oktober 1941, den letzten fünf Monaten im Leben des deutschen Journalisten und Spions Dr. Richard Sorge.

1941 reist die Cembalo-Spielerin Eta Harich-Schneider nach Tokio und wohnt im Hause des deutschen Botschafters Eugen Ott. Sie lernt dort Richard Sorge kennen, der regelmäßig im Hause verkehrt. Zwischen den beiden entbrennt eine Affäre. Schon bald gesteht Sorge ihr seine Spionagetätigkeit für die Sowjetunion. Doch dort hört man nicht auf ihn, als er vor einem geplanten Überfall der Wehrmacht auf die Sowjetunion warnt. Denn Stalin glaubt weiterhin an den Nichtangriffspakt mit Deutschland…

Isabel Kreitz nähert sich der Figur Richard Sorge von mehreren Seiten. Neben seiner Spionagetätigkeit zeigt sie den Menschen Sorge, der an der Einsamkeit seines Berufs zerbricht, der Alkoholsucht verfällt und zuletzt leichtsinnig seine Sicherheit und die seiner Mitarbeiter im Sorge-Ring auf´s Spiel setzt. Nebenbei schildert sie das realitätsfremde Leben der nationalsozialistischen deutschen Gemeinde in Tokio, die weiterhin ihr kulturelles Leben mit Konzerten und Cocktailpartys pflegt…

In die szenischen Darstellung der Geschehnisse fügt die Autorin mehrfach Seiten ein, die mehr erzählenden Charakter haben. Verschiedene Personen aus dem Umfeld Sorges äußern sich dort zu den Ereignissen aus ihrer jeweils subjektiven Sicht und helfen dem Leser die Geschehnisse besser einzuordnen. Sie erinnern an die Interviews von Zeitzeugen, wie sie in den letzten Jahren vielfach in historischen Doku-Sendungen im Fernsehen zu sehen sind.

Der Klappentext preist das Buch als eine Geschichte fern aller Agentenklischees. Dem ist insofern zuzustimmen, als diese Graphic Novel sicher nichts für Leser ist, die nach einer typischen actionreichen Agentengeschichte suchen. Die Comicautorin hat für diese Story verschiedene Quellen aus Ost und West herangezogen und die unterschiedlichen Blickwinkel berücksichtigt. Das Bemühen, die Geschehnisse historisch fundiert und aus mehreren Perspektiven darzustellen ist vielfach zu spüren. Die Folge ist, dass dieses Buch dadurch weniger im klassischen Sinne unterhaltend, aber dafür informativer auf den Leser wirkt, als man dies zuerst vermuten würde. Historisches Hintergrundwissen ist zum besseren Verständnis der Handlung jedoch sehr hilfreich. Insofern ist die achtseitige Dokumentation im Anhang ausdrücklich positiv hervorzuheben.

Fazit: “Die Sache mit Sorge” ist eine ernst zu nehmende Graphic Novel für geschichtsinteressierte Leser ab 16 Jahren. Leser die nach einem packenden Agententhriller suchen, sind jedoch wahrscheinlich mit anderen Büchern besser bedient.

Isabel Kreitz: Die Sache mit Sorge. Stalins Spion in Tokio. Mit einer Dokumentation von Frank Giese, Carlsen 2008.

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