Kleine Geschichten gegen Angst und Kummer

30. Mai 2008, 11:00:44


Im Loewe Verlag ist zu Beginn des Jahres die Neuausgabe einer kleinen Geschichtensammlung erschienen. Sie enthält mehr als 30 kurze Geschichten, die zum vorlesen für Kinder im Vorschulalter gedacht sind. Die meist zwei bis drei Seiten langen Geschichten verschiedener Autoren knüpfen am Alltag der Kinder an. Da geht es zum Beispiel um die ersten Schritte in die Welt hinaus, die für die Kleinen oft schon richtige Abenteuer sind. Das Rutschen von der großen Rutsche etwa oder der erste allein bewältigte Einkauf. Mit dabei sind auch die in Kinderzimmer weitverbreiteten Nachtgespenster und Bettmonster. Da geht es auch mal um den Tod eine Haustiers, den Streit in der Familie oder unter guten Freunden und wie man mit solchen Situationen umgehen kann. Kleine Trostgeschichten sind auch dabei und zeigen den Kindern, dass es nicht schlimm ist, wenn mal etwas nicht klappt. Dann versucht man es eben einfach nochmal!

Mit diesem Buch haben Eltern eine Sammlung an ansprechend illustrierten und lebensnahen Geschichten zum Vorlesen zur Verfügung, die darüber hinaus sehr gut geeignet sind, gemeinsam mit ihren Kindern zum Beispiel darüber zu reden, was diese erlebt haben: So können die Eltern an der Lebenswelt ihrer Kleinen teilnehmen, lernen ihre Gefühle und Ängste kennen und können gemeinsam mit ihnen nach Lösungen suchen.

Dich gibt´s nur einmal auf der Welt. Geschichten, die Kinder stark machen. Coverillustration von Dagmar Henze. Loewe, veränderte Neuausgabe 2008, ab 4

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Zeitreise-Abenteuer mit historischem Hintergrund

23. Mai 2008, 09:03:02


Kim ist Halbchinese und wohnt seit ein paar Wochen übergangsweise bei seiner Großtante Betty. Von seinem Großvater Kao hat er eine Reiseuhr mitbekommen, damit er ihn bei Heimweh besuchen kann. Als er die Uhr ausprobieren wollte, ist Kim mit seinen neuen Freunden Lisa, Dennis und Hund Willi im Jahre 1617 am Hof von König Ludwig XIII gelandet. Dieses Abenteuer erzählte Eva Maaser in ihrem ersten Kinderbuch mit dem Titel “Kim und die Verschwörung am Königshof“.

Nur wenig Zeit ist seitdem vergangen, als auf die drei Freunde schon eine neues Zeitreise-Abenteuer wartet. Dennis hat Ärger mit Lisas Klassenkamerad Latte, der ihn erpresst. Als Latte Dennis verprügelt und seine neue Taucheruhr zertritt versucht Dennis Kim zu einer Zeitreise zu überreden. Doch Kim will erst herausfinden, wie der Mechanismus funktioniert und lässt sich nicht darauf ein. Dennis macht sich heimlich an der Uhr zu schaffen. Lisa und Kim werden durch verdächtige Geräusche auf ihn aufmerksam und kommen gerade noch noch rechtzeitig hinzu. Als das Herumgewirbel und Getöse aufhört, glauben sie zunächst immer noch auch Tante Bettys Dachboden zu sein. Bald darauf finden sie heraus, dass sie sich auf einem Schiff befinden, dass gerade in eine schwere Sturmfront hineinfährt. Als das Trio den Laderaum verlässt, um Wasser und Hilfe für den schwerverletzten Hund Willie zu besorgen, werden sie von der Mannschaft erwischt und müssen als Schiffsjungen arbeiten.

Anfang des 18. Jahrhunderts war die Seefahrt noch ein riskantes Abenteuer. Obwohl es schon etliche Seekarten gab, irrten die Schiffe oft über die Weltmeere, da es noch keine sichere Methode gab, um den Längengrad der Schiffsposition zu bestimmen. Es entbrannte ein Wettstreit um die zuverlässigste Methode diesen zu ermitteln. Die Kinder befinden sich auf einem englischen Schiff, in der die Vertreter zweier Methoden um den Sieg wetteifern: Auf der einen Seite der Astronom Maskelyne, der versuchten den Längengrad mit Hilfe eines Sextanten und des Mondes zu berechnen, auf der anderen Seite der Uhrmacher Harrison junior, dessen Vater eine Uhr gebaut hat, von der er sagt, dass sie selbst auf hoher See so präzise und zuverlässig sei, dass man mit ihrer Hilfe den Längengrad sicher bestimmen könne. Durch einen Zufall bekommen Kim, Lisa und Dennis heraus, dass die Uhr sabotiert werden soll. Aber Lisa hat einen Plan, wie sie das vielleicht verhindern können…

Spannung erzielt das Buch auf verschiedene Weise. Da ist zum einen die Sorge um den verletzten Willie, der alleine im Laderaum liegt. Außerdem scheint es ratsam, dass niemand entdeckt, dass Lisa ein Mädchen ist - schließlich bringen Frauen an Bord angeblich Unglück. Ein weiterer Punkt ist natürlich, ob es dem Trio gelingt die drohende Sabotage zu verhindern und vor allem, ob sie es schaffen in die Gegenwart zurückzukehren.

Eva Maaser erzählt ihre Geschichte in einer gut verständlichen, altergemäßen Sprache. Sie schildert das schwere und entbehrungsreiche Leben der Seeleute und zeigt, welche große Bedeutung die Navigation bei diesen gefährlichen Seereisen hatte. Die drei Hauptfiguren wirken sympathisch und authentisch. Einen besonderen Effekt hat die fremde Herkunft Kims, da sie es auf eine spielerische, fast unmerklich Art möglicht, die eigene kulturelle Brille abzunehmen, um eine andere Perspektive einzunehmen.

Es wurde darauf geachtet, den Kindern die notwendigen Hintergrundinformationen zu geben. So zeigt eine der Illustrationen einen Sextanten, dessen Funktionsweise erklärt wird. In einem Anhang geht die Autorin auf die realen geschichtlichen Ereignisse ein, die diesem Kinderroman zugrunde liegen.

Eva Maaser: Kim und die Seefahrt ins Ungewisse. Mit Zeichnungen von Joachim Knappe, Coppenrath 2008, ab 9

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Ein leiser Roman über die Suche nach der kleinen Liebe

20. Mai 2008, 07:37:16


Sie nennt sich L. - die Abkürzung von Laetizia. Sie wächst in ganz gewöhnlichen Verhältnissen auf, macht ihr Abitur, studiert Meteorologie. Nach ihrem Studium macht sie ein Praktikum im Schnee- und Lawineninstitut, wo es zu einem kleinen Unfall kommt. Sie gibt ihre Forschungspläne auf und beginnt in einer Schule zu unterrichten, hat einen Freund - ein ganz gewöhnlicher Lebenslauf.

L. beobachtet ihre Umgebung wie jemand , der die Funktionsweise der Gesellschaft nicht versteht und deshalb die Regeln zu ergründen sucht. Wie sind die Regeln für das Lächeln? Warum bleiben Paare zusammen? Und sie sucht nach Liebe. Nicht nach der großen Liebe, aber eine kleine Liebe, die soll es schon sein.

In nur scheinbar lose aneinandergereihten Szenen ihres Lebens zeigt Jürg Schubiger L. als eine Frau, die auf der Suche ist nach ihrem eigenen Weg und Glück. Der fragende Blick auf die Gesellschaft und das Leben, lässt das Alltägliche bisweilen fragwürdig erscheinen und endet in einer Aufbruchsstimmung, bei der man meint spüren zu können, wie die Seele der jungen Frau Flügel bekommt.

Ohne Effekthascherei, leicht und sanft kommt der Roman daher, gewürzt mit einer Spur Melancholie und leiser Ironie. “Die kleine Liebe” ist ein leises und nachdenklich stimmendes Buch.

Der 1936 geborene schweizer Autor Jürg Schubiger ist hierzulande vor allem für seine Kinderbücher bekannt. Am 2. April 2008 wurde er mit dem Hans Christian Andersen-Preis ausgezeichnet, einer bedeutenden internationalen Auszeichnung für Kinder- und Jugendliteratur.

Jürg Schubiger: Die kleine Liebe. Roman, Haymon 2008

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Historischer Roman: Die Herren des Nordens (Bernard Cornwell)

16. Mai 2008, 17:40:51

Nach “Das letzte Königreich” und “Der weiße Reiter” ist im Frühjahr bei Rowohlt der dritte Band der Sachsen-Saga von Bernard Cornwell erschienen. Die historischen Romane Cornwells werden im englischen Sprachraum schon länger von Lesern wie Historikern geschätzt, da sie sowohl spannend geschrieben als auch gut recherchiert sind. Ein vierter Band ist 2007 unter dem Titel “Sword Song” erschienen. Seine Übersetzung steht noch aus.

Es ist das Jahr 878. Nachdem Uthred von Bebbanburg König Alfred dem Großen zum entscheidenden Sieg gegen die Dänen verholfen hat, belohnt dieser ihn mit Fifhaden. Doch Fifhaden ist nicht mal genug Land, um die dort lebenden vier Familien zu ernähren. Also bricht Uthred Richtung Norden auf, um die Ermordung seines Ziehvaters Graf Ragnar zu rächen und um sein Erbe, die Bebbanburg, die sein Onkel sich unrechtmäßig angeeignet hat, zurückzugewinnen. Doch die drei Spinnerinnen am Fuße des Weltbaumes lachen über seine Pläne und spinnen ihre Schicksalsfäden.

Auf der Reise nordwärts befreit der Krieger Uthred einen Sklaven namens Guthred. Guthred ist der Sohn des dänischen Grafen Hardnicut und soll aufgrund eines Traums des Abtes Eadred von Lindisfarena zum König von Northumbrien ausgerufen werden. Er besteht darauf, Uthred in seine Dienste aufzunehmen und will Alfred dem Großen nacheifern. Also stellt Uthred seine eigenen Pläne zunächst hintenan um das Reich Guthreds zu sichern, der ihm zu gutmütig für einen König erscheint. Doch Guthred lernt schnell. Weil es ihm für den Erhalt seines Königreiches Vorteile verschafft, lockt er den arglosen Uthred in eine Falle und verkauft ihn als Rudersklaven. Uthreds Schicksal scheint besiegelt…

Es ist Uthred selber, der seine Geschichte als alt gewordener Mann erzählt. Das gibt Raum für Andeutungen, die die Spannung erhöhen und für einige humorvolle Kommentare. Das Leben im Mittelalter wird nicht beschönigt, aber Cornwell walzt die Grausamkeiten der Kämpfe auch nicht extra aus. Ohnehin gehört nur ein Teil des Romanes Krieg und Kampf: Schilderungen der Lebensumstände und der sächsischen wie der dänischen Gesellschaft, Freundschaft und Loyalität, die Christianisierung Englands haben ihren ganz selbstverständlichen Platz in diesem Buch. Überraschende Wendungen sorgen dafür, dass der Spannungsbogen über den ganzen Roman anhält und auch nach dem Ende des dritten Bandes nicht abreißt. Eine Karte und weitere Informationen zu Ortsnamen und den historischen Hintergründen ergänzen diesen unterhaltsamen, spannenden und lehrreichen historischen Roman.

“Die Herren des Nordens” ist Freunden historischer Romane wärmstens zu empfehlen!

Bernard Cornwell: Die Herren des Nordens. Historischer Roman. Deutsch von Karolina Fell. Rowohlt Taschenbuch Verlag 2008

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Komische Geschichten: Horst Evers in Hochform

9. Mai 2008, 11:28:54

Horst Evers ist Träger des Kleinkunstpreises 2008. Sein aktuelles Buch heißt “Mein Leben als Suchmaschine” und bietet mehr als 40 kurze Geschichten, in denen Evers einen oft schrägen, scheinbar naiven und immer komischen Blick auf das Alltagsleben wirft. Die Installation eines Routers, verschwundene Fahrräder, peinliche Kinderfragen, der kaum zu bewältigende Terminstreß am Morgen, die Nöte eines Computerspezialisten - kaum zu glauben wohin Horst Evers den Lesern in den nur wenige Seiten kurzen Geschichten hinführt! Aberwitzig, wie der Künstler Zusammenhänge zwischen Dingen herstellt, die man von alleine nicht miteinander in Verbindung bringen würde. Sie wissen nicht, was eine Bushaltesstelle mit der Lebensplanung eines Menschen zu tun hat? Macht nichts - Horst Evers wird es Ihnen erklären, während Sie sich vor Lachen wegschmeißen!

Horst Evers: Mein Leben als Suchmaschine, Eichborn 2008

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Der Eichborn Verlag stellt einen Podcast mit Ausschnitten aus dem Live-Programm zur Verfügung - hier klicken.

Actionreiche Science Fiction: “Cosmo Hill” von Eoin Colfer

8. Mai 2008, 08:36:50


Durch seine Fantasy-Serie um Artemis Fowl ist Eoin Colfer einem größeren Kreis an jungen Lesern bekannt geworden. Mit der Figur des vierzehnjährigen Cosmo Hill hat er einen neuen Serienhelden geschaffen. Die Originalausgabe erschien 2004 unter dem Titel “The Supernaturalist”.

Der Roman spielt im dritten Jahrtausend. Satellite City ist eine satellitengesteuerte Metropole aus grauem, seelenlosen Stahl. Polizeivögel und Schnüffelsatelliten beobachten die Bewohner. Soziale Einrichtungen gibt es nicht und Waisenjungen die, wie Cosmo Hill, keinen Sponsor haben, werden in Waisenhäusern als Versuchskaninchen mißbraucht. Die Tests sind gesundheitsgefährdend und so liegt die durchschnittliche Lebenserwartung der `Sponsorlosen´ bei fünfzehn Jahren. Höchste Zeit also für Cosmo hier raus zu kommen! Tatsächlich gelingt ihm bei einem Unfall die Flucht, aber er wird schwer verletzt. Da sieht Cosmo kleine, blaue durchscheinende Wesen auf den Ort des Geschehen zukommen. Eines davon setzt sich auf seine Brust und scheint etwas aus ihm herauszusaugen. Cosmo sieht schon das Leben aus seinem Körper weichen, als drei Jugendliche auftauchen und die Wesen attackieren. Sie nennen sich die Supernaturalisten, da sie Übernatürliches wahrnehmen. Es sind Stefan, ein ehemaliger Polizeianwärter, Mona eine junge Automechanikerin und Dito. Dito ist eigentlich ein Erwachsener, der aufgrund von Genmanipulationen so aussieht, als sei er noch ein Kind. Da Cosmo ebenfalls die Wesen sehen kann, die sie die Parasiten nennen, nehmen sie ihn in ihre Gruppe auf. Nacht für Nacht begeben sich die Supernaturalisten an Unfallorte, wo Dito als Arzt mit außergewöhnlichen Fähigkeiten die Verletzten behandelt, während die anderen soviele Parasiten wie möglich zu vernichten versuchen. Doch sie haben das Gefühl, dass die Zahl der Parasiten schneller zunimmt denn je. Als sie bei einem Einsatz aufgegriffen werden, bietet ihnen Ellen Faustino, eine frühere Ausbilderin Stefans die jetzt für einen Konzern arbeitet, die Zusammenarbeit an. Doch Faustino verfolgt ganz andere Pläne als die Gruppe, was diese bald zu spüren bekommt…

Der Roman ist schnell, actionreich und zeitweise ganz unterhaltsam. Immer wieder wird Kritik an dieser Zukunftsgesellschaft geübt, die Ökonomie vor Menschlichkeit und Ökologie setzt und viel von einem Überwachungsstaat hat. Allerdings wirken die Charaktere oft etwas flach, nicht wie wirkliche Individuen, und die Handlung ist vielfach absehbar. Dabei sind gute Ansätze zu einer Charakterzeichnung im Umgang der Jugendlichen untereinander durchaus vorhanden. Der erste Band der Cosmo Hill-Serie überzeugt also nicht wirklich und reicht zum Beispiel an die frühen Artemis Fowl-Bücher nicht heran. Die Serie erscheint dennoch durchaus ausbaufähig und  im Hinblick auf die folgenden Bände kann man hoffen,  dass sie an Breite und Tiefe gewinnt.

Eoin Colfer: Cosmo Hill. Der Supernaturalist. Roman, Aus dem Englischen von Karl-Heinz Ebnet, List 2008

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Buchtipp: Die Bücherdiebin (Markus Zusak)

3. Mai 2008, 11:55:44


Für sein Jugendbuch “Der Joker” wurde Markus Zusak unter anderem mit dem Deutschen Literaturpreis 2007 in der Kategorie “Preis der Jugendjury” ausgezeichnet. Die Bücherdiebin ist sein erster Roman, der ausdrücklich auch für Erwachsene geschrieben ist. Es ist ein bemerkenswertes Buch, das zur Zeit des Nationalsozialismus spielt.

Deutschland im Januar 1939. Liesel Meminger ist neun Jahre alt, als sie von ihrer Mutter zusammen mit ihrem Bruder in eine Pflegefamilie in die Nähe von München gebracht wird. Auf der Zugfahrt dorthin stirbt ihr sechsjähriger Bruder. Bei der Beerdigung ihres Bruders, verliert einer der Totengräber ein Buch und Liesel nimmt es an sich. Es ist der Grundstein für Liesels enge Beziehung zu Büchern. Worte und Bücher gewinnen von nun an eine besondere Bedeutung für sie und werden sie in mehrfacher Hinsicht retten.

Ihre Pflegemutter Rosa Hubermann ist im Verhalten rau, aber dem Mädchen durchaus zugetan. Pflegevater Hans erobert schneller ihr Zutrauen. Wenn Liesel nachts aus Alpträumen erwacht, ist er bei ihr und tröstet sie. Auf ihren Wunsch beginnt er, ihr in der Nacht mit dem gestohlenen Buch das Lesen beizubringen. Und dann ist da noch ihr Freund Rudi. Rudi mit dem sie Fußball spielt, mit dem sie durch die Straßen Molchings streift, auf Diebestour geht oder ein Bonbon teilt. Rudi, der so gerne einen Kuss von Liesel möchte…

“Es bringt mich schier um, wie manche Menschen sterben.”

Aber es ist die Zeit des Nationalsozialismus, das bedeutet auch Judenverfolgung und Krieg. Eine ganze Zeit lang verstecken Hubermanns einen Juden in ihrem Keller. Neben der zusätzlichen Angst, die dies ins Haus der Familie bringt, wächst hier im Dunkeln eine tiefe Freundschaft heran. Eine, die das Denken und Handeln verändert. Eine, die das Unrecht nicht ignorieren kann, wenn Juden durch das Dorf nach Dachau getrieben werden. Der Krieg bringt Lebensmittelknappheit und Bomben, vielfaches Leid und Unrecht - und er bringt den Tod.

“Ich trug ihn sanft durch die zerschmetterte Straße, mit einem salzigen Auge und einem schweren, tödlichen Herzen.”

Die Bücherdiebin überzeugt auch durch ihren Erzähler. Es ist der Tod selber, der die Geschichte von Liesel und ihren Zeitgenossen erzählt, eine Figur die ihre ganz eigene Perspektive auf das Treiben der Menschen hat . Er erzählt von dem was er auf den Schlachtfeldern, in Gaskammern und in den Straßen sieht, er löst behutsam die Seelen aus den zerbrochenen und geschundenen Menschenleibern. Und weil er das Leid der Zurückbleibenden nicht erträgt, lenkt sich der Tod mit den Farben des Himmels ab. Markus Zusak findet für all dies eine besondere und bildhafte Sprache.

Der Roman erzählt nicht nur eine Geschichte über die Zeit des zweiten Weltkrieges. Er handelt auch von der Verantwortung zur Menschlichkeit und von der Kraft des Wortes, die den Menschen trotz der Zerstörung um in herum am Leben halten kann. Er tut dies auf eine Weise, die es leicht macht ihn gleichermaßen für Jugendliche ab etwa 13 Jahren wie für Erwachsene zu empfehlen.

Markus Zusak: Die Bücherdiebin. Roman. Aus dem Englischen von Alexandrea Ernst. Blanvalet 2008.

Diese Rezension bezieht sich auf die Erwachsenen-Ausgabe. Bei cbj ist eine Jugendbuch-Ausgabe erschienen. Der Text beider Ausgaben ist identisch.