Island wird Gastland der Frankfurter Buchmesse 2011

28. April 2008, 18:06:02

Der Kooperationsvertrag ist unterschrieben, Island wird der Ehrengast der Frankfurter Buchmesse 2011. Der Inselstaat Island ist zwar ein kleiner, aber sehr produktiver Buchmarkt. Trotz der relativ kleinen Einwohnerzahl von etwa 314.000 erscheinen jährlich rund 2.000 neue Titel. 2006 wurden 20 Titel aus dem Isländischen ins Deutsche übersetzt.

Den Grundstein für die isländische Literatur legten mittelalterliche Sagas wie zum Beispiel die Edda. Das wohl bislang berühmteste Werk der isländischen Literatur hatte großen Einfluss auf ganz Nordeuropa. Viele Autoren haben Motive und Namen aus der Edda entlehnt, so zum Beispiel auch John R. R. Tolkien, der sich für einige Zwergennamen aus der sogenannten Älteren Edda bediente.

Was die moderne isländische Literatur betrifft, so sind hierzulande bislang vor allem Krimiautoren wie etwa Arnaldur Indridason oder Yrsa Sigurdadottir bekannt. Die Partnerschaft mit der Frankfurter Buchmesse könnte dies vielleicht ändern.

Dieses Jahr ist die Türkei das Gastland der Frankfurter Buchmesse, es folgen China (2009) und Argentinien (2010).

Pressemitteilung der Frankfurter Buchmesse

Neue Bücher

24. April 2008, 09:40:22

Folgende Bücher liegen zur Rezension bereit:

Ein beeindruckendes Jugendbuch von Joyce Carol Oates

21. April 2008, 13:10:40


Joyce Carol Oates gilt als eine der bekanntesten amerikanischen Gegenwartsautorinnen. Neben zahlreichen Romanen und Erzählungen, einigen Gedichten und Theaterstücken hat sie auch Jugendromane veröffentlicht. Ihr Jugendbuch Mit offenen Augen – Die Geschichte von Freaky Green Eyes war für den Deutschen Jugendliteraturpreis 2006 nominiert. Im Februar ist ihr neues Jugendbuch Nach dem Unglück schwang ich mich auf, breitete meine Flügel aus und flog davon erschienen.

Bei einem schweren Unfall verliert die fünfzehnjährige Jenna ihre Mutter. Auch ein LKW-Fahrer stirbt bei dem Unglück. Sie selbst überlebt schwer verletzt und mit großen Schuldgefühlen. Jenna findet nur schwer ins Leben zurück: es ist viel angenehmer von Medikamenten betäubt “im Blauen” dahinzuschweben, als sich den Schmerzen und den unangenehmen Fragen derer auszusetzen, die sie nach dem Unfallhergang befragen.

Nach einigen Monaten kann Jenna die Klinik verlassen, aber nichts ist mehr wie vorher. Das Haus in dem sie mit ihrer Mutter lebte ist verkauft, sie die einstmals so sportlich war, kann nur noch unter Schmerzen laufen, ist körperlich wie seelisch gezeichnet. Sie zieht zu ihrer Tante. In ihrer neuen Umgebung findet sie sich nur schlecht ein: Jenna versteckt ihre Verletzbarkeit hinter einem Panzer aus schroffer Ablehnung. Gleichzeitig sucht sie nach diesem schmerzlosen Dämmerzustand und wird medikamentenabhängig. Auf diese Weise kommt sie in Kontakt mit einer Clique von Jugendlichen, die viel trinkt und Drogen nimmt. Es scheint, als sei Jennas Absturz vorprogrammiert, auch wenn ihre Familie alles versucht, um dies zu verhindern. Doch Jenna will nicht von ihnen geliebt werden, denn ihr Verhalten ist auch eine Art Selbstbestrafung. Der einzige von dem sie geliebt werden möchte ist Crow, ein umschwärmter Schüler, der scheinbar auch zu jener Clique gehört und sicher nur Mitleid für sie empfindet. Aber auch Crow hat in gewissem Sinne einen Unfall überlebt und er wird Jenna helfen, den entscheidenden ersten Schritt zur Überwindung des Unglücks zu machen.

Anhand des bis hierhin Beschriebenen könnte man meinen, das neue Jugendbuch von Joyce Carol Oates sei eines jener Jugendbücher die zwar pädagogisch wertvoll, literarisch jedoch nur Mittelmaß sind. Dies trifft jedoch nicht zu. Der Jugendroman bietet zwar allerlei Stoff mit dem man sich auseinandersetzen kann, aber es handelt sich ganz eindeutig zuallererst um ein einfühlsam geschriebenes literarisches Werk. Dieses Buch bietet eine lebendige Geschichte, in die man sich sehr leicht einfühlen kann. Es die Geschichte eines Mädchens, dass an dem Verlust der Mutter und ihren Schuldgefühlen zu zerbrechen droht, aber durch Freundschaft und Liebe die Kraft findet, die Krise zu überstehen. Joyce Carol Oates verzichtet dabei auf plakative Wertungen – sie scheint auf die Urteilskraft ihrer jungen Leser zu vertrauen und wird damit sicherlich Recht behalten. Die Autorin vermag es zudem auch sprachlich zu überzeugen. Mal schreibt sie klar und nüchtern, mal findet sie fast schon poetische Worte um Gefühle und Stimmungen nachzubilden und zu verdeutlichen. Eine kurze Anmerkung noch zum Buchtitel. Dieser wirkt zwar auf den ersten Blick etwas sperrig und unglücklich gewählt, erweist sich aber in mehrfacher Hinsicht als passend.

Joyce Carol Oates: Nach dem Unglück schwang ich mich auf, breitete meine Flügel aus und flog davon. Aus dem Englischen von Birgitt Kollmann. Hanser 2008 , ab 13

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Thomas-Mann-Preis für Daniel Kehlmann

16. April 2008, 08:27:58

Der Autor Daniel Kehlmann erhält den Thomas Mann-Preis 2008 der Hansestadt Lübeck. Ihre Wahl begründet die Jury unter anderem mit folgenden Worten: “Die Ehrung gilt dem scharfsinnigen Essayisten und klugen Geschichtenerzähler, dessen Romane und Novellen mit artistischer Verve und in leichtfüßiger Nachfolge Thomas Manns mit Humor, Ironie und tieferer Bedeutung ihre sehr ernsten Scherze treiben.”Die mit 10.000 Euro dotierte Auszeichnung wird alle drei Jahre vergeben, zuletzt 2005 an Walter Kempowski. Die Preisverleihung findet am 18. Oktober statt.

Der 33-jährige Philosoph und Literaturwissenschaftler Kehlmann hatte schon mit Ich und Kaminski einen internationalen Erfolg. Einem breiten Publikum wurde er jedoch erst durch seinen überaus erfolgreichen Roman Die Vermessung der Welt bekannt, welcher in 40 Sprachen übersetzt wurde und der 37 Wochen auf Platz 1 der “Spiegel”-Bestsellerliste stand.

Quelle: Mitteilung der Hansestadt Lübeck

Der alte Goethe und seine junge Liebe

14. April 2008, 08:31:22

Der historische Hintergrund von Martin Walsers jüngstem Roman ist schnell erzählt: 1823 verliebt sich Johann Wolfgang von Goethe im Alter von 73 Jahren in die 19-jährige Ulrike von Levetzow. Er hält um ihre Hand an, wird aber abgewiesen. Seinen Schmerz verarbeitet der Dichter in seiner berühmten Marienbader Elegie.

Bei einem Aufenthalt in Marienbad verliebt sich der alte Goethe in die junge Ulrike von Levetzow. Man kennt sich von früheren Gelegenheiten, doch das Mädchen von einst ist in der Zwischenzeit zur jungen Frau gereift. Goethe entflammt lichterloh und glaubt in ihrem Reden und Handeln eine positive Reaktion auf seine Gefühle zu erkennen.

“Wahrscheinlich wäre sie entsetzt, wäre auch ihre Mutter entsetzt, wenn beide wüssten, in welche Illusion er sich hineingelebt hatte. Wie er aus dieser Illusion herausfinden sollte, wusste er nicht.”

Im ersten Teil des Romans erzählt Martin Walser glaubhaft einen liebeskranken Goethe, der seine Verliebtheit mit Witz und Charme zu überspielen versucht, noch unentschlossen ob er diese Gefühlswelle zulassen soll, ob er sie überhaupt zugeben kann oder sich damit der Lächerlichkeit preisgibt. Schließlich bekennt er sich offen dazu, lässt durch den Großherzog Carl August der Mutter den Heiratsantrag übermitteln. Die Mutter reist mit ihren Töchtern nach Karlsbad ab. Goethe reist ihnen wenige Tage später nach…

“Ganze Schulen suchen ihr Heil in meinen Geständnissen, die besagen, dass man schreibend mit allem fertig wird, was einen, schriebe man nicht, umbringen könnte.”

Und so versucht er mit seiner Altersliebe, die ihn schüttelt als sei er ein noch junger Mann, schreibend fertig zu werden. Schreibend ist ihm Ulrike gegenwärtig, schreibend beobachtet er sich und was diese Liebe mit ihm macht. Dort wo Martin Walser einen Erzähler die Gespräche des Dichterfürsten mit Ulrike und ihrer Familie erzählen lässt, ist dieser Roman leicht, locker und spritzig – der fiktionale Goethe würde hier von `Rokoko´ reden. Die Verliebtheit des alten Mannes wird ergreifend beschrieben und als Leser kann man leicht mit dem sehr menschlich wirkenden Goethe mitfiebern. Im Verlauf des Buches wandelt sich die Atmosphäre. Zwar weiß die Liebe Goethes nichts von seinem zu hohen Alter, dafür aber die Gesellschaft und die eifersüchtige Schwiegertochter – es ist eine unmögliche, nicht realisierbare Liebe.

Mit der räumlichen Trennung von Ulrike und Goethe verengt sich die Perspektive über weite Strecken auf die Sicht des leidenden und reflektierenden Mannes, der in Briefen seine Gefühle und Beobachtungen darlegt. Hier fügt der Autor manchmal längere essayhafte Passagen ein, die den Lesefluss etwas hemmen können. Wortwahl und Charaktere wirken mitunter sehr modern für die damalige Zeit, fügen sich aber in den Text ein. Martin Walser ist mit “Ein liebender Mann” ein schöner Roman über eine unerwiderte Liebe gelungen, ein lebendig wirkendes Goethe-Bild, welches den Leser manchmal vergessen lässt, dass es in Wirklichkeit wahrscheinlich ganz anders war.

Martin Walser: Ein liebender Mann. Roman. Rowohlt Verlag 2008

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Band 3 der Eragon-Reihe erscheint im September

8. April 2008, 10:32:29


Der Erscheinungstermin des dritten Bandes der Fantasy-Sage von Christopher Paolini wurde mehrfach verschoben. Die Verlagsgruppe Random House kündigt sein Erscheinen nun für den September an und stellt eine kleine Leseprobe zur Verfügung. Der Originaltitel von Band 3 lautet Brisingr, die deutsche Übersetzung trägt den Titel Die Weisheit des Feuers. Ein vierter Band soll die Reihe abschließen.

Christopher Paolini: Eragon – Die Weisheit des Feuers, Cbj 2008 bei Amazon ansehen / bestellen

Nelly Mann – eine Biografie über das schwarze Schaf der Literaten-Familie

4. April 2008, 19:06:41

Bislang haben die Biografen um Nelly Mann, die zweite Frau der Schriftstellers Heinrich Mann, einen weiten Bogen gemacht. Sie war, bedingt durch ihre Herkunft und ihre Arbeit als Animierdame, das schwarze Schaf der Familie Mann. Thomas Mann nannte sie eine “arge Hur” und auch seine Frau Katia hatte kaum gute Wort für sie übrig. Durch ihre Arbeit an der Biografie Katia Manns, hat die Publizistin Kirsten Jüngling Interesse an dem Leben dieser unglücklichen Frau gewonnen, die 1944 den Freitod suchte. In ihrer Biografie versucht sie aus den wenigen überlieferten Fakten ihr Leben nachzuzeichnen.

Am 15. Februar 1898 wird Nelly unter dem Namen Emmy Johanna Westphal als uneheliche Tochter einer Dienstmagd in Ahrensbök in Holstein geboren. Der Vater ist unbekannt. Einige Jahre später heiratet die Mutter den Niendorfer Fischer Nicolaus Heinrich Kröger. Nelly wird nach Erreichen der Volljährigkeit seinen Namen annehmen. Die junge Frau geht nach Berlin, wo eine frühe Ehe mit Werner Schmidt nach kurzer Zeit scheitert. Mit 25 verdient sie ihren Lebensunterhalt als Animierdame in den Bars rund um den Kurfürstendamm. Dort traf sie einige Jahre später den in erster Ehe verheirateten Heinrich Mann, der dieses Milieu sehr reizvoll fand. Es gibt Indizien dafür, dass sie sich im Juni 1929 als Paar empfanden, aber erst 1932, Heinrich Mann war mehr als zwei Jahre geschieden, zogen sie zusammen. Sie folgt ihm ins Exil, erst nach Südfrankreich, wo sie 1939 heiraten, später nach Amerika. Schon in Frankreich nimmt ihr Alkohol- und Medikamentenkonsum zu: Nelly fühlt sich von Heinrich ungerecht behandelt. Zudem wird sie von vielen Emigranten ausgelacht, mit Häme übergossen. Mit der Flucht in die USA wird alles noch schlimmer, zumal die wirtschaftlichen Probleme zunehmen…

Kirsten Jünglings Biografie hat, auch wenn sie auf rekonstruierbaren Fakten beruht, stellenweise etwas von einem Roman – da wo sie das Umfeld und das Zeitgeschehen schildert, um die Buchstaben zum Leben zu erwecken. Sie zeichnet Nelly Mann nicht einfach als ordinäre Person und Trinkerin, sondern als eine unglückliche Frau, die nach Anerkennung und Liebe sucht und sie nicht in ausreichendem Maße erhält. Sie unterstützt Heinrich Mann nach Kräften und erhält doch lange kaum Dank von ihm dafür. Die Familie Mann akzeptiert sie nicht, die Emigranten machen sich über sie lustig. Mehr und mehr flüchtet sich Nelly Mann in Alkoholsucht und Medikamentenmißbrauch. Sie schämt sich dafür, versucht trotz allem ihre Würde zu bewahren. Lange braucht Heinrich Mann um zu verstehen, wie viel sie ihm bedeutet und um sich für sie einzusetzen. Als er es erkannt hat, sind die Weichen wohl schon längst gestellt: das Paar hat im amerikanischen Exil mit allerlei Schwierigkeiten zu kämpfen und ist vom jüngeren und viel erfolgreicheren Bruder Thomas abhängig. Mit ihrem Buch legt die Publizistin eine lang fällige, angenehm geschriebene und teils spannende Biografie über das schwarze Schaf der Familie Mann vor.

Kirsten Jüngling: >>Ich bin doch nicht nur schlecht<<. Nelly Mann. Die Biografie, Propyläen 2008

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Hans Christian Andersen-Medaille 2008

2. April 2008, 18:17:20

Jürg Schubiger und Roberto Innocenti mit der Hans Christian Andersen-Medaille ausgezeichnet

Der Hans Christian Andersen-Preis wird alle zwei Jahre vom International Board on Books for Young Poeple (IBBY) an einen Autor und einen Illustrator für ihr Gesamtwerk verliehen. Die unter der Schirmherrschaft der dänischen Königin Margrethe II. stehende Auszeichnung gilt als renommierteste internationale Auszeichnung für Autoren und Illustratoren der Kinder- und Jugendliteratur. Die Preisverleihung wird im Rahmen des 31. internationalen IBBY-Kongresses am 7. September in Kopenhagen stattfinden.

Zuletzt konnte sich der schweizer Autor Jürg Schubiger über die Nominierung seines Bilderbuches Der weiße und der schwarze Bär für den Deutschen Jugendliteraturpreis 2008 freuen.

Quelle: Arbeitskreis für Jugendliteratur e.V.

Trendbericht Kinder- und Jugendbuch

1. April 2008, 09:16:14

Mitte März wurde auf der Leipziger Buchmesse der Trendbericht Kinder-und Jugendbuch vorgestellt. Danach konnte der Buchhandel für 2007 im Bereich Kinder- und Jugendbuch einen Zuwachs von 23,9% im Vergleich zum Vorjahr verbuchen. In der Gruppe der Zehnjährigen sind vor allem Krimi-Serien, Freundschaftsgeschichten und Fantasy beliebt. In 2007 hatten Bestseller wie Tintentod und Harry Potter und die Heiligtümer des Todes erwartungsgemäß großen Anteil an den Kinder- und Jugendbüchern.

Die Bücher werden zu 93% nicht von den Kindern selber, sondern von ihren Eltern gekauft. Vor allem Eltern der Mittelschicht kaufen verstärkt Bücher und lesen ihren Kindern vor, Kinder aus bildungsfernen Schichten müssen oft auf diese Form der Leseförderung verzichten. Dabei ist es für eine erfolgreiche Leseerziehung wichtig auch Grundschulkindern noch vorzulesen.

Quellen: Arbeitskreis für Jugendliteratur e.V. , Börsenverein des Deutschen Buchhandels , Lesen in Deutschland